Die Livebranche floriert. Aber nicht jedes Konzert verkauft sich gleich gut. Eine unbequeme Couch von Oeticket soll Österreich nun zum Ausgehen motivieren.

© Adobe Stock / Cristina Peligros
Eigentlich kann man sich nicht beschweren: Nach Corona hat die Livebranche einen ordentlichen Aufschwung erlebt, große Stadienkonzerte bekommen den Stempel »Ausverkauft!« und der Wunsch der Menschen, wieder mehr echte Momente zu erleben, lässt sich längst in Verkaufszahlen ablesen. Laut dem jährlichen »Global Entertainment & Media Outlook« der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC ist bis 2030 auch kein Ende dieses Wachstums in Sicht. Trotzdem müssen Konzerte und Festivals – wie zuletzt etwa das Alter Ego Festival in Wels – aufgrund zu niedriger Ticketverkäufe abgesagt oder verschoben werden. Für weniger bekannte Künstler*innen ist es zudem schwierig, auch kleinere Venues zu füllen.
Nach einem besonders tollen »Aufschwung« klingt das also auf den ersten Blick eher nicht. Christoph Klingler, Geschäftsführer von Oeticket, sieht darin allerdings keinen Widerspruch: »Die Menschen sind heute vermehrt dazu bereit, teurere Events zu besuchen. Die Situation ist zwar noch nicht dramatisch, aber wir müssen aufpassen, dass junge heimische Künstler, nicht übersehen werden.« Die Leute gehen also noch auf Konzerte. Sie suchen sich nur genauer aus, auf welche. Und wenn das gesamte Konzertbudget mit einem Ticket für einen internationalen Superstar wie Billie Eilish ausgeschöpft ist, überlegt man sich den Besuch bei einem Auftritt von Newcomer*innen doppelt und dreifach.
Christoph Klingler (Bild: Studio Heidegger)
Goldene Zeiten?
Während der Covid-19-Pandemie konnte man wohl nicht davon sprechen, dass die Livebranche gemütlich auf der Couch versumpert wäre, vielmehr lag sie unfreiwillig ziemlich flach. Klingler prognostizierte damals für die Zeit danach ein »goldenes Zeitalter« für Konzerte. Inzwischen liegen die Ticketverkäufe laut Klingler rund zwanzig Prozent über dem Vor-Corona-Niveau. Ganz unrecht hatte er also nicht.
Mit freudig aufgeregten Konzertbesucher*innen ist aber auch etwas anderes zurückgekommen: höhere Kosten. Der Oeticket-Geschäftsführer stellt fest: »Seit Corona sind die Produktionskosten um bis zu 45 Prozent gestiegen. Diese Teuerung kann man nicht eins zu eins an alle Kund*innen weitergeben. Deshalb werden oft teurere VIP-Tickets angeboten, die dann gewissermaßen die günstigeren Tickets mitfinanzieren.« Dass diese Rechnung für etablierte Popstars irgendwie aufgeht, ist klar. Für neue Acts funktioniert so ein Ausgleich aber eher weniger.
Entscheidungen treffen
Der PWC-Bericht bringt mit der – zugegeben, schon mehrfach durchgekauten – Digitalisierung einen weiteren Faktor ins Spiel: Streamingdienste sprießen, Kaufentscheidungen verlagern sich zu großen Teilen in Onlinesphären und ein aufmerksamkeitsraubendes Angebot jagt das nächste. »Man muss heute mit Algorithmen arbeiten und schauen, dass junge Künstler*innen Luft und Sonne bekommen«, meint Klingler zu dieser Entwicklung.
Wie gemütlich wir es uns mittlerweile in unserem digitalen Wohnzimmer gemacht haben, das wollte Oeticket genauer wissen. In einer von Marketagent durchgeführten Umfrage ließ man Menschen zwischen 14 und 45 Jahren zu ihrem Ausgehverhalten befragen. Sechs von zehn gaben dabei an, lieber zu Hause zu bleiben, als sich unters Volk zu mischen. Ein Overload an Möglichkeiten macht es eben nicht leichter, sich für eine Option zu entscheiden. Vor allem in Großstädten dürfe man laut Klingler aber nicht daraus schließen: »Wenn ich heute nicht rausgehe, gehe ich halt morgen.«
Uncomfy Couch (Bild: Jung von Matt Donau)
Aufstehen, rausgehen
Von 1. bis 3. September steht mit der Uncomfy Couch deswegen eine Sitzgelegenheit am Westbahnhof, die ihren Job bewusst eher schlecht macht. Mit einer Installation, die das – teils scheinbar etwas zu bequeme – Sofa als blaue stachlige Bedrohung darstellt, möchte Oeticket die Menschen dazu motivieren, ihr Haus zu verlassen. Auch für Acts, bei denen sie noch nicht alle Songtexte mitsingen können. Sofie Royer, Sodl und Marley Wildthing spielen jeweils ab 18 Uhr kostenlose Konzerte auf einer Glasbox vor dem Ikea.
Dass bald niemand mehr auf Konzerte geht, steht – wie bereits erwähnt – nicht zu befürchten. Es gilt lediglich, früh auf Entwicklungen zu reagieren und dafür zu sorgen, dass auch kleinere Acts ihr Publikum finden. Auf der Couch zu versumpern, soll schließlich nicht zur naheliegenderen Option werden.
Die Uncomfy Couch steht von 1. bis 3. September 2026 am Wiener Westbahnhof. Nähere Informationen zu den Konzerten sind unter www.oeticket.com/campaign/uncomfy zu finden.
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