Die deutsche Rechtswissenschaftlerin Charlotte Kreuter-Kirchhof sieht die Zusammenarbeit zwischen Kardinälen und Laien im vatikanischen Wirtschaftsrat positiv. Das gemeinsame Beraten und Entscheiden erlebe sie als „synodal“, sagte die Vizekoordinatorin des Gremiums im Gespräch mit katholisch.de. Auch bei Transparenz und Finanzplanung habe sich in den vergangenen Jahren vieles zum Guten entwickelt.
Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, wurde im Amt des Koordinators des Wirtschaftsrats bestätigt. Seine Stellvertreterin bleibt die deutsche Juristin …
Papst Leo hat kürzlich den Münchner Kardinal Reinhard Marx als Koordinator des vatikanischen Wirtschaftsrats bestätigt. Auch die deutsche Rechtswissenschaftlerin Charlotte Kreuter-Kirchhof bleibt Vizekoordinatorin des Gremiums. Sie gehört dem Wirtschaftsrat seit 2020 an und ist seit 2021 dessen Vizekoordinatorin. Der Wirtschaftsrat beaufsichtigt die Verwaltungs- und Finanzstrukturen des Heiligen Stuhls. Zu seinen Aufgaben gehört es, den jährlichen Haushaltsplan und den Haushaltsabschluss des Heiligen Stuhls zu genehmigen und beides dem Papst vorzulegen. Das Gremium besteht aus 15 Mitgliedern, darunter acht Kardinäle sowie sieben Expertinnen und Experten verschiedener Nationalitäten.
Zusammenarbeit als „synodal“ erlebt
Die Zusammenarbeit innerhalb des Wirtschaftsrats beschreibt Kreuter-Kirchhof im Interview als „sehr gut und sehr vertrauensvoll“. Das Gremium komme mehrmals im Jahr zu Sitzungen im Vatikan zusammen. Kardinäle und Laien berieten und entschieden gemeinsam, um den Papst mit ihren Empfehlungen zu unterstützen.
„Dieses gute Miteinander erlebe ich als synodal. Wir beraten gemeinsam und entscheiden gemeinsam, um so den Papst durch unsere Empfehlungen zu unterstützen“
Als Vizekoordinatorin übernimmt Kreuter-Kirchhof eine Vertretungsaufgabe. Geleitet wird das Gremium von Kardinal Marx. Den Sitzungen gehe eine Vorbesprechung voraus, anschließend berieten alle Mitglieder des Wirtschaftsrats gemeinsam und seien dabei gleich stimmberechtigt.
Renten, Finanzplanung und Haushalt
Zu den derzeitigen wirtschaftlichen Themen des Vatikans gehören Kreuter-Kirchhof zufolge unter anderem die Entwicklung der Renten sowie Fragen der Finanzplanung und des Haushalts. Als Mikrostaat stehe der Vatikan dabei vor wirtschaftlichen Fragen, die sich auch vielen anderen Staaten stellten.
Der Wirtschaftsrat arbeite unabhängig von der Kurie und den Institutionen des Heiligen Stuhls und sei nicht weisungsgebunden. Er wurde von Papst Franziskus gegründet und ist in der Verfassung des Heiligen Stuhls etabliert. Ziel seiner Arbeit sei es, zu einer transparenten und effizienten Verwaltung im Sinne der katholischen Soziallehre beizutragen.
„Vieles zum Guten verändert“
Mit Blick auf ihre bisherige Tätigkeit im Wirtschaftsrat zieht Kreuter-Kirchhof eine positive Bilanz. In den vergangenen sechs Jahren habe das Gremium nach ihrem Eindruck eine gute Entwicklung begleiten und fördern können, etwa bei der Finanzplanung. Transparenz und klare Verantwortungsstrukturen seien grundlegende Ziele. Über die Verwendung von Geldern werde Rechenschaft abgelegt.
Die Gründung des Wirtschaftsrats und weiterer Finanzinstitutionen des Heiligen Stuhls sei auch eine Reaktion auf Ereignisse in der Vergangenheit gewesen. Inzwischen habe sich jedoch vieles verbessert. Der eingeschlagene Weg sei noch nicht abgeschlossen, so Kreuter-Kirchhof. Insgesamt handele es sich aber um eine gute Entwicklung.
Auch unterschiedliche Positionen gehörten zur Arbeit des Gremiums. Im Wirtschaftsrat werde um den richtigen Weg gerungen und nach gemeinsamen Entscheidungen im Konsens gesucht. Entscheidend seinen dabei der intensive Austausch und das Gespräch. Alle Beteiligten verbinde das Ziel, den Papst in seinem Dienst zu unterstützen.
Frauen in Führungspositionen
Kreuter-Kirchhof verwies zudem auf die Beteiligung von Frauen im Wirtschaftsrat. Sechs Mitglieder des Gremiums seien Frauen. Papst Franziskus habe wiederholt Frauen in Leitungspositionen im Vatikan berufen, Papst Leo setze diesen Weg fort. Darin sieht Kreuter-Kirchhof ein wichtiges Signal für eine stärkere Übernahme von Verantwortung durch Frauen in Führungspositionen der katholischen Kirche. Für die konkrete Arbeit im Wirtschaftsrat seien jedoch vor allem zwei Dinge entscheidend: „die fachliche Expertise und das gute Argument“.
(katholisch.de – vo)