Als Grund für die gestiegene Arbeitslosigkeit gilt die schwache Wirtschaft: Laut Wirtschaftsforschungsinstitut wirken schwache Konjunkturdaten aus dem Frühjahr besonders nach. Niederösterreich habe in einigen Branchen schlechter performt, als die anderen Bundesländer. Insgesamt sind fast 56.500 Menschen im Land arbeitslos oder befinden sich in Schulung.
Das sei besonders auf drei Branchen zurückzuführen, so Stefan Angel, Arbeitsmarktökonom beim Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO). In der Sachgütererzeugung sehe man eine „unterdurchschnittliche Performance“, so der Experte: „Ähnlich ist es auch im Bauwesen – und auch im Tourismus sehen wir, dass – gemeinsam mit Vorarlberg – Niederösterreich das einzige Bundesland ist, wo die Nächtigungen zurückgegangen sind im Frühjahr 2026.“
Ältere Frauen besonders betroffen
Besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind ältere Frauen. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der arbeitslosen Frauen in Niederösterreich um 8,4 Prozent gestiegen, bei Männern fällt das Plus mit 5,3 Prozent deutlich niedriger aus. Österreichweit zeigt sich der Unterschied noch eindeutiger: 5,8 Prozent Plus wurden bei den Frauen gemeldet, und ein Rückgang von 0,8 Prozent bei den Männern.
Tiefe Kluft zwischen Frauen und Männern
Grund sei unter anderem der schrittweise Anstieg des Pensionsalters bei Frauen, so Monika Taboga, Leiterin des AMS St. Pölten. „Zudem leisten Frauen mehr Care-Arbeit und sind stärker im Handel oder im Sozial- und Gesundheitswesen tätig. Branchen, die eben stagnieren“, so die Expertin.
Ausbildungen für ältere Generation
Besonders hoch ist der Anstieg auch bei Menschen über 50 Jahre: „Hier liegt unser Fokus ganz stark darauf, dass wir diese Personengruppe motivieren, dass sie noch Ausbildungen machen, damit wir der Arbeitslosigkeit entgegenwirken“, so Taboga. Dafür brauche es laut AMS aber auch die Unternehmen, die die Älteren einstellen: „Firmen sind verhalten in der Aufnahme von Personen über 50. Hier braucht es noch ganz viel Überzeugungsarbeit und ganz viel Information zu Fördermöglichkeiten, hier ist noch viel Luft nach oben.“
Bezüglich Konjunktur sei „die Talsohle jetzt einmal vorläufig erreicht und im Laufe des Jahres sollte sich das Konjunkturbild verbessern“, so Angel. Die Einschätzung basiere aber auf der Annahme, dass mögliche neue internationale Krisen und Kriege die Lage nicht noch weiter anheizen.
Schlagabtausch zwischen SPÖ und FPÖ
SPÖ-Landesparteichef und Ex-AMS-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich spricht seit Monaten wiederholt von einem „hausgemachten Problem“ in Niederösterreich. Er fordert ein Konjunkturpaket und wirft der zuständigen Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) Untätigkeit bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vor.
Rosenkranz weist gegenüber noe.ORF.at. die Kritik zurück, die schwierige Lage am Arbeitsmarkt sei „maßgeblich auf die Untätigkeit der Bundesregierung zurückzuführen“, betont Rosenkranz, die in ihrer schriftlichen Stellungnahme auch Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) in die Verantwortung nimmt. Die Bundesregierung sei es, die auf falsche Maßnahmen setze – um Arbeitsplätze zu schaffen und zu halten müsse „endlich die Konjunktur angekurbelt werden“, so Rosenkranz.