Von 20. bis 22. August wurde St. Pölten wieder Schauplatz für das größte Mainstream-Festival Österreichs. Neben Auftritten von Megastars wie Lorde, Twenty One Pilots oder Zara Larsson lief beim Frequency 2026 nicht alles so ab wie erhofft.

Das Frequency ist seit Jahren das wohl gefragteste Event in Österreich: große Namen, vielfältiges Programm und eine gute Location. Für alle Festival-, Party- und Camping-Liebhaber:innen ein Traum. Grundsätzlich aber nur, solange auch das Wetter mitspielt. Was das betrifft, hatten wir dieses Jahr nicht unbedingt Glück, aber es wurde trotzdem das Beste aus drei Tagen an der Traisen rausgeholt.

Donnerstag – Party im Regen

Am ersten offiziellen Festivaltag wurden wir noch von Sonnenstrahlen begrüßt. Dass sich das Wetter früher oder später drastisch ändern würde, hatten die wenigsten auf dem Schirm. Viel mehr lag der Fokus auf dem erstaunlich guten Line-up:

Lovehead

Eröffnet wurde die MainStage von der österreichischen Indie-Rock-Band Lovehead, die auch schon beim Szene Openair mit ihrer Show überzeugten. Ihre „Freibier-Aktion“ zog bereits eine große Menge am frühen Nachmittag aufs Festivalgelände. Gemeinsam wurde gesungen, getanzt und es gab die ersten riesigen Kreise sowie extra FLINTA*-Moshpits. Das Set war zwar vergleichsweise eher kurz, hat aber die Crowd perfekt in Stimmung gebracht.

Ravyn Lenae

Mit mehr als 30 Millionen monatlichen Hörer:innen auf Spotify zählt Songwriterin Ravyn Lenae aktuell zu den beliebtesten Artists weltweit. Ihr Hit „Love Me Not“ ist auch bei uns sehr gut angekommen. Das alleine reicht aber nicht ganz aus, um ein Festival-Publikum bei Laune zu halten. Während ihre Performance zwar gut war, ging sie im Vergleich zu den anderen Acts an diesem Tag etwas unter.

Zara Larsson

Pop-Queen Zara Larsson war ein Pflichttermin für das gesamte Festival. Kurz vor ihrem Auftritt begann es aber genau zu regnen, was zu ihrer Ästhetik am allerwenigsten passt. Nicht einmal ihr Song „Midnight Sun“ konnte die Sonne zurückbringen. Das störte das Publikum nicht weiter und so wurden einfach die Ponchos ausgepackt und im Regen getanzt: ein Anblick, der Zara sehr gefiel. Generell zeigte sie wieder viel von ihrer sympathischen Seite und der „Lush Life Dance“ ging dieses Mal an einen Fan, der extra aus Südamerika angereist ist. Obwohl ihr Auftritt schlussendlich etwas kürzer als gewohnt war, hat sie die Stimmung klar verbessert.

Fontaines D.C.

Direkt danach gab es einen kleinen Genre-Wechsel auf der MainStage, als es an der Zeit für die irische Post-Punk-Band Fontaines D.C. war. Entweder man hatte noch nie von ihnen gehört oder ist extra für sie gekommen. Ich schloss mich klar der zweiten Gruppe an und so hatte ich auch ziemlich hohe Erwartungen. Diese wurden, um ehrlich zu sein, dieses Mal nicht ganz erfüllt. Musikalisch zwar stark wie immer, aber es fehlte jegliche Kommunikation zum Publikum. Nicht einmal ihr bevorstehendes Album oder die neuen Songs, die teilweise sogar gespielt wurden, haben eine Ankündigung bekommen. Vielleicht ist diese „nonchalante Art“ Teil ihrer neuen Ära.

Lorde

Jegliche Enttäuschung oder Erschöpfung war sofort weg, als auf einmal Lorde auf der Bühne stand. Es ist kaum zu glauben, dass es ihre allererste Show in Österreich war. Sie kündigte groß an, wie gerne sie die österreichische Kultur mag, und bestätigte somit, dass es nicht nur für uns besonders war. Außerdem zeigte sie auf einem ganz neuen Level, was man aus einer Festival-Performance alles rausholen kann. Während Songs wie „Ribs“ oder „Green Light“ live sofort abholten, war die Kombination aus ihren Bewegungen, dem Bühnenbild und kleinen Extras wahre Kunst. Für mich der bestmögliche Abschluss meines ersten Tages beim Frequency.

Freitag – Es geht bergab

Nach dem sehr verregneten Vortag hofften alle, dieses Mal verschont zu bleiben. Der Wetterbericht und eine offizielle Wetterwarnung vom Frequency kündigten aber schon vorsichtig an, dass das wahrscheinlich nicht der Fall sein wird. Trotzdem starteten wir positiv in den zweiten Tag, ohne zu wissen, welche Konsequenzen uns noch bevorstehen werden.

ABor & Tynna

Das ehemalige Eurovision-Duo Abor & Tynna bekam für ihren Auftritt mitunter die letzten Sonnenstrahlen des Tages ab. Obwohl viele um die Uhrzeit noch am Campingplatz waren, versammelten sich ihre wahren Fans bereits in den ersten Reihen und hatten sogar selbstgemachte Schilder für sie dabei. Live brachten sie eine Mischung aus guten Beats, Gesang und Tanzeinlagen auf die Bühne. Die beiden Geschwister sind auf jeden Fall weit mehr als ihr Hit „Baller“.

OG Keemo

Als der deutsche Rapper OG Keemo etwas später die Mainstage betrat, war das Publikum auf einmal prall gefüllt und bereit dafür, komplett zu eskalieren. All die Energie, die nach mehr als 24 Stunden Festival noch vorhanden war, wurde in Form von Springen und Moshpits ausgelassen. Zu dem Zeitpunkt dachte aber noch keine:r daran, dass das die letzten an diesem Tag sein werden.

Natasha Bedingfield

Für ordentlich Nostalgie sorgte danach die Ikone Natasha Bedingfield. Ihr Sound bewegt Generationen und entfaltete live sein volles Potenzial. Passend zu „Unwritten“ mit den Lyrics „Feel the rain on your skin“ begann es tatsächlich auch in St. Pölten zu regnen. Ein letztes Mal wurde dieser Moment in Gemeinschaft genossen, bevor es die ersten schlechten Nachrichten gab.

Tom Odell, Sido, usw.

Die Vorfreude auf die Headliner war riesig, doch als sich der Himmel immer weiter zuzog, breitete sich bereits ein ungutes Gefühl aus. Bald gab es neben der normalen Wetterwarnung schon die ersten Sicherheitsmaßnahmen: Die Auftritte von mehreren Acts, inklusive Tom Odell, werden nicht stattfinden. Für viele war der Tag somit gelaufen und auch ich machte mich langsam auf den Rückweg. Trotzdem blieb im Hinterkopf etwas Hoffnung, dass vielleicht Sido und SSIO später noch auftreten können. Aufgrund der starken Winde und der Unsicherheit war auch das nicht möglich und der Tag wurde vorzeitig beendet bzw. das komplette Gelände geräumt.

Samstag – Ende gut, alles gut

Obwohl der Vortag ein Fail war, muss man sagen, dass es die richtige Entscheidung war. Das Wetter war nicht zu unterschätzen und so konnte Schlimmeres verhindert werden. Außerdem brachten die Umstände die Festivalgeher:innen umso mehr zusammen: egal ob am Campingplatz oder über Social Media. Als kleine Entschädigung durften die Tagesticket-Besitzer:innen vom Freitag den letzten Tag gratis besuchen und die ersten 5000 Getränke gingen aufs Haus. Ideale Voraussetzungen für einen würdigen Abschluss.

Baran Kok

Der Samstag startete wetter- und line-up-technisch optimal, vor allem für alle Deutschrap-Fans. Baran Kok zog als erster Act bereits eine große Menge zur Green Stage, die nicht nur textsicher, sondern auch motiviert war. Gemeinsam wurde zu Songs wie „HOLA PAPI“ oder „#FREEBARANKOK“ getanzt und gefeiert. Im Publikum konnte man unzählige Fans mit Schildern für den deutschen Musiker erkennen. Seine Performance machte ganz klar Lust auf mehr, was wir nur etwas später auch bekommen haben.

Ikkimel

Eine Live-Performance von der Berliner Rapperin Ikkimel ist immer ein Highlight. Genau dieses Erlebnis wollte das bisher größte Publikum auch haben und es wurde keine:r enttäuscht. Dieses Mal war sogar Ikkis beste Freundin Pintendari am Start, um mit ihr zu performen. Neben ihren bekannten Hits und Show-Elementen gab es ein paar Überraschungen. So kam für den gemeinsamen Song „EIER LEGEN“ Baran Kok nochmal zum Vorschein. Zusätzlich zu dem altbekannten Hundekäfig wurde dieses Mal auch ein Mädchen auf die Bühne geholt, welches im Rahmen eines Geburt-Rollenspiels eine Mini-Ikkimel-Puppe auf die Welt brachte und diese dann auch behalten durfte. Egal wie oft man Ikkimel schon live gesehen hat, es wird nie langweilig und gute Stimmung ist garantiert.

Ski Aggu

Einen besseren nachfolgenden Act als Ski Aggu gibt es in diesem Fall schlechthin nicht. Bis auf einige Twenty-One-Pilots-Fans in der ersten Reihe waren die meisten für das beliebte deutsche Duo Ikki & Aggu da. Wie erwünscht gab es sogar eine gemeinsame Performance des Songs „DEUTSCHLAND“. Das war aber nicht der einzige Special Guest bei Ski Aggus Auftritt. Bei dem bekannten Song-Duell stürmte Rapper bbno$ völlig überraschend auf die Bühne, um kurz einen seiner Songs anzustimmen. Das Gleiche dann übrigens umgekehrt bei seinem späteren Set auf der Green Stage. Wie gewohnt wird Ski Aggu bei jedem Festival zum Highlight.

Twenty One Pilots

Den offiziellen Festivalabschluss gab es dann mit Twenty One Pilots, welche das als große Ehre sahen und die Aufgabe perfekt erfüllten. Ihre größten Fans standen schon seit den frühen Morgenstunden an, um einen Platz in der ersten Reihe zu haben und ihnen ganz nahe zu sein. Das wurde aber auch vielen anderen ermöglicht, da Tyler und Josh wieder viel neben der Bühne unterwegs waren. Egal ob TØP-Fan oder nicht, ihre Show kommt immer gut an und hat am Ende des Frequency 2026 nochmal alles rausgeholt.

Fazit

Kaum zu glauben, aber dieses Jahr war mein allererstes Frequency. Mal abgesehen von den Top-Acts hab ich mir im Nachhinein nicht das beste Jahr ausgesucht, um einen neutralen ersten Eindruck zu bekommen. Trotzdem lässt sich klar sagen, dass es hier etwas mehr ums Feiern als um die Acts geht, was nicht immer schlecht sein muss. Rein von der Atmosphäre und dem Line-up her ist man aus Erfahrung in anderen Ländern etwas besser aufgehoben. Sollten aber noch ein paar spannende internationale Namen nächstes Jahr am Start sein, bin ich sehr gerne nochmal dabei.