Realos gegen Fundis
Niederländische Grüne rebellieren gegen Parteifusion
Von t-online, afp, reuters
03.09.2026 – 18:33 UhrLesedauer: 3 Min.
Das Europaparlament in Straßburg (Archivbild): Nicht nur eine Liebesaffäre sorgt in der Grünenfraktion für Aufruhr. (Quelle: IMAGO/Ardan FUESSMANN/imago)
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Unmut bei den Grünen in Europa: Erst zieht sich der Ko-Fraktionschef wegen einer „unsachgemäßen Beziehung“ zurück. Dann rebellieren niederländische Abgeordnete.
Der Sommer lief nicht gut für Europas Grüne. Erst gab Bas Eickhout, Ko-Fraktionschef der Partei im Europaparlament, sein Amt auf. Er hatte zuvor eine „unangemessene Beziehung“ zur österreichischen Fraktionskollegin Lena Schilling eingeräumt. Eickhout zog sich aus der Politik zurück.
Nun droht in der Fraktion ein Aufstand der Abgeordneten aus den Niederlanden. Sie widersetzen sich den Vorgaben der Parteispitze aus Den Haag, die mittelfristig auf einen Wechsel ihres Personals zu den Sozialdemokraten dringt.
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Der Hintergrund ist eine Parteireform in den Niederlanden. Dort waren Sozialdemokraten und Grüne im Juni zur neuen rot-grünen Pro-Partei fusioniert. Offen blieb die Frage, wohin die neue Bewegung auf EU-Ebene tendiert. Zu den Sozialdemokraten oder zu Europas Grünen?
Aufstand in der Fraktion gegen Parteichef
Nun hat die Parteiführung in Den Haag entschieden. Der neue Parteichef Jesse Klaver erklärte, es gehe darum, „in Europa größtmöglichen Einfluss auszuüben“. Für Klaver bedeutet das, dass sich die Abgeordneten der neuen Gruppierung auf EU-Ebene den Sozialdemokraten anschließen. „Das wird sowohl unserer Sache als auch unserem Anspruch gerecht“, so der Parteichef. Keine leichte Entscheidung. Und eine Richtungswahl.
Denn der Beschluss rührt an einer alten Debatte auf der Linken. Von einer „Frage der Identität“ sprach die niederländische Ex-Grünen-Europaabgeordnete Judith Sargentini in der niederländischen Zeitung „NRC Handelsblad“ und stellte die entscheidende Frage: „Sind wir eine Partei, die den Systemwandel anstrebt oder wollen wir nur ein paar kleine Anpassungen?“ Die Parteispitze wählte die Machtoption. Die Basis setzt auf Idealismus und wütet. Der Streit zwischen Realos und Fundis erreicht die EU-Ebene.
Dort rebellieren nun die eigenen Abgeordneten in der Grünen-Fraktion gegen die Fusion mit Sozialdemokraten. Und auch in der Heimat herrscht Verdruss. „Jeder weiß, dass die Parteiführung sich lieber den Sozialdemokraten anschließen wollte“, schimpfte Soesha Sandker, Chefin der rot-grünen Jugendorganisation Protest. Und mit Blick auf manch Moskau-treue sozialdemokratische Parteigruppe im Osten Europas stellte der Politikwissenschaftler Simon Otjes von der Universität Leiden fest: „In der Summe steht Pro Europas Grünen näher als den Sozialdemokraten auf EU-Ebene.“

