Die Workshops, die es österreichweit online als auch in Präsenz geben soll, sollen Lehrkräften den Rücken stärken. Es gehe nicht um Polizisten im Klassenzimmer, stellte Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) klar.
Wien – Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) will Lehrerinnen und Lehrern bei Integrationsproblemen in Schulen den Rücken stärken. Dafür soll der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) unter der Federführung von Expertin Emina Saric gemeinsam mit Lehrkräften aus der Praxis eigene Workshops und Seminare erarbeiten, wie Bauer am Donnerstag nach einem Runden Tisch mit Pädagogen und Direktoren im Bundeskanzleramt sagte.
Workshops in ganz Österreich
„Es soll darum gehen, wie problematische Entwicklungen erkannt werden können. Es soll darum gehen, wie sie auch angesprochen werden können, wo Lehrkräfte Unterstützung bekommen, was ihre Rolle ist und umgekehrt auch nicht ihre Rolle ist“, erläuterte Bauer. Das sei der Beitrag, den ihr Ressort leisten könne, um Lehrkräfte, um Schulleitungen bei diesem Problemfeld zu unterstützen. Die Workshops sollen dann sowohl online als auch in Präsenz zur Verfügung gestellt werden, und zwar in ganz Österreich, weil mittlerweile seien die Probleme nicht mehr nur auf einzelne Landeshauptstädte begrenzt, so Bauer.
Lehrerinnen und Lehrer könnten sich in vielen Schulen nicht mehr auf das Wesentliche konzentrieren, sondern müssten fehlende Sprachkenntnisse ausgleichen oder kulturelle bzw. religiöse Konflikte lösen, argumentierte Bauer.
Wir dürfen Lehrkräfte mit dieser Verantwortung nicht alleine lassen.
Claudia Bauer, Integrationsministerin (ÖVP)
Lehrer benötigten „klare Handlungsmöglichkeiten und auch unsere Rückendeckung, wenn es um ehrkulturellen Druck geht, wenn es um problematische Geschlechterbilder geht, wenn es um religiös begründete Konflikte geht“, so Bauer. Sie sollten sich auf das Unterrichten konzentrieren können und keinesfalls zu Polizisten im Klassenzimmer werden.
Kritik an rotem Protest
„Irritiert“ zeigte sich Bauer darüber, dass die SPÖ-Vorfeldorganisationen Sozialistische Jugend und die Roten Falken mit kommunistischen Jugendorganisationen und der Initiative „Schule brennt“ zu einem „Schulstreik“ gegen das nun geltende Kopftuchverbot für Mädchen bis 14 aufgerufen haben. „Anstatt sich dafür einzusetzen, dass Mädchen nicht unterdrückt werden, wird bei dieser Demonstration dazu aufgerufen, dass sich Kinder verschleiern“, kritisierte Bauer. Dies sei mit ihrem Verständnis von Gleichberechtigung und „sichtbarem Aufwachsen“ nicht zusammen, betonte die Integrationsministerin.
Lehrergewerkschafter Paul Kimberger betont, es gebe kein Interesse daran, Mädchen mit Kopftuch in eine unangenehme Situation zu bringen.
© APA/Pfarrhofer
Zuvor hatte der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) erklärt, er gehe davon aus, dass die Schulen das mit Schulbeginn geltende Kopftuchverbot für Mädchen bis 14 „wertschätzend und sensibel“ umsetzen werden. „Es gibt kein Interesse daran, diese Mädchen in eine unangenehme Situation zu bringen“, betonte er. Mit Konflikten sei an manchen Standorten trotzdem zu rechnen. Er berichtet von Boykott-Aufrufen in sozialen Medien und Tipps, mit welcher Art von Kopfbedeckung man das Verbot umgehen kann.
Regelung kommt für Kimberger zu spät
Für Kopfschütteln sorgt bei Kimberger (wie auch bei Bauer) der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) Ümit Vural, der zuletzt im ORF Verständnis für Widerstand gegen das Gesetz gezeigt hat. „Ein geltendes Gesetz ist umzusetzen, ob ich jetzt selber dafür oder dagegen bin“, so Kimberger.
Ein geltendes Gesetz ist umzusetzen, ob ich jetzt selber dafür oder dagegen bin.
Paul Kimberger, Lehrergewerkschafter (FCG)
Alles, was die Entwicklung von Kindern hemmen kann, habe in der Schule nichts verloren – und da gehört für ihn das Kopftuch dazu. Eine klare Regelung komme in Österreich ohnehin mindestens zehn Jahre zu spät. Für eine gute Umsetzung brauche es nun viel Unterstützung durch Behörden, die Gesellschaft und auch die Eltern.
Keine Schonfrist
Eine Schonfrist bei der Umsetzung des Verbots ist nicht vorgesehen. Kommt ein Mädchen unter 14 am ersten Schultag mit Kopftuch auf das Schulgelände, müssen die Lehrkräfte es laut Kimberger auffordern, das Tuch abzunehmen. Weigert sich das Mädchen, muss das unverzüglich der Schulleitung gemeldet werden. Spielraum haben die Lehrer dem Gewerkschafter zufolge nur bei der Vorgehensweise, etwa indem sie das Gespräch vor Unterrichtsbeginn oder am Ende des Schultages führen, um das Mädchen nicht vor der Klasse bloßzustellen. (TT, APA)
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