Beim Umbau am Tummelplatz sind Fundamente der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung samt Basteiturm zum Vorschein gekommen. Der Fund könnte eine Lücke im Wissen über den Verlauf der alten Grazer Stadtmauer schließen.

Zwischen modernen Leitungen und einem Kanal aus den 1920er-Jahren tauchen in der Baugrube vor dem Akademischen Gymnasium plötzlich Steine auf, die seit Jahrhunderten im Boden liegen. Was auf den ersten Blick wenig spektakulär aussieht, ist für die Archäolog:innen eine besondere Entdeckung.

„Bei den freigelegten Mauerresten dürfte es sich um Fundamente der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung samt Basteiturm handeln. Wir ordnen sie dem Spätmittelalter des 14. bis 15. Jahrhunderts zu“, erklärt Ortrun Kögler, Grabungsleiterin von archnet, die die archäologische Baubegleitung haben.

Völlig unerwartet kam der Fund nicht. Auf alten Ansichten und Plänen ist in diesem Bereich eine turmartige Verstärkung zu erkennen, die in das Dominikanerinnenkloster integriert war. Wie weit die mittelalterliche Stadtmauer im Osten von Graz tatsächlich verlief, war bisher allerdings nicht eindeutig geklärt.

„Die erhaltenen historischen Aufzeichnungen, Grundrisse und Pläne sind vermutlich jünger als die Mauern, die wir hier gefunden haben. Dieser Bereich war für uns deshalb eine Art blinder Fleck“, so Kögler weiter.