Der Rausch kommt auf Knopfdruck aus dem Automaten. Nicht immer ist das ganz legal. Eine Tour durch die Shops der Stadt zeigt: Das ist kein Einzelfall.

Sie sind an jeder Ecke, in Gassen und Nischen. Automaten-Shops sprießen in Graz aus dem Boden. Nachtschwärmer bekommen dort lange nach Ladenschluss Snacks, Erfrischungen und sogar Spielzeug – jederzeit, 24/7, ganz ohne Personal. Quasi die Grazer Antwort auf den Berliner Späti. Klingt das zu gut, um wahr zu sein?

So manches Produkt auf der Palette der Shops ruft besorgte Eltern auf den Plan. Man bekommt in den Automaten nicht nur (teils harten) Alkohol, sondern auch Nikotin und vereinzelt sogar Lachgas. Besorgte Eltern haben sich an die Kleine Zeitung gewandt. Sie habe den Verkauf von Alkohol in einem Shop in Andritz wiederholt gemeldet, dennoch laufe er weiter, schreibt eine Leserin. Es gehe ihr nicht um einzelne Betreiber, sondern um das Problem als Ganzes, schreibt sie. Eine Tour durch die Automaten-Beisl zeigt: Der Verkauf verbotener Waren ist eher die Regel als die Ausnahme.

Auf ein Bier am Jako

Starten wir in der Innenstadt. Den Eingang zum Shop am Jakominiplatz 19 muss man einen Moment suchen. Drinnen findet man neben Süßigkeiten und Snacks Nikotin und Alkohol. Nicht nur Bier, sondern auch Wodka und Whisky sind im Sortiment. Die Altersprüfung erfolgt, ähnlich wie am Zigarettenautomaten, per Bankomatkarte. Spät nachts nach Sperrstunde für viele ein verlockendes Angebot. Einziger Haken: Alkohol ist hier eigentlich verboten.

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Der Shop am Jakominiplatz verkauft Alkohol und NikotinprodukteDer Shop am Jakominiplatz verkauft Alkohol und Nikotinprodukte © Suntinger

„Der Verkauf von Alkohol in einem ‚Automaten-Shop‘ ohne Anwesenheit eines Mitarbeiters ist verboten“, entschied der Verwaltungsgerichtshof im April 2026. Wer per Automat in Selbstbedienung Bier verkauft, verstößt gegen die Gewerbeordnung, so der VwGH. Der Betreiber des Shops am Jakominiplatz äußerte sich dazu nicht.

Nur eine Bim-Station weiter betreibt „E-Kiosk 24“ einen Shop in der Murgasse. Auch dort bekommt man Alkohol. Inhaber Robert Moser vertritt eine andere Ansicht als der VwGH. An dieser Stelle wird es kurz technisch. Der VwGH begründet das Verbot unter anderem damit, dass Automaten-Shops keine Betriebsräume seien. Gewerberechtlich sind sie wie Außenautomaten zu behandeln und dürfen keinen Alkohol verkaufen. Alter oder Kontrolle hin oder her.

In der Murgasse werden nicht nur Alkohol und Nikotin, sondern auch Lachgas verkauft © SuntingerIn der Murgasse werden nicht nur Alkohol und Nikotin, sondern auch Lachgas verkauft

Moser sieht seinen Betrieb sehr wohl als Betriebsraum. Er will es sich deshalb nicht nehmen lassen, Alkohol zu verkaufen. „Wir sind ein Robotersupermarkt“, meint er. „Die Maschinen sind meine Mitarbeiter.“ Anders als am Jakominiplatz erfolgt die Alterskontrolle hier KI-gestützt. Die KI schätzt per Kamera das Alter. Gegebenenfalls verlangt sie einen Ausweis. Aufnahmen werden DSGVO-konform gelöscht, betont Moser.

Nix zu lachen

Noch etwas findet man in der Murgasse, was es in den anderen Shops bisher nicht gab: Lachgas. Bunte Kartuschen in verschiedenen Geschmacksrichtungen kann man für ein paar Euro kaufen. Den Luftballon zum Konsumieren gibt es gleich dazu. Wer es inhaliert, ist kurz high, riskiert dafür aber langfristige körperliche Schäden, vor allem des Nervensystems, warnen Mediziner.

Lachgas Kartuschen werden konsumierfertig inklusive Ballon verkauft © KLZ / Stefan PajmanLachgas Kartuschen werden konsumierfertig inklusive Ballon verkauft

In der Steiermark ist Lachgas vom Jugendschutzgesetz erfasst. Es gilt ein Verbot von Substanzen, die nicht dem Suchtmittelrecht unterliegen, aber eine ähnliche psychoaktive Wirkung haben können. Dennoch habe man sich gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bundesländern an den Bund gewandt und um ein Verbot für Minderjährige ersucht, teilt das Büro von Landesrat Stefan Hermann (FPÖ) mit. Beim Bund ist der Wunsch angekommen. Er plant bereits ein Verbot. Derzeit befindet man sich aber noch in der Abstimmung, heißt es aus dem Büro der zuständigen Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ).

Nikotin ja, Tabak nein

Unsere Tour geht weiter in Richtung St. Leonhard. Abseits der Leonhardstraße befindet sich ein unscheinbarer Shop. Alkohol sucht man hier vergebens, was es aber gibt, ist Nikotin. Wer will, bekommt Vapes, E-Zigaretten oder Nikotinbeutel rund um die Uhr. Dabei ist genau das seit April in Österreich verboten. Wie kann das sein?

Der Shop in der Leonhardstraße verkauft keinen Alkohol, hat aber Restbestände an Nikotin © SuntingerDer Shop in der Leonhardstraße verkauft keinen Alkohol, hat aber Restbestände an Nikotin

Es handle sich um Restbestände, gibt Betreiber Alexander Pettinger auf Nachfrage an. Bereits eingekaufte Ware darf er noch bis Ende des Jahres verkaufen. Ab 2027 werde man keine Produkte mit Nikotin mehr in seinen Shops finden, so Pettinger. Bereits jetzt ist der Verkauf von Tabak außerhalb von Trafiken verboten. In Österreich gilt ein Monopol. Daran haben sich alle Shops gehalten.

Von acht Shops, die wir besuchten, verkauften sieben Nikotinprodukte, vier hatten Alkohol im Angebot, davon zwei Hochprozentiges. Lachgas war von den acht Shops nur im erwähnten zu finden. Kontrolliert werden die Automaten unter anderem vom Amt für Jugend und Familie der Stadt Graz. Gemeinsam mit Jugendlichen führt man Testkäufe durch. Auch das Gewerbereferat der Stadt und die Polizei kontrolliert regelmäßig.