Das starke Verlangen nach Alkohol, einer Zigarette oder anderen Suchtmitteln kann den Ausstieg erheblich erschweren. Mediziner sprechen dabei von Craving oder Suchtdruck. Ausgewertete Studien deuten darauf hin, dass kontrollierte Atemübungen dieses Verlangen zumindest kurzfristig geringfügig verringern könnten.

Atemübungen verringerten den Suchtdruck leicht

Für die Übersichtsarbeit werteten die Forscher Studien aus, in denen verschiedene Atemtechniken bei Menschen mit Alkohol-, Nikotin- oder anderen Suchterkrankungen untersucht worden waren. Insgesamt zeigte sich ein kleiner Effekt: Kontrolliertes Atmen konnte den Suchtdruck geringfügig reduzieren.

Damit könnten Atemübungen vor allem für Situationen interessant sein, in denen das Verlangen nach einem Suchtmittel akut auftritt. Wie groß der Nutzen im Alltag tatsächlich ist und ob er länger anhält, lässt sich anhand der bisherigen Studien jedoch noch nicht beurteilen.

Von langsamem Atmen bis Yoga: Diese Techniken wurden untersucht

Die Studien untersuchten unterschiedliche Methoden. Bei der Resonanzatmung atmeten die Teilnehmer beispielsweise besonders langsam, in der Regel etwa sechsmal pro Minute. Ähnlich funktioniert das Herzratenvariabilitäts-Biofeedback: Dabei hilft ein Sensor, die Atmung an den Herzrhythmus anzupassen.

Auch yogische Atemtechniken mit unterschiedlichen Mustern beim Ein- und Ausatmen sowie beim Atemanhalten kamen zum Einsatz. Bei der sogenannten dreiteiligen Atmung liegt der Fokus nacheinander auf Bauch, Brustkorb und oberem Brustbereich.

Eine weitere Methode kombiniert langsames Atmen mit Lächeln, Gähnen und positiven Selbstbotschaften. In anderen Untersuchungen sollten tiefe, rhythmische Atemzüge die Atembewegung beim Rauchen nachahmen.

Was Atemübungen leisten können und was noch unklar ist

Nach Einschätzung der Autoren könnten Atemübungen künftig eine leicht zugängliche Ergänzung bestehender Behandlungen darstellen, beispielsweise mithilfe von Smartphone-Apps.

Ob solche Übungen auch Rückfälle verhindern oder den langfristigen Erfolg einer Therapie verbessern können, ist bislang offen. Dafür sind größere Studien nötig. Für eine allgemeine Empfehlung reicht die Datenlage derzeit nicht aus. Atemübungen könnten bestehende Behandlungsangebote ergänzen, ersetzen eine Suchttherapie aber nicht.

Quelle: DOI 10.1111/add.70542