Nach dem Streit um politische Äußerungen auf dem „Glücksgefühle-Festival“ in Hockenheim (Rhein-Neckar-Kreis) erlebt der Alphaville-Song „Forever Young“ ein Comeback. Mehrere Künstlerinnen und Künstler nahmen den mehr als 40 Jahre alten Klassiker spontan in ihr Programm auf, nachdem die Band Alphaville zunächst ausgeladen und trotz späterer Wiedereinladung nicht aufgetreten war.
Sänger Tom Gregory eröffnete zum Beispiel sein Set mit dem Song. Auch Rapperin Nura spielte den Titel und sagte: „Wenn man mich bucht, dann kriegt man auf jeden Fall keine unpolitische Show.“ Bereits am Donnerstag, am Abend der Festival-Pre-Party, hatte DJ Alle Farben den Song gespielt.
Hockenheim

Neue Entwicklung nach der Alphaville-Ausladung durch die Veranstalter des „Glücksgefühle-Festivals“: Die Veranstalter haben sich bei der Band entschuldigt. Alphaville tritt aber nicht auf.
Do.3.9.2026
19:30 Uhr
SWR Aktuell Baden-Württemberg
SWR BW
Auslöser des Konflikts: Bitte um unpolitische Auftritte
Auslöser der Diskussion war der Appell der Veranstalter, bei Auftritten politische Äußerungen zu unterlassen. Das hatte bundesweit für Schlagzeilen und teils heftige Kritik gesorgt. Alphaville wurde schließlich von den Veranstaltern wieder eingeladen, lehnte dies jedoch ab.
Mitveranstalter Markus Krampe bezeichnete seine Entscheidung als Fehler. „Das ist superdämlich gewesen“, sagte er am Freitag bei einer Pressekonferenz. Er hätte es begrüßt, wenn Alphaville nach der Wiedereinladung doch noch aufgetreten wäre. „Dann hätten wir vielleicht auch ein Zeichen setzen können“, so Krampe weiter.

„Glücksgefühle-Festival“ in Hockenheim: Am Wochenende werden laut Veranstalter bis zu 250.000 Menschen erwartet.
Weitere Künstler sagen Auftritte ab oder äußern Kritik
Auch DJ „Beauty & the Beats“ sagte seinen Auftritt ab. Auf Instagram teilte er mit, es sei normale Zivilcourage, sich für Demokratie auszusprechen. DJ Felix Jaehn kritisierte die Haltung der Veranstalter ebenfalls. „Seit wann soll Kunst unpolitisch sein?“, fragte Jaehn in einem Beitrag in den Sozialen Medien. Als queere und non-binäre Person werde Jaehn sich nicht das Recht nehmen lassen, sich gegen eine Partei auszusprechen, die in Teilen als gesichert rechtsextrem eingestuft sei. Jaehn kündigte an, die Bühne am Samstagnachmittag für eine entsprechende Botschaft nutzen zu wollen.
Mannheim

Der Eklat um die Ausladung der Band „Alphaville“ beim „Glücksgefühle-Festival“: Mannheims Popakademie-Chef sagt, dass damit eine Diskussion in Gang kam, die „einfach mal dran war.“
Lukas Podolski: „Jeder macht irgendwie mal ein Missgeschick“
Mitveranstalter Lukas Podolski stellte sich trotz der Kontroverse hinter Markus Krampe: „Jeder macht irgendwie mal ein Missgeschick, einen Fehler im Leben“, sagte der 41-Jährige. Dann gehe das Leben aber auch weiter. Es wäre schön, wenn man sich nach dem Festival „nochmal irgendwie aussprechen“ könne.
Außerdem warnte Podolski Kritiker vor Beleidigungen in den Sozialen Medien. Er lasse weder seine Familie noch sich selbst beleidigen und wolle sich nicht in eine politische Ecke drängen lassen.
Das Festivalprogramm endet in der Nacht auf Sonntag und ist laut den Veranstaltern mit 250.000 Zuschauerinnen und Zuschauern ausverkauft. Lukas Podolski und Markus Krampe organisieren das „Glücksgefühle-Festival“ seit 2023. Es gilt als das größte Musikfestival Deutschlands.