Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Heiligsprechung von Mutter Teresa durch Franziskus berichtet Leo Maasburg in einem Interview mit Radio Horeb über seine vielschichtigen Erfahrungen als langjähriger Begleiter der Ordensfrau. Die Zusammenarbeit begann ursprünglich durch die Vermittlung seines Bischofs, der für die Gespräche mit Mutter Teresa einen Übersetzer benötigte.
An diesem Montag vor 25 Jahren ist Mutter Teresa gestorben. „Engel der Armen“ wird die Heilige auch genannt. Den größten Teil ihres Lebens hat Mutter Teresa in den Slums von …
Zu Beginn der Begegnungen herrschte bei Maasburg eine gewisse Skepsis, die in Rom angesichts zahlreicher prominenter Persönlichkeiten nicht unüblich war. Dieser Eindruck wandelte sich jedoch im Laufe der intensivierten Zusammenarbeit. Die Begegnungen zeigten eine Persönlichkeit, die mit klarer Zielstrebigkeit handelte und zugleich durch ein einfühlsames Auftreten auffiel. Nach Maasburgs Darlegung war das Handeln von Mutter Teresa vollständig auf den christlichen Glauben ausgerichtet. Zweck ihres Einsatzes war es, Menschen den Zugang zu Jesus Christus zu eröffnen. Die Formel „The only all for Jesus to Mary“ fand sich regelmäßig in ihren schriftlichen Grüßen wieder.
Während eines Staatsempfangs
Eine Begebenheit während eines Staatsempfangs in Madras verdeutlichte das Selbstverständnis der Ordensgründerin. Trotz der offiziellen Ehrerbietungen und der Bereitstellung von Fahrzeugen mit der Aufschrift „VVIP“ bezog Mutter Teresa die gesellschaftliche Aufmerksamkeit nicht auf die eigene Person, sondern führte diese auf das gemeinsame Auftreten im Namen des Glaubens zurück.
Die Motivation für die Zuwendung gegenüber kranken, einsamen und sterbenden Menschen lag nach Aussage des Weggefährten im biblischen Wort vom Durst Christi am Kreuz. Dieser Durst wurde von Mutter Teresa als Verlangen nach Liebe verstanden. Das Verständnis von Armut umfasste nicht allein materielle Notlagen, die vergleichsweise rasch gemildert werden konnten. Ebenso schloss der Begriff die soziale Isolation und den Verlust von Lebensperspektiven ein, deren Behebung einen weit größeren Aufwand erforderte.
Nach dem Ableben von Mutter Teresa beteiligte sich Maasburg an der Auswertung des umfangreichen Archivmaterials für das Seligsprechungsverfahren, für das Johannes Paul II. die übliche fünfjährige Wartefrist ausnahmsweise aufhob. Die Durchsicht zahlreicher Dokumente und Zeugnisse anderer Wegbegleiter eröffnete ergänzende Perspektiven auf das Wirken der Heiliggesprochenen, deren Andenken bis in die Gegenwart fortwirkt.
(radio horeb – mg)