Ö1 Programmänderung

Zur Erinnung an Erni Mangold ändert Ö1 sein Programm und sendet in der Reihe „Menschenbilder“ am Sonntag, 6. September 2026, um 14:05 Uhr ein Porträt der Schauspielerin.

Am Samstag, 12. September, um 14.00 Uhr sendet Ö1 das Hörspiel „Hornissengedächtnis“ – ein Stück über Erinnerung, Flucht, Schuld und die langen Schatten der Vergangenheit. Mangold verleiht ihrer Figur darin durch ihre unverwechselbare Stimme große Intensität und Präsenz.

1956 ging sie für acht Jahre ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg unter Gustaf Gründgens, danach ans Düsseldorfer Schauspielhaus unter Karlheinz Stroux. Zwischen 1965 und 1972 folgten weitere Engagements in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Parallel dazu entdeckte Mangold ihre Liebe zum „alternativen“ Theater. So trat sie etwa in der Wiener „Kulisse“ auf, ehe sie 1981 von Hans Gratzer an das Wiener Schauspielhaus geholt wurde, später war sie die Entdeckerin des Dramatikers Werner Schwab.

Als „spezieller rarer Frauentyp“ wurde die facettenreiche Künstlerin, die bereits 1972 mit der Kainz-Medaille ausgezeichnet wurde, 1999 bei ihrer Ernennung zur Kammerschauspielerin gewürdigt. Neben eher klassischen Rollen wie der Marthe Schwerdtlein im „Faust“, der Lady Macbeth oder der Frau Muskat im „Liliom“, empfahl sich Mangold auch als grandiose Spezialistin fürs Skurrile wie in „Arsen und alte Spitzen“ oder für eigenwillige Kunstfiguren wie das alterslose „Schneewittchen“ in Elfriede Jelineks „Prinzessinnendramen“, das sie am Volkstheater mit schneidender Schärfe ausstattete. Dafür gab es 2005 den Skraup-Preis und den „Nestroy“ als beste Nebendarstellerin.

Über 100 Film- und Fernsehproduktionen

Neben ihrer Bühnenlaufbahn hat Mangold in weit über 100 Film- und Fernsehproduktionen mitgespielt, darunter Karl Hartls „Der Engel mit der Posaune“ (1948), O.W. Fischers „Hanussen“ (1955), Peter Patzaks „Kassbach“ (1979) oder Richard Linklaters „Before Sunrise“ (1995). Eine Institution wurde die Schauspielerin, die mit Heinz Reincke verheiratet war, auch als Lehrerin. Sie unterrichtete am Salzburger Mozarteum (wo etwa Michael Schottenberg ihr Schüler war), der Wiener Schauspielschule Krauss und am Wiener Max Reinhardt Seminar, wo sie ab 1974 – zwischen 1983 und 1995 als ordentliche Hochschulprofessorin – den Nachwuchs ausbildete.

Aktiv bis ins hohe Alter

In Michael Schottenbergs Abschlussinszenierung am Volkstheater gab sie in Shakespeares „Sommernachtstraum“ einen eigenwilligen Puck, gemeinsam mit Daniel Sträßer spielte sie in Houchang Allahyaris Film „Der letzte Tanz“ im Jahr 2014, in dem sie sich als Geriatriepatientin einer zärtlichen Annäherung mit einem Zivildiener hingibt. Auf der Bühne war sie in ihren späten 80ern etwa in den „Kalender Girls“ bei der Sommernachtskomödie Rosenburg oder in Anna Polonis „La Pasada“ im Thahof Reichenau zu erleben. An Preisen häufte sie u.a. den Großen Schauspielpreis der Diagonale (2016), den Österreichischen Filmpreis für ihre Rolle in Houchang Allahyaris „Der letzte Tanz“ (2015), den Nestroy-Ring der Stadt Bad Ischl (2015) oder das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (2012) an. Als liebste Auszeichnung bezeichnete sie jedoch die Errichtung des „Prof. Erni Mangold-Weg“ in ihrer Wahlheimat Sankt Leonhard am Hornerwald.

Noch zum 90er bekannte sie in einem Interview: „Ich staune manchmal selbst, wie ich das alles schaffe. Schonen muss ich mich nicht für die paar Jahre, die da noch bleiben. Solange es mir gut geht, mach ich, was ich kann und will.“

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