
AUDIO: Ausstellung: Gotha zeigt Rembrandt (4 Min)
Malerei
Stand: 05.09.2026 03:00 Uhr
In Gotha eröffnet am Samstag eine spektakuläre Rembrandt-Ausstellung. Die Schau „Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke“ im Herzoglichen Museum zeichnet nach, wie der niederländische Meister weltberühmt wurde. In der Schau sind besondere Leihgaben zu sehen, aber auch Werke, die nach dem Kunstraub von 1979 nach Gotha zurückgekehrt sind.

Nachrichten personalisieren
Diese Schau beginnt mit Zahnpasta: eine weiße Tube mit grünem Schriftzug ist direkt am Eingang zu entdecken – „Rembrandt“ heißt diese Paste. Genauso wie die Armbanduhr rechts daneben, oder der VEB-Fernseher schräg davor.
Gotha versammelt als italienischer Meister
Mit dem niederländischen Meister haben diese Produkte wenig zu tun. Sie zeigen vielmehr: Rembrandt van Rijn (1606–1669) war kein gewöhnlicher Kreativer seiner Zeit, sondern einer, der von Anfang an mehr wollte. In Gotha legt man nun den Fokus auf ein ganz besonderes Jahr, damals gelang dem jungen Künstler der Durchbruch: 1632.
Rembrandt tritt in die Fußstapfen der großen italienischen Meister.
Kurator Timo Trümper
Kurator Timo Trümper erzählt, der entscheidende Schritt in Rembrandts Karriere sei damals der endgültige Umzug nach Amsterdam gewesen, der Boomtown dieser Zeit schlechthin: „Da fängt er an, nur noch mit seinem Vornamen zu signieren. Das ist ja wie ein Marketingtrick, er tritt dabei in die Fußstapfen der großen italienischen Meister.“

Tizian in Dresden
Mit dem „Zinsgroschen“ oder der „Dame in Weiß“ besitzt die Gemäldegalerie in Dresden berühmte Werke von Tizian. Warum seine Porträts bis heute so faszinierend lebendig scheinen, wollten wir zum 450. Todestag wissen.
Ausstellung lädt ein, Details zu entdecken
Gleich acht Werke aus eben jenem Jahr, welches das Produktivste überhaupt von Rembrandt war, hat er nun in Gotha versammelt. Meisterwerke aus aller Welt, etwa das „Bildnis eines federschneidenden Mannes“ aus Kassel oder direkt daneben das „Bildnis einer jungen Frau“, entliehen aus Wien.

Das „Bildnis eines federschneidenden Mannes“ und das „Bildnis einer jungen Frau“ in Gotha
Die Ausstellung stellt hier laut Trümper den Besucherinnen und Besuchern eine entscheidende Frage, die in der Forschung lange diskutiert wurde, aber noch nie an einer Wand vor den Originalen beantwortet werden konnte: „Nämlich die, ob denn diese beiden überhaupt zusammengehören. Dafür gibt es verschiedene Indizien, aber vielleicht auch Dinge, die dagegen sprechen.“
Das macht kein anderer Künstler.
Kurator Timo Trümper
Beide Gemälde laden ein, sich in sie zu vertiefen. In die Führung des Pinsels, die Lichtpunkte oder die kleinen Details – wie etwa einen winzigen roten Faden am Kragen des Mannes. Das mache kein anderer Künstler, so einen roten Faden in den Kragen zu integrieren, betont der Kurator.
Kunstwerke von Rembrandt und Zeitgenossen
Und so lassen sich im Schummerlicht des Herzoglichen Museums noch viel mehr Entdeckungen machen. Über 90 Kunstwerke von Rembrandt und seinem künstlerischen Umfeld sind versammelt.

Das Bild „Alter Mann“ wurde 1979 aus Gotha geraubt und ist inzwischen zurück.
Knapp die Hälfte davon stammt direkt aus Gotha – kann man hier doch stolz auf eine der ältesten Sammlungen des Künstlers überhaupt verweisen. So ist etwa das Gemälde „Alter Mann“ zu sehen, eines der Bilder aus dem Kunstraub von 1979, das vor sieben Jahren spektakulär wieder nach Gotha zurückkehrte.
Gemälde mit Geschichten
Und als kleine Sensation darf durchaus gelten, dass auch Rembrandts „Jugendliches Selbstbildnis“ zu sehen ist. Ein nur wenige Zentimeter großes Bild, das nach dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit der früheren Herzogsfamilie in Richtung Bayern verschwand und von den dortigen Staatsgemäldesammlungen angekauft wurde.

Rembrandts „Jugendliches Selbstbildnis“ von 1629 gehörte einmal zur Gothaer Sammlung, bevor es im Zuge des Zweiten Weltkriegs nach Bayern gelangte.
Für die Stiftung ist die Ausstellung ein großer Meilenstein.
Direktor Tobias Pfeifer-Helke
Die Friedenstein Stiftung zweifelt bis heute an, ob das alles mit rechten Dingen zugegangen ist – und so freut sich Direktor Tobias Pfeifer-Helke umso mehr, dass mit viel diplomatischem Geschick eine Leihgabe möglich wurde.
Die Ausstellung sei für die Stiftung ein „großer Meilenstein“, so der Direktor. Die Entwicklung der letzten Jahre kulminiere in dieser Ausstellung. Erkennbar sei das an den Leihgaben, die nach Gotha gekommen sind: „Da steckt viel Vertrauen der Leihgeber drin, dass wir auch in der Lage sind, gut damit umzugehen. Und andererseits steckt da viel Know-How, viel Entwicklung der Kollegen innerhalb des Hauses mit drin.“
Möglich wurde die Schau vor allem durch eine enge Kooperation mit den Kasseler Kunstsammlungen, dort war sie in ähnlicher Form auch bereits zu sehen. Auf Gothas Friedenstein werden Rembrandt und Kollegen nun für drei Monate zu Gast sein.
Informationen zur Ausstellung
Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke
5. September 2026 bis 6. Dezember 2026
Herzogliches Museum Gotha
Schlossplatz
99867 Gotha
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag
10 bis 17 Uhr (April bis Oktober)
10 bis 16 Uhr (November bis März)
An Feiertagen geöffnet, 24. und 31.12. geschlossen.
Redaktionelle Bearbeitung: hro, hki