Bild von Markus Bauer

Markus Bauer
Markus spielt Videospiele, seit er denken kann, und schreibt seit über 25 Jahren über Gaming. Am PC liebt er Ego-Shooter und Echtzeit-Strategie, auf Konsolen vor allem Action-Adventures und Rennspiele. Mit seinen Kindern zockt er auch gerne Minecraft und Rocket League. Seit Jahrzehnten baut Markus seine PCs selbst – immer mit Blick auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Sein aktueller PC: ein Big Tower, damit auch moderne Grafikkarten bequem Platz finden.

Sony steht kurz davor, Millionen PlayStation-Spielern eine Entschädigung für digitale Spielekäufe zukommen zu lassen. Insgesamt geht es um 7,85 Millionen US-Dollar (ca. 6,76 Mio. Euro), die im Rahmen eines jahrelangen Rechtsstreits verteilt werden sollen.

Betroffen sind bestimmte Spiele, die zwischen dem 01. April 2019 und dem 31. Dezember 2023 im PlayStation Store gekauft wurden. Der Vergleich wurde von Sony Interactive Entertainment vereinbart und bereits vorläufig von einem US-Gericht genehmigt. Der wichtigste Haken für uns: Die Entschädigung gilt ausschließlich für Personen in den USA. Wenn du in Österreich oder Deutschland wohnst, bekommst du aus diesem Verfahren also kein Geld beziehungsweise PSN-Guthaben.

Warum muss Sony überhaupt zahlen?

Der Rechtsstreit dreht sich um eine Änderung im PlayStation Store aus dem Jahr 2019. Bis dahin konnten Händler wie Amazon, GameStop, Best Buy oder Walmart sogenannte „Game Specific Vouchers“ verkaufen. Das waren Codes, mit denen du ein bestimmtes digitales PlayStation-Spiel herunterladen konntest.

Sony beendete diese Möglichkeit im April 2019. Digitale Vollversionen bestimmter Spiele konnten anschließend praktisch nur noch direkt über den PlayStation Store gekauft werden. Guthabenkarten von Drittanbietern blieben zwar verfügbar, Händler konnten aber nicht mehr direkt mit eigenen Preisen für einzelne digitale Spiele konkurrieren.

Die Kläger werfen Sony deshalb vor, den Markt für digitale PlayStation-Spiele eingeschränkt und dadurch höhere Preise ermöglicht zu haben. Sony bestreitet ausdrücklich, gegen Wettbewerbsrecht verstoßen zu haben. Auch das zuständige Gericht hat nicht festgestellt, dass Sony tatsächlich Gesetze verletzt hat. Der Vergleich beendet den Rechtsstreit, ohne dass Sony ein Fehlverhalten eingestehen muss.

Rund 4,4 Millionen PSN-Konten könnten betroffen sein

Die Dimension ist durchaus beachtlich. Laut den Gerichtsunterlagen aus den USA existieren ungefähr 4.407.533 potenziell berechtigte PSN-Konten. Viel wäre das nicht je PSN-Konto. Würden alle 4,4 Millionen potenziell berechtigten Konten gleich viel erhalten, wären das gerade einmal rund 1,50 Euro pro Konto.

Und jetzt wird es noch verwirrender. Dabei reicht allerdings nicht irgendein Spielekauf. Du musst zwischen April 2019 und Ende 2023 eines der Spiele in den USA gekauft haben, für die zuvor entsprechende Händlercodes verfügbar waren und deren durchschnittlicher Preis nach der Umstellung um mindestens 50 US-Cent gestiegen ist.

Auf der offiziellen Liste stehen zahlreiche bekannte Spiele, darunter:

Bloodborne: Complete Edition Bundle
The Last of Us Remastered
Until Dawn
inFamous Second Son
No Man’s Sky
NieR: Automata
Demon’s Souls
Resident Evil 4
Uncharted: The Nathan Drake Collection
God of War III Remastered

Es handelt sich also keineswegs nur um ein paar unbekannte Titel.

The Last of Us (Remastered) ist für PS3 und PS4 erhältlich und dank Abwärtskompatibilität auch auf der PS5 spielbar. - Bild: Naughy Dog, SIE

The Last of Us (Remastered) ist für PS3 und PS4 erhältlich und dank Abwärtskompatibilität auch auf der PS5 spielbar. – Bild: Naughy Dog, SIE

Wie viel Geld bekommen PlayStation-Spieler?

Genau das steht noch nicht endgültig fest. Die 7,85 Millionen Dollar werden nicht einfach gleichmäßig durch 4,4 Millionen Konten geteilt. Zunächst werden unter anderem genehmigte Anwaltskosten und Verwaltungskosten abgezogen. Der verbleibende Betrag wird anschließend anhand der Anzahl der qualifizierten Käufe auf die berechtigten Nutzer verteilt. Wer mehrere der betroffenen Spiele gekauft hat, erhält entsprechend einen größeren Anteil als jemand mit nur einem qualifizierten Kauf.

Aktive PSN-Nutzer müssen dafür nach dem derzeitigen Plan keinen eigenen Antrag stellen. Sony kann die berechtigten Konten anhand der Kaufhistorie identifizieren. Das Guthaben soll automatisch dem jeweiligen PSN-Wallet gutgeschrieben werden. Dabei handelt es sich nicht um gewöhnliches PlayStation-Guthaben ohne Gegenwert: Die Gerichtsunterlagen sprechen ausdrücklich von PSN-Guthaben mit Geldwert, das für Inhalte im PlayStation Store verwendet werden kann. Bei deaktivierten Konten war alternativ eine Auszahlung möglich. Die dafür vorgesehene Frist endete allerdings bereits am 27. August 2026.

Die endgültige Entscheidung fällt erst im Oktober

Ganz abgeschlossen ist der Fall noch nicht. Am 15. Oktober 2026 findet die sogenannte „Fairness Hearing“ statt. Das zuständige Bundesgericht in Kalifornien entscheidet dabei, ob der Vergleich endgültig genehmigt wird. Erst danach kann die Verteilung tatsächlich abgeschlossen werden. Von einer bereits laufenden „Rückzahlung“ zu sprechen, wäre deshalb noch etwas zu früh. Sony hat der Zahlung zugestimmt und das Gericht hat den Vergleich vorläufig genehmigt, die finale gerichtliche Freigabe fehlt aber noch.

Der Fall ist gerade jetzt besonders interessant, weil Sony seine PlayStation-Zukunft immer stärker auf digitale Spiele ausrichtet.

Ab 2028 sollen keine neuen PlayStation-Spiele mehr auf Disc produziert werden. Damit wird der PlayStation Store für neue Veröffentlichungen noch wichtiger. Dazu kommt eine zweite aktuelle Klage. Dort geht es um die Frage, ob Sony im PlayStation Store überhaupt von einem „Kauf“ sprechen darf, obwohl du laut Nutzungsbedingungen lediglich eine Lizenz erhältst. Sony erklärte dazu kürzlich vor Gericht, warum digitale PlayStation-Spiele aus Sicht des Unternehmens nicht dein Eigentum werden.

Für Spieler in Österreich bringt der aktuelle 7,85-Millionen-Dollar-Vergleich zwar keinen finanziellen Vorteil. Die dahinterstehende Frage betrifft uns aber genauso: Wie viel Wettbewerb gibt es noch, wenn digitale Spiele praktisch nur über einen einzigen Store verkauft werden?

Je digitaler PlayStation wird, desto wichtiger dürfte genau diese Diskussion werden.


Hast du einen Fehler entdeckt oder weitere Infos zu diesem Artikel? Dann schick uns gerne dein

Feedback
!

Bei der Erstellung dieses Artikels kam Künstliche Intelligenz zum Einsatz (z. B. für Text, Recherche, Bilder oder Tabellen). Alle Inhalte wurden vor der Veröffentlichung sorgfältig von einem Menschen geprüft.