Schnörkel- und zeitlos mit modernem Anstrich: Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ überzeugt in Graz in einer bunten Besetzung mit bekannten TV-Gesichtern. Landesrat Kornhäusl sagte seine Unterstützung für eine Fortsetzung im nächsten Sommer zu.
Als Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl auf der Premierenfeier des Grazer „Jedermann“-Gastspiels seine Unterstützung für eine Fortsetzung 2027 mit innigen Worten versprach, hat er wohl die Wehklagen der freien Szene aus einem bewegten Moment heraus vergessen. Wobei es für die Steiermark durchaus attraktiv wäre, mit dieser bunt besetzten „Jedermann“-Produktion alljährlich einen spätsommerlichen Fixpunkt auf dem Schlossberg zu haben.
Für den Grazer Julian Weigend (55), von „In aller Freundschaft“ über „Marie Brand“ und „Die Toten vom Bodensee“ bis zum Landkrimi besetzt, ist es ohnehin ein Heimspiel. Angelockt wurde das Publikum (drei ausverkaufte Abende mit insgesamt rund 2700 Besuchern auf den Kasematten) natürlich durch den Klassiker, aber auch durch Lieblinge aus Serien und anderen TV-Formaten. Das Zusammenwürfeln von deutschsprachigen Ferseh-Promis und lokalen Graz-Gesichtern, die leidenschaftlich gemeinsam eine ewiggültige Geschichte erzählen, funktioniert überraschend prächtig – mögen auch Bühnenbild, Ausstattung und Kostüme mitunter an eine Probensituation erinnern, was der dichten Atmosphäre allerdings keinen Abbruch tut. Perfekte Arbeit haben die Maskenbildnerinnen geleistet.
Weigend ist nicht bloß vor der Kamera ein präsenter Charakter, er vermag auch im Bühnenfach als Protagonist zu überzeugen; als Theaterbesucher ist man über 100 Minuten ganz nah an seinem „Jedermann“ dran, zu dem Hofmannsthals Figuren mitten aus dem Zuschauerraum kommen, schreiten, eilen. Ein smarter Kniff der aktuellen Inszenierung, die von Maya Forster Pop-Powerballade („Unconditionally – Bedingungslos“) eingerahmt wird und mit einem modernen Anstrich versehen wurde (etwa durch die ständige filmende Influencerin der Tischgesellschaft). Mit intensiven Momenten ragen aus dem Ensemble Dorkas Kiefer, Markus Majowski (sonst vor allem Komiker), Erol Sander, Michael Rast und Alexandra Kamp heraus. Dorian Steidl darf als Koch den Clown mit Schürze geben. Langer, herzlicher Applaus nach einem direkten und schnörkellosen Theatererlebnis.
© Klopp„Heimspiel“ für den gebürtigen Grazer Julian Weigend
© KloppSusanne Bormann (Buhlschaft) und Julian Weigend (Jedermann)Zum Stück
„Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal, heute noch um 19 Uhr auf den Kasematten Graz (ausverkauft).
Die Inszenierung von Nicolai Tegeler war u. a. schon in Bremen, Regensburg und Weimar zu sehen. Von 5. bis 7. 11. Gastspiel in Bayreuth.
Infos & Termine: jedermann-theater.de
© KloppDorkas Kiefer in der Inszenierung von Nicolai Tegeler
© KloppJulian Weigend (Jedermann) und Tine Wittler (Base)
© KloppJulian Weigend (Jedermann) mit Markus Majowski