Werder Bremens Eren Dinkci (l.) bejubelt seinen Treffer im Spiel gegen Leipzig mit Niklas Füllkrug

Stand: 05.09.2026 • 19:22 Uhr

RB Leipzig hatte in der Fußball-Bundesliga bei Werder Bremen viel Ballbesitz. Das brachte den Sachsen bei aufopferungsvoll kämpfenden Gastgebern aber rein gar nichts. Werder besiegte Leipzig überraschend deutlich mit 3:1 (1:0).


Olaf Jansen

Die Treffer für kämpferisch herausragend agierenden Bremer erzielten Eren Dinkci (4. Minute), der stark verbesserte Niclas Füllkrug (68.) und Marco Grüll (80.). Für Leipzig verkürzte Ridle Baku (90.+5) in der Nachspielzeit. Beide Teams stehen nach dem zweiten Spieltag bei einem Sieg und einer Niederlage mit drei Zählern auf der Habenseite da.


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Leipzigs Demichelis: „Wir müssen lernen“

Leipzigs Trainer Martin Demichelis meinte enttäuscht: „Wir müssen lernen. Werder war heute in den Zweikämpfen einfach aktiver als wir. Außerdem haben wir nach dem zweiten Gegentreffer unsere Struktur verloren.“

„Es ist ein kleiner Traum für mich in Erfüllung gegangen“, sagte Werders Torschütze Dinkci nach der Partie. „Ich glaube, dass heute die mannschaftliche Geschlossenheit entscheidend war“, so Dinkci.

Mittwoch Training, Donnestag Training, Freitag etwas Abschlussarbeit – Samstag Startformation: So sahen die vergangenen Tage der zwei Werder-Neulinge Youri Regeer und Arthur aus, die der Klub von der Weser auf den letzten Drücker des Transferfensters verpflichtet hat. Nicht viel Zeit für Mittelfeldmann Regeer (kam von Ajax) und Rechtsverteidiger Arthur (kam von Leverkusen) – dennoch mussten sie gegen Leipzig gleich ran. Zu schwach war Werder in der vergangenen Woche beim 1:4 in Freiburg in die Saison gestartet.

Früher Schlag: Dinkci trifft für Werder

Ganz anders Leipzig, das zum Auftakt Borussia Mönchengladbach ganz locker mit 3:0 in die Schranken gewiesen hatte. Klare Sache also: RB ging schwer favorisiert ins Match. Bekam aber nach noch nicht einmal vier Minuten eine regelrechte Ohrfeige von den Weser-Kickern verpasst. Johan Bakayoko hatte die Kugel leichtfertig im Mittelfeld an Regeer verloren, über Chuki und Niclas Füllkrug landete die Kugel in den Füßen von Dinkci, der RB-Keeper Maarten Vandevoort aus zwölf Metern flach überwand – 1:0 (4.).

Werder war griffig, Werder war bissig. Leipzig übernahm bei einsetzendem Regen das Kommando, ließ den Ball im Mittelfeld gut laufen. Doch in der gefährlichen Zone bekamen es die Gäste mit ultra-aggressiven Werder-Zweikämpfern zu tun. Und das behagte ihnen gar nicht. Neuzugang Christopher Nkunku im Sturmzentrum, Antonio Nusa auf links, Bakayoko auf rechts – sie alle wunderten sich über das harte Einsteigen der Werder-Abwehr. Und mussten sich erstmal drauf einstellen.

Schiri Brand nimmt Strafstoß für Leipzig zurück

Aber klar: RB übernahm das Kommando. In der 12. Minute die erste große Gelegenheit für Leipzig: Nkunku war links durch, hatte nur noch Verteidiger Pieper vor sich, legte quer rüber zu Ridle Baku, der mit dem Abschluss aber zu lange zögerte. Pieper kam noch rüber und konnte blocken.

Nach 25 Minuten schien der Ausgleich aber vorgezeichnet: Nkunku fiel über das ausgestreckte Bein von Werder-Keeper Karl Hein – Schiri Benjamin Brand zeigte auf den Elfmeterpunkt. Was ihm aber erst beim Sichten der TV-Bilder auffiel: Der Keeper hatte erst ein klein wenig den Ball gespielt. Der Strafstoß wurde zurückgenommen, es gab stattdessen Eckball.

Christopher Nkunku im Zweikampf mit Arthur

Bremen zur Halbzeit: 30 Prozent Ballbesitz, 1:0 Tore

Leipzig blieb dran. Und Nkunku hatte wenig später erneut den Ausgleich auf dem Fuß. Einen Abpraller nahm er aus 13 Metern direkt, schoss Hein aber erneut nur an (29.). Auch Baku (36.) und Neil El Aynaoui (45.+2) hatten das 1:1 noch auf den Füßen, ein aufopferungsvolles Werder rettete sich aber trotz nur 30 Prozent Ballbesitz in die Pause.

Der nächste Ballbesitz hätte um ein Haar das 2:0 eingebracht: Leipzig verlor nach dem Seitenwechsel beim ersten Angriff den Ball an der Mittellinie – Regeer schaute kurz auf und schlenzte die Kugel in Richtung RB-Tor. Im Rückwärtslauf erwischte Keeper Vandevoort das Spielgerät so gerade noch mit den Fingerspitzen und lenkte es an die Querlatte.

Bremens Füllkrug stark verbessert

Schon wieder – wie schon im ersten Abschnitt – so ein guter Start von Werder. Das in der 52. Minute wieder vor dem Leipziger Kasten auftauchte. Nach Dinkcis Flanke stand Füllkrug am zweiten Pfosten frei – seinen Kopfball-Aufsetzer kratzte der der 1,92 Meter große Vandevoort von der Linie. Eine gute Szene von Füllkrug, der sich gegenüber seinem beinahe katastrophalen Start in Freiburg in punkto Ballsicherheit und Zweikampfverhalten stark verbessert präsentierte.

Und in der 68. Minute kam seine Szene: Nach Marco Grülls Eckstoß von rechts setzte sich Füllkrug etwas nach hinten ab und zirkelte seinen Kopfball punktgenau in den rechten Winkel – es war ein Traumtor zum 2:0.

Werder-Keeper Hein hellwach

Werder war auf dem Weg zu überraschenden drei Zählern – auch, weil das Team an diesem Tag auf sein Spielglück bauen konnte. Nusa traf in der 71. Minute die Querlatte des Werder-Tores, nachdem Nkunku aus zehn Metern am überragend reagierenden Keeper Hein gescheitert war. Weders Torwart war auch hellwach, als Nusa in der 79. Minute einen knallharten Distanzschuss aufs linke Eck vom Stapel ließ.

Werders Abwehr hielt, die von Leipzig nicht. In der 80. Minute der K.o. für RB: Grüll nahm einen nach einem Eckball abgewehrten Ball aus 18 Metern direkt und knallte ihn sauber ins linke untere Eck – 3:0 (80.). Es war die endgültige Entscheidung in einem Spiel, das das kämpferisch stärkere Team für sich entschied. Und in dem Baku in der Nachspielzeit per Kopf aus kurzer Distanz für Leipzigs Ehrentreffer sorgte.

„Wir waren heute einfach nicht zwingend genug“, kritisierte Leipzigs David Raum. „Wir müssen die Lehren aus der Niederlage ziehen. Wir haben heute gegen richtig dreckigen Männerfußball verloren.“

Bremen in Köln, Leipzig gegen den HSV

Die nächsten Aufgaben beider Teams in der Liga: Bremen ist am Samstagabend beim 1. FC Köln zu Gast (18.30 Uhr). Leipzig empfängt am Sonntagnachmittag den Hamburger SV (15.30 Uhr). Bei RB Leipzig wirft natürlich auch die Rückkehr in die Champions League ihre Schatten voraus. Am kommenden Donnerstag gastieren die Roten Bullen bei Serie-A-Überraschungsmannschaft Como 1907


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