Sie sind vor fünf Jahren nach Graz gekommen und haben seither elf Restaurants modernisiert, umgebaut oder komplett neu gebaut. Das ist mit der Wiener Straße jetzt abgeschlossen. Wird’s Ihnen jetzt langweilig?
Daniel Boaje: Nein. Wir haben immer viel zu tun – die Modernisierung der Gebäude ist etwas, das nach außen sehr sichtbar ist, aber wir arbeiten ständig an etwas: Produkt-Innovationen, Promo, Ausbildungen, Geräte, operationelle Schritte. Es gibt immer etwas Neues.
Das Investitionsvolumen von 10 Millionen Euro ist auch nicht ohne …
Es waren sogar mehr – aber Geld ist nicht alles. Wir waren die Ersten und müssen die Ersten bleiben – und den Kunden in allen Details die modernsten Lösungen bieten. Es ist sehr wichtig für mich, dass sie sich wohlfühlen und wiederkommen wollen. Meine liebste Investition ist aber in unser Team!
Sie beschäftigen rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Wie schwierig ist es für Sie, neues Personal zu finden?
Wir sind immer offen für gute Mitarbeiter. Es ist nicht einfach, aber wir finden sie. Was dabei hilft, ist, dass McDonald’s Österreich gute Möglichkeiten zur Integration bietet, etwa kostenlose Deutschkurse am Anfang. Wir sind auf alle Nationalitäten vorbereitet, bei uns arbeiten Menschen aus 54 verschiedenen Nationen. Und 23 Leute mit Behinderungen, die sind auch ausgezeichnet integriert.
Wir sind auf alle Nationalitäten vorbereitet, bei uns arbeiten Menschen aus 54 verschiedenen Nationen.
— Daniel Boaje, DBO Gastronomie, Franchisenehmer McDonald‘s Graz
Sie sind in Rumänien in der Zeit des Kommunismus aufgewachsen. Können Sie sich erinnern, wann Sie zum ersten Mal mit McDonald’s in Berührung gekommen sind?
Als Student hatte ich davon nur aus unseren Marketingbüchern gelesen. Ich habe während des Studiums als Flugbegleiter gearbeitet, da habe ich in Dublin meinen ersten Burger gegessen.
Beim Start in Rumänien waren Sie dann ganz von Anfang an dabei?
Ja, 1994 gab es ein halbseitiges Inserat in der Zeitung, dass Manager gesucht werden. Seit dem Markteintritt bin ich dabei. Ich habe selber Burger gebraten und wurde dann stellvertretender Restaurantleiter. Ich war später Operations Manager für Rumänien, Bulgarien und Moldawien und habe beim Markteintritt in der Ukraine, in Moldawien und Aserbaidschan geholfen. Wir hatten den Spitznamen „Garlic Division“ („Knoblauch-Abteilung“, Anm.).
Braten Sie jetzt auch noch manchmal Burger?
Ja, das hat mir immer Spaß gemacht. Aber jetzt beschweren sich die Kollegen, weil ich nicht mehr so schnell bin wie sie.
Wie sind Sie dann in Österreich gelandet?
Wir haben zusammen als Familie entschieden, dass wir in ein anderes Land gehen wollen. Ich habe bei McDonald’s angefragt, ob sie mir einen Ort als Franchisenehmer empfehlen können – egal, wo. Beim Vorschlag „Österreich“ habe ich zuerst gezögert, weil ich kein Wort Deutsch kann. Über Graz hatte ich davor kaum etwas gehört, nur von der Universität. Dann bin ich hergeflogen, habe mir die Stadt angeschaut – und am 1. April 2021 wurde ich Franchisenehmer.
Wie schwierig war es, Deutsch zu lernen?
Ich habe noch immer zwei Stunden pro Woche Deutschkurs. Unsere Kinder sprechen beide jetzt schon perfekt, aber ich bin nicht mehr so jung, ich vergesse auch immer wieder einiges. Die Sprache lernen ist wichtig, das sage ich auch immer unseren Mitarbeitern, die neu in Österreich sind. Sie sind für ein besseres Leben hierhergekommen, sie müssen sich durchschlagen.
Über Graz hatte ich davor kaum etwas gehört.
— Daniel Boaje über Vorschlag seiner Arbeitgeber
Im letzten Jahr hatten sie sieben Millionen Kundinnen und Kunden in ihren Filialen. Lässt sich das überhaupt noch steigern?
Wir sind vorbereitet für mehr, ja. Wir sind schnell. Das ist unsere Expertise, wir haben viele Kunden, es ist ein Volume-Business, da sind wir absolut Spezialisten.
Was ist eigentlich Ihr Lieblingsprodukt bei McDonald’s?
Der Doppel-Cheeseburger. Und manchmal Big Mac. Ich probiere aber alle Produkte aus, ich esse jeden Tag hier.
Ist Graz für Sie inzwischen zur Heimat geworden?
Das Leben unserer Familie ist in Graz und das bleibt auch so. Ich bin stolz darauf. Wir sind gut integriert, als Unternehmer wird man respektiert und bekommt Unterstützung.
Haben Sie in den intensiven letzten Jahren auch genug Freizeit mit der Familie gehabt, um sich Österreich anzuschauen?
Ich bin ein bisschen ein Workaholic (Mitarbeiterin Kati lacht am Nebentisch vielsagend, Anm.). Aber ein Ausgleich mit der Familie ist natürlich wichtig, ich liebe meine Kinder. Wenn wir ein bisschen Zeit haben, reisen wir gerne in Österreich herum – Schladming und Tirol zum Skifahren im Winter, oder Salzburg und Wien. Da esse ich als Erstes immer am Würstelstand im Stadtzentrum. Nur eine Lederhose habe ich noch nicht, die muss ich mir noch kaufen.