Raketenstart

Stand: 06.09.2026 • 00:20 Uhr

Meilenstein in der deutschen Raumfahrtgeschichte: Die Trägerrakete Spectrum hat bei einem Testflug vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya aus den Orbit erreicht. Das Raketen-Unternehmen spricht von einer europäischen Premiere.

Eine von dem bayerischen Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace entwickelte Trägerrakete hat bei einem Testflug den Orbit erreicht. Die Spectrum-Rakete hob vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya ab, wie auf einem Livestream zu sehen war.

„Wir sind im Orbit! Und haben Europäische Geschichte geschrieben“, jubelte das Unternehmen in einem Post auf der Plattform X. Es sei das erste Mal, dass eine privat entwickelte Rakete vom europäischen Kontinent aus den Orbit erreicht habe, hieß es.

Die Rakete hatte nach Unternehmensangaben fünf kleine Satelliten sowie ein technologisches Experiment an Bord. Der Zugang zum Weltraum bleibe eine der größten Hürden für die Raumfahrtindustrie und die nationale Sicherheitsarchitektur, erklärte Isar-Aerospace-Chef Daniel Metzler.

Kanzler spricht von neuer Ära

Kanzler Friedrich Merz (CDU) gratulierte dem Unternehmen: „Das ist der Beginn einer neuen Ära“, sagte er. „Deutschland kann Raumfahrt“, erklärte das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Es handele sich um einen „Meilenstein, der die Innovationskraft und das technische Wissen unseres Landes eindrucksvoll unter Beweis stellt“, teilte das Ministerium auf X mit.

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) erklärte, „dieser großartige Erfolg“ zeige, dass Deutschland „mit mutiger Forschung, nachhaltiger Industriepolitik und grenzüberschreitender Kooperation“ die Zukunft der Raumfahrt mitgestalte.

Erster Versuch im März 2025

Der erste Versuch des Unternehmens aus Ottobrunn bei München im März 2025 endete kurz nach dem Abheben mit einem Absturz. Isar Aerospace hatte den Flug wegen der gewonnenen Daten dennoch als Erfolg gewertet.

Die 28 Meter lange „Spectrum“-Rakete kann Nutzlasten von bis zu einer Tonne transportieren. Mit ihr will Europa unabhängiger von außereuropäischen Anbietern wie SpaceX des Milliardärs Elon Musk werden. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte den Startplatz in Norwegen im März besucht und damit die Bemühungen um eine größere europäische Autonomie in der Raumfahrt unterstrichen.

Das Raumfahrt-Start-up Isar Aerospace aus Ottobrunn bei München baut Trägerraketen für den Transport kleiner und mittelgroßer Satelliten. Die zweistufige Spectrum-Rakete ist 28 Meter hoch und soll mit ihren zehn Triebwerken Nutzlasten von bis zu tausend Kilogramm in erdnahe Umlaufbahnen befördern.

Der Testflug war seit Januar geplant und mehrfach wegen technischer Probleme oder ungünstiger Wetterbedingungen verschoben worden.