Santander stuft SAP zurück, während Cloud-Erlöse wachsen. Analysten hinterfragen jedoch das KI-Tempo und die Bewertung nach der Kurserholung.
Die spanische Großbank Santander hat SAP in ihrem Research-Bericht vom 1. September von „Outperform“ auf „Market Perform“ herabgestuft. Die Herabstufung reiht sich in eine Serie kritischer Analystenstimmen ein, die sich seit dem Sommer mehren – trotz eines soliden Quartalsberichts und milliardenschwerer KI-Zukäufe.
Skepsis trotz starkem Cloud-Wachstum
Dabei hatte SAP im Juli mit Zahlen überzeugt, die auf den ersten Blick wenig Anlass zur Sorge geben. Der Cloud-Auftragsbestand legte um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro zu, die Clouderlöse stiegen um 22 Prozent. Für das Segment Cloud ERP Suite meldete der Konzern ein Plus von 25 Prozent. Der Gesamtumsatz wuchs um 9 Prozent.
Dennoch mehren sich seither die vorsichtigeren Töne aus den Analystenhäusern. Die Herabstufung durch Santander folgt auf ähnliche Bewegungen: UBS hatte SAP Ende August von Kaufen auf Neutral gesetzt, das Kursziel dabei aber deutlich auf 211 Euro angehoben – die Begründung lag weniger in den Zahlen als im Tempo der KI-Umsetzung.
Barclays wiederum hatte bereits Ende Juli sein Kursziel von 255 auf 220 Euro gesenkt, an der Kaufempfehlung „Overweight“ jedoch festgehalten. Die Herabstufungen scheinen damit weniger fundamentaler Natur zu sein, sondern spiegeln eher die Erwartung wider, dass ein Großteil der Kursfantasie nach der starken Erholung der vergangenen Monate bereits eingepreist ist.
KI-Tempo bleibt Streitpunkt
Ein wiederkehrendes Thema in den Analysen ist die Geschwindigkeit, mit der SAP seine KI-Agenten ausrollt. Bislang hat der Konzern nach UBS-Angaben 17 sofort einsetzbare Agenten veröffentlicht, weitere 15 befinden sich in der Anlaufphase – bei einem selbstgesteckten Jahresziel von rund 200 Stück.
Diese Lücke nährt Zweifel daran, ob SAP das Tempo der Konkurrenz im Bereich agentischer KI mithalten kann, obwohl der Konzern mit den Übernahmen von Dremio und Prior Labs im Sommer massiv investiert hat. Für Prior Labs, den Spezialisten für tabellarische Foundation Models, plant SAP über die kommenden vier Jahre mehr als eine Milliarde Euro ein.
Diese Zukäufe hinterlassen bereits Spuren in der Konzernplanung: SAP hat seinen Ausblick für das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 wegen des Verwässerungseffekts aus beiden Übernahmen angepasst und rechnet nun mit 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro bei konstanten Währungen – ein Zuwachs von 13 bis 17 Prozent.
Kurs unter Druck, Bewertung im Fokus
Die Aktie schloss am Freitag bei 185,10 Euro und büßte damit binnen sieben Tagen 3,0 Prozent ein, nachdem sie über den vergangenen Monat noch um 8,9 Prozent zugelegt hatte. Vom 52-Wochen-Hoch bei 242,00 Euro aus dem vergangenen Oktober trennen das Papier damit weiterhin 24 Prozent.
Die Diskrepanz zwischen den zuletzt gedämpften Analystenurteilen und der immer noch spürbaren Erholung seit dem Jahrestief bei 127,52 Euro zeigt, wie stark der Markt inzwischen zwischen operativer Stärke und Bewertungsfrage unterscheidet.
Für Anleger bleibt damit die Frage im Raum, ob die jüngste Serie von Herabstufungen tatsächlich eine fundamentale Trendwende signalisiert – oder lediglich eine Verschnaufpause nach der kräftigen Kursrally markiert. Die Vertragsverlängerungen von Vorstandschef Christian Klein und Finanzvorstand Dominik Asam bis April 2030 deuten zumindest auf personelle Kontinuität an der Konzernspitze hin, während der Konzern seine KI-Strategie weiter umsetzt.
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