Rheinmetall steigert Umsatz und operatives Ergebnis deutlich, kämpft jedoch mit negativem Cashflow und einer gesenkten Jahresprognose für 2026.

Rheinmetall kommt nicht zur Ruhe. Am Freitag schloss die Aktie bei 1.036,00 Euro und verlor 3,2 Prozent – der nächste Rückschlag in einer Verkaufswelle, die den Titel binnen sieben Tagen fast zehn Prozent gekostet hat.

Auslöser der Talfahrt bleibt die gesenkte Jahresprognose vom 6. August, als der Rüstungskonzern nach dem Aus für das Fregattenprogramm F126 seine Umsatzerwartung für 2026 auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro zurücknahm, nachdem zuvor 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro in Aussicht standen.

Solide Zahlen, aber schwacher Cashflow

Dabei zeigte das erste Halbjahr 2026 operativ Stärke: Der Umsatz kletterte um 39 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro zu. Die operative Marge stieg von 12,1 auf 15,0 Prozent, und für das Gesamtjahr hält Rheinmetall an einer operativen Marge von rund 19 Prozent fest.

Getrübt wird das Bild jedoch vom freien Cashflow, der im ersten Halbjahr mit minus 1,6 Milliarden Euro tief in den roten Zahlen steckte – belastet durch verschobene Kundenanzahlungen, Vorratsaufbau und massive Kapazitätsinvestitionen. Zusätzlich strich das Unternehmen sein Investitionsziel von 16 Prozent auf 8 bis 9 Prozent des Umsatzes.

Die Analysten von mwb research reagierten Anfang August mit einer Herabstufung: Am 8. August senkten sie das Rating von „Hold“ auf „Sell“ und das Kursziel von 1.150 auf 1.050 Euro. Begründet wurde der Schritt mit einem ungünstigeren Chance-Risiko-Verhältnis sowie Kritik an der halbierten Investitionsquote und dem gesenkten Backlog-Ziel.

Goldman Sachs-Analyst Sam Burgess bestätigte am selben Tag der Prognosesenkung sein „Buy“-Rating mit Kursziel 2.300 Euro – die beiden Einschätzungen markieren die Spannweite, in der sich der Markt derzeit bewegt.

Auftragsbestand bleibt Fundament

Operativ liefert Rheinmetall weiter Substanz. Der Auftragsbestand lag Ende Juli bei über 80 Milliarden Euro, der Auftragseingang im zweiten Quartal bei 11,371 Milliarden Euro. Neue Verträge kamen hinzu, darunter ein Loitering-Munitions-Auftrag der Bundeswehr und ein Auftragspaket mit Rumänien im Rahmen des EU-Programms SAFE.

Auch der Ausbau der Kapazitäten schreitet voran: In Nordhessen entsteht ein neuer Defence Hub mit Investitionen von über 260 Millionen Euro, unterstützt vom Land Hessen mit 25 Millionen Euro. Am Standort Kassel sollen rund 1.000 neue Arbeitsplätze zu den bestehenden 2.200 hinzukommen, und konzernweit sucht Rheinmetall derzeit 2.300 neue Mitarbeiter in Deutschland.

Technologisch demonstrierte Rheinmetall Air Defence Anfang September gemeinsam mit Hensoldt während der Luftwaffenübung Timber Express die erfolgreiche Integration von Passiv-Sensortechnik – ein Signal, dass das Unternehmen trotz der Kursschwäche an seiner Innovationsfront arbeitet.

Boxer-Großauftrag als möglicher Kurstreiber

Der Markt blickt gespannt auf den geplanten Großauftrag für Boxer-Radfahrzeuge der Bundeswehr, bekannt als Projekt Arminius. Medienberichten zufolge sollen die finalen Verhandlungen in der zweiten Septemberwoche stattfinden, die parlamentarische Behandlung ist für den 9. Dezember angesetzt.

Der Fixvertrag soll rund 12,4 Milliarden Euro für Fahrzeuge sowie einen Servicevertrag über 4 Milliarden Euro umfassen, wovon 2 Milliarden Euro auf Rheinmetall entfallen. Zwei Optionen könnten den Gesamtrahmen laut Medienberichten auf bis zu 26 Milliarden Euro heben.

Eine Anzahlung von rund 30 Prozent soll demnach Ende Dezember oder im Januar fließen – ein Termin, der angesichts der schwachen Cashflow-Lage im ersten Halbjahr besondere Bedeutung für Anleger gewinnt.

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