TKMS steigert Umsatz und EBIT, erhöht die Jahresziele und hält einen hohen Auftragsbestand. Dennoch belasten Kursverluste und die F127-Kostendebatte.

TKMS hat mit den Geschäftszahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 deutlich zugelegt – und dennoch notiert die Aktie am Freitag mit 83,30 Euro spürbar unter ihrem Hoch. Die Diskrepanz zwischen operativer Entwicklung und Kursverlauf wirft die Frage auf, was den Markt derzeit belastet.

Zahlen übertreffen die Erwartungen

Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten auf 1.890 Millionen Euro, ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 1.587 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT kletterte um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro. Besonders das Segment Submarines lieferte einen Wachstumsschub: Dort verdreifachte sich das bereinigte EBIT nahezu. Der Auftragsbestand liegt bei 20,1 Milliarden Euro und bildet damit ein solides Polster für die kommenden Jahre.

Auf Basis dieser Entwicklung hob TKMS die Jahresprognose an. Statt eines zuvor erwarteten Umsatzrückgangs von 1 bis 2 Prozent rechnet das Unternehmen nun mit einem Wachstum von 10 bis 12 Prozent. Die bereinigte EBIT-Marge soll bis zu 6,5 Prozent erreichen. Für ein Rüstungsunternehmen mit derart langen Auftragslaufzeiten ist das eine deutliche Aufwärtsrevision, die auf eine beschleunigte Abarbeitung des prallen Orderbuchs schließen lässt.

Kurs bleibt trotz guter Nachrichten unter Druck

Trotz der positiven operativen Entwicklung hat die Aktie in den vergangenen sieben Handelstagen 7,6 Prozent verloren, auf Sicht von 30 Tagen sind es 5,7 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 108,80 Euro, erreicht im August, trennen das Papier mittlerweile 23 Prozent.

Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 26 Prozent zu Buche – die jüngste Schwäche relativiert sich also im längeren Vergleich, auch wenn der RSI von 39,6 auf eine angeschlagene kurzfristige Verfassung hindeutet.

Ein Belastungsfaktor dürfte die Berichterstattung über das F127-Fregattenprogramm sein: Der Spiegel berichtete Ende August, die Kostenschätzung für die acht geplanten Fregatten sei auf über 40 Milliarden Euro gestiegen, gegenüber zuvor rund 26 Milliarden Euro.

TKMS wies die Zahl zurück und erklärte, sie sei nicht nachvollziehbar und entspreche nicht der vereinbarten Kostenaufteilung mit Partner Rheinmetall. Solche Diskrepanzen zwischen medialer Kostendarstellung und Unternehmensdarstellung sorgen bei Anlegern erfahrungsgemäß für Verunsicherung, selbst wenn die operative Basis intakt bleibt.

Rückzug bei German Naval Yards Kiel

Ein weiterer Baustein im Bild ist die im Juli getroffene Entscheidung, das unverbindliche Übernahmeangebot für German Naval Yards Kiel zurückzuziehen.

TKMS begründete den Schritt damit, dass mit dem Eigentümer CMN Naval keine Einigung über die wirtschaftlichen Konditionen erzielt werden konnte, und erklärte zugleich, die bestehenden Standorte Kiel und Wismar reichten für das aktuelle und künftige Auftragsvolumen aus. Der Verzicht auf die Übernahme signalisiert eine gewisse Zurückhaltung bei der Kapitalallokation, obwohl das Unternehmen operativ expandiert.

Die Partnerschaft mit Fincantieri, deren Absichtserklärung am vergangenen Donnerstag vertieft wurde, zielt auf ein strukturiertes Kooperationsrahmenwerk im U-Boot- und Unterwasserbereich bis zum Jahresende. Zusammen mit dem hohen Auftragsbestand und der angehobenen Prognose liefert sie das fundamentale Gegengewicht zu den kurzfristigen Kursrisiken, während der Markt die F127-Kostenfrage und die Zurückhaltung bei Kiel weiter verarbeitet.

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