Er hat nur 20 Mitglieder, kaum ein deutscher Anleger hat ihn im Depot – und trotzdem lässt er DAX, S&P 500 und MSCI World seit mehreren Jahren hinter sich. Der österreichische ATX ist der stille Gewinner der vergangenen drei Jahre. Was hinter der Rally steckt und welche Aktien sie tragen.

Das Wichtigste in Kürze Keine Zeit, den ganzen Artikel zu lesen? Hier sind die Kernpunkte für dich:

Der ATX ist der Leitindex der Wiener Börse und bündelt die 20 größten heimischen Aktien. Er startete am 13. Mai 1991.
In den vergangenen drei Jahren legte der ATX inklusive Dividenden um 140,5 Prozent zu – mehr als doppelt so viel wie der DAX mit 64,7 Prozent.
2025 gewann der Index 52,2 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 kamen weitere 24,9 Prozent hinzu.
Treiber sind Banken mit hohen Gewinnen, eine im internationalen Vergleich niedrige Bewertung – und ein einzelner Tech-Wert, der sich mehr als verfünffacht hat.
Anleger kommen über ETFs oder Einzelaktien an den Index. Wer investiert, sollte die hohe Konzentration kennen: Wenige Schwergewichte bestimmen den Kurs.

Der unauffälligste Gewinner Europas

Wenn Anleger über starke Aktienmärkte sprechen, fallen die üblichen Namen: S&P 500, MSCI World und zuletzt auch wieder der DAX. Der Index, der sie alle hinter sich gelassen hat, kommt aber aus einem Land mit neun Millionen Einwohnern und einer Börse, die an guten Tagen weniger umsetzt als der DAX in einer Stunde.

Der ATX, Leitindex der Wiener Börse, hat 2025 inklusive Dividenden um 52,2 Prozent zugelegt – der stärkste Jahresgewinn seit 2005. Und auch 2026 knüpft der ATX an diese Entwicklung an: Im ersten Halbjahr kletterte der Index um 24,86 Prozent und markierte Mitte Juni mit 16.547,21 Punkten ein Allzeithoch, das er seither noch einmal übertroffen hat. Ende August standen 17.051 Punkte auf der Anzeigetafel. Die Aktienumsätze summierten sich bis Ende Juni auf 53,39 Milliarden Euro – das stärkste Halbjahr seit 2008.

Aus 10.000 Euro wurden 24.045 Euro – im DAX nur 16.466 Euro

Wie deutlich der Vorsprung ist, zeigt der Blick auf drei Jahre. Von September 2023 bis September 2026 kommt der ATX auf ein Plus von 140,5 Prozent. Dahinter folgen der Nikkei 225 mit 111,7 Prozent, der S&P 500 mit 76,5 Prozent, der MSCI World mit 72,8 Prozent und der DAX mit 64,7 Prozent. In allen Zahlen sind Dividenden enthalten – der Vergleich steht damit auf derselben Grundlage.

In Euro und Cent heißt das: Aus 10.000 Euro wurden im ATX rund 24.045 Euro. Dieselbe Summe im DAX kam auf 16.466 Euro, im MSCI World auf 17.277 Euro. Ein Anleger, der vor drei Jahren nach Wien statt nach Frankfurt gegangen wäre, hätte also gut 7.500 Euro mehr im Depot – bei einer Anlagesumme, die viele Sparpläne in dieser Zeit erreichen. Auf das Jahr gerechnet stehen 34,1 Prozent beim ATX gegen 18,2 Prozent beim DAX.

Bemerkenswert ist dabei, wie ruhig dieser Vorsprung entstanden ist. Der stärkste Rückschlag lag beim ATX bei 16,2 Prozent, gemessen vom jeweils vorherigen Höchststand. Beim DAX waren es 16,0 Prozent, beim S&P 500 18,7 Prozent und beim Nikkei 225 sogar 25,5 Prozent. Der ATX hat die höchste Rendite also nicht mit dem höchsten Risiko erkauft – ein Muster, das sich an den Kapitalmärkten selten so sauber zeigt.

Wer allerdings vor drei Jahren eingestiegen ist, hätte zwischenzeitlich Geduld gebraucht. Nach zwölf Monaten lag der ATX mit 20,3 Prozent nur auf Rang drei, hinter dem S&P 500 und dem MSCI World. Erst im Sommer 2025 setzte er sich an die Spitze und verteidigte sie seither – abgesehen von einigen Tagen, an denen der Nikkei kurz vorbeizog. Der Großteil der Outperformance ist damit ein Phänomen der vergangenen fünfzehn Monate, nicht des gesamten Zeitraums.

Eine Einschränkung bleibt: Alle Werte sind in Landeswährung gerechnet. Für deutsche Anleger fällt das beim ATX nicht ins Gewicht, weil Österreich zur Eurozone gehört. Beim Nikkei 225 und beim S&P 500 verschieben Yen und Dollar das Ergebnis dagegen spürbar – je nach Wechselkursentwicklung in beide Richtungen.

Was der ATX überhaupt ist

Der Austrian Traded Index (ATX) wurde am 13. Mai 1991 gestartet und enthält die 20 größten und liquidesten Aktien der Wiener Börse. Gewichtet wird nach der Marktkapitalisierung des Streubesitzes – also nach dem Wert der frei handelbaren Aktien, nicht nach der Unternehmensgröße insgesamt. Ein Indexkomitee überprüft die Zusammensetzung regelmäßig, die nächste Überprüfung steht im September 2026 an.

Wichtig für den Vergleich mit anderen Indizes: Wie fast jeden Index gibt es auch den ATX in zwei Varianten. Der klassische ATX ist ein Kursindex, Dividenden bleiben außen vor. Daneben berechnet die Wiener Börse den ATX Total Return, in den die Ausschüttungen einfließen.

Welche Variante in den Nachrichten auftaucht, ist eine Frage der Landessitte – und Deutschland ist dabei der Sonderfall. Der DAX, den Anleger aus der Tagesschau kennen, ist ein Performance-Index inklusive Dividenden. Fast überall sonst stehen Kursindizes auf den Kurstafeln: S&P 500, Nikkei 225, Euro Stoxx 50, FTSE 100 und eben auch der ATX. Einen DAX-Kursindex gibt es zwar, beachtet wird er kaum.

Das ist mehr als eine Randnotiz. Über drei Jahre trennen den S&P 500 als Kurs- und als Total-Return-Index knapp sieben Prozentpunkte, beim ATX waren es allein 2025 genauso viele. Wer den DAX-Stand aus den Abendnachrichten neben den S&P 500 legt, vergleicht Äpfel und Birnen. Der deutsche Index startet mit den Dividenden im Rücken – ein Vorsprung, der nichts mit der Kursentwicklung zu tun hat. Für die Zahlen in diesem Artikel und in den Grafiken gilt deshalb durchgängig die Total-Return-Rechnung: ATX Total Return, DAX Performance-Index, S&P 500 (TR), Nikkei 225 Total Return und MSCI World als Nettorendite in US-Dollar.

Neben der Rechenweise entscheidet vor allem die Zusammensetzung darüber, wie sich ein Index schlägt. Branchenseitig ist der ATX kein Abbild der Weltwirtschaft, sondern ein sehr spezifisches Portfolio: Banken, Versicherer, Energie- und Versorgungsunternehmen sowie klassische Industrie dominieren. Tech spielt traditionell kaum eine Rolle – was die Entwicklung des Jahres 2026 umso bemerkenswerter macht.

Warum der ATX gerade läuft: vier Gründe

Die Banken verdienen prächtig. Kein Sektor prägt den ATX so stark wie das Finanzwesen. Die Erste Bank meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Nettogewinn von knapp 2,0 Milliarden Euro – ein Plus von 18,6 Prozent. Der Zinsüberschuss verbesserte sich um 42,3 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro. Die Raiffeisen Bank International ist mit rund 57 Prozent Kursplus der mit Abstand beste Wert im Euro Stoxx Banks.
Osteuropa zahlt sich aus. Viele ATX-Konzerne verdienen einen erheblichen Teil ihres Geldes in Zentral- und Osteuropa – einer Region, die schneller wächst als die Eurozone. Wiener-Börse-Chef Christoph Boschan verweist genau darauf: Österreichische Aktien stünden international für solide Geschäftsmodelle, attraktive Dividenden und eine starke Verankerung in dieser Wachstumsregion.
Die Bewertung war niedrig – und ist es teilweise noch. Die Erste Bank sieht den ATX trotz Rekordniveau im internationalen Vergleich weiterhin günstig bewertet, auch wenn sich Kurs-Gewinn-Verhältnis und Dividendenrenditen nach den Kursanstiegen wieder auf ihre langfristigen Durchschnitte zubewegt haben. Wer bei niedrigen Bewertungen einsteigt, bekommt Rückenwind allein daraus, dass sich die Bewertungslücke schließt.
Dividenden machen den Unterschied. Der ATX zählt zu den ausschüttungsstärksten Indizes Europas. 2026 schütten die ATX-Unternehmen rund 5,6 Milliarden Euro aus, angeführt von OMV mit rund 1,4 Milliarden Euro und Verbund mit rund 1,1 Milliarden Euro. Genau deshalb fällt jede Total-Return-Betrachtung für den ATX so deutlich aus – und deshalb unterschätzt jeder den Index, der nur auf den Kursindex schaut.


In eigener Sache

Wien ist einen Klick entfernt

Ob ETF oder Einzelaktie : Der Weg an die Wiener Börse führt über ein Depot. Bei finanzen.net ZERO¹, dem Broker von finanzen.net, handelst du beim Kostensieger der Stiftung Warentest (12/2025). Starte hier mit wenigen Klicks.

.highlightbox__row {
display: flex;
flex-wrap: wrap;
flex-direction: row;
justify-content: space-between;
align-items: flex-start;
}

.highlightbox–with-label .highlightbox__main {
flex: 1 1 auto;
text-align: left;
min-width: 0;
}

.highlightbox–with-label .highlightbox__label {
display: block;
text-align: right;
margin-bottom: 8px;
}

.highlightbox–with-label .box__content {
flex: 0 0 100%;
width: 100%;
}

@media (max-width: 499px) {
.highlightbox–with-label > .highlightbox__row {
flex-direction: column;
}

.highlightbox–with-label .highlightbox__main,
.highlightbox–with-label .highlightbox__label,
.highlightbox–with-label .box__content {
width: 100%;
text-align: left;
}

.highlightbox–with-label .highlightbox__label {
order: -1;
white-space: normal;
}
}
]]>
Diese Aktien treiben den Index – eine galt vor Kurzem ein Sanierungsfall

Die spektakulärste Geschichte des Jahres schreibt ein Unternehmen, das vor zwei Jahren noch als Sanierungsfall galt.

AT&S legte im ersten Halbjahr 2026 um 555,28 Prozent zu – mit Abstand die stärkste Kursentwicklung im prime market. Der steirische Hersteller von Leiterplatten und IC-Substraten ist eines der wenigen europäischen Unternehmen, die unmittelbar am KI-Boom mitverdienen. IC-Substrate sind die Verbindungsschicht zwischen Halbleiter und Leiterplatte – ohne sie lässt sich kein Hochleistungschip für Rechenzentren fertigen. Nach der Ankündigung neuer Milliardeninvestitionen in Malaysia sprang die Aktie an einem einzigen Tag um mehr als 36 Prozent, der beste Handelstag der Firmengeschichte. Am 22. Juni stieg AT&S zudem in den Stoxx Europe 600 auf. Seit dem Rekordhoch von 239,50 Euro ging es allerdings deutlich zurück: Anfang September notierte die Aktie bei rund 149 Euro.

Getragen wird der Index aber nicht von einem einzelnen Ausreißer, sondern von den Banken. Raiffeisen Bank International, Erste Bank und BAWAG stellen zusammen einen erheblichen Teil der Indexgewichtung – und alle drei verdienen derzeit prächtig. Die RBI liegt 2026 rund 57 Prozent im Plus und ist damit der beste Wert im Euro Stoxx Banks.

Bei den Schwergewichten liefert die Industrie: Andritz meldete zum Halbjahr einen Rekord-Auftragsbestand von 12,6 Milliarden Euro, ein Plus von 20,5 Prozent gegenüber dem Jahresende 2025 – die Aktie sprang daraufhin um 9,43 Prozent.

Unternehmen
Branche
ISIN
Warum die Aktie läuft

AT&S
Elektronik, Leiterplatten und IC-Substrate
AT0000969985
Plus 555 Prozent im ersten Halbjahr, stärkster Wert im prime market. Milliardeninvestition in Malaysia, Aufstieg in den Stoxx Europe 600 im Juni. Verdient direkt an der KI-Infrastruktur: Ohne IC-Substrate lässt sich kein Rechenzentrumschip fertigen.

Raiffeisen Bank International
Bank, Schwerpunkt Zentral- und Osteuropa
AT0000606306
Rund 57 Prozent Kursplus 2026 und damit bester Wert im Euro Stoxx Banks. Profitiert von steileren Zinskurven und dem Wachstum in der CEE-Region.

Erste Bank
Bank, Schwerpunkt Zentral- und Osteuropa
AT0000652011
Nettogewinn im ersten Halbjahr knapp 2,0 Milliarden Euro, ein Plus von 18,6 Prozent. Der Zinsüberschuss stieg um 42,3 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro. Größte Position im Index.

BAWAG Group
Bank, Schwerpunkt Österreich und Westeuropa
AT0000BAWAG2
Im ersten Halbjahr mehr Erträge und mehr Gewinn als im Vorjahr. Die Zahlen lagen laut Analysten der Erste Bank über den Erwartungen.

Andritz
Maschinen- und Anlagenbau
AT0000730007
Rekord-Auftragsbestand von 12,6 Milliarden Euro zum Halbjahr, ein Fünftel mehr als Ende 2025. Die Aktie sprang daraufhin um 9,4 Prozent.

💡 Gut zu wissen

Obacht Klumpenrisiko: 20 Werte sind wenig. Der ATX ist deshalb stark von einzelnen Titeln abhängig – Banken und Energie machen einen Großteil der Indexgewichtung aus. Das hat die Rally beschleunigt, wirkt aber in beide Richtungen: Kippt die Stimmung bei den Finanzwerten oder korrigiert AT&S, zieht das den gesamten Index mit nach unten. Zum Vergleich: Der MSCI World enthält dagegen mehr als 1.300 Aktien aus 23 Ländern.

Wie Anleger den ATX ins Depot bekommen

ETFs sind der einfachste Weg. Ein ATX-ETF bildet den Index samt Dividenden nach, kostet einen Bruchteil eines aktiven Fonds und lässt sich per Sparplan besparen. Wer den ATX als Beimischung nutzt, sollte sich bewusst sein, dass er damit stark auf Finanzwerte und Osteuropa setzt – als Basisinvestment eignet sich ein breiter Welt-ETF besser.

Einzelaktien geben mehr Kontrolle: Wer gezielt auf die Bankenstory oder auf AT&S setzen will, kauft die Titel direkt – mit dem entsprechend höheren Einzelwertrisiko.

Wie könnte es weitergehen?

Die Kurse sind der Wirtschaft davongelaufen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo meldete für das zweite Quartal 2026 eine Stagnation der österreichischen Wirtschaft. Gunter Deuber, Chefanalyst von Raiffeisen Research, rechnet für 2026 mit einem Wachstum von lediglich 0,3 bis 0,6 Prozent – und weist darauf hin, dass der ATX die eigenen Kursziele für März 2027 bereits überschritten hat. Seine Einschätzung: Die ATX-Rally läuft langsam aus, das Risiko erscheint aber begrenzt; für die Aktienmärkte insgesamt bleibt er bis Jahresende leicht positiv.


Fazit

Der ATX ist der stille Outperformer der vergangenen Jahre – getragen von hochprofitablen Banken, dem Osteuropa-Geschäft, hohen Dividenden und zuletzt einer einzelnen Tech-Aktie mit Ausnahmelauf. Genau diese Mischung erklärt aber auch das Risiko: Ein Index aus 20 Werten mit klarem Finanz- und Industrieschwerpunkt schwankt stärker als ein global gestreutes Portfolio. Als Beimischung kann der ATX ein Depot sinnvoll ergänzen, als alleiniges Aktieninvestment ist er zu eng. Und wer jetzt einsteigt, tut das nahe dem Allzeithoch – nicht mehr im Schatten.

Das Wichtigste auf einen Blick

Die Key-Message: Der ATX hat zuletzt stark abgeschnitten, ist aber ein schmaler Index mit ausgeprägtem Branchenschwerpunkt – als Beimischung interessant, als Basisinvestment ungeeignet.

Nutze ihn als Beimischung: Als Basisinvestment ist ein breiter Welt-ETF die bessere Grundlage.
Prüfe deine Sektorgewichtung: Mit dem ATX kaufst du vor allem Banken, Versicherer und Industrie – oft dieselben Branchen, die auch im DAX schon schwer wiegen.
Vergleiche Äpfel mit Äpfeln: Achte darauf, ob eine Renditeangabe Dividenden enthält. Zwischen ATX-Kursindex und ATX Total Return lagen 2025 fast sieben Prozentpunkte.
Erwarte keine Wiederholung: Der Großteil der Outperformance stammt aus den vergangenen fünfzehn Monaten, und die österreichische Wirtschaft stagniert.
Jetzt Depot eröffnen und loslegen: Ob ATX-ETF, Einzelaktie oder Sparplan – jede Order kostet Rendite, die dir über die Jahre fehlt. Bei finanzen.net ZERO¹, dem Broker von finanzen.net, handelst du beim Kostensieger der Stiftung Warentest (12/2025). Starte hier mit wenigen Klicks!

Schlussgedanke: Ein starkes Börsenjahr macht aus einem Zwanzig-Werte-Index kein Basisinvestment. Wer den ATX beimischt, sollte wissen, dass er dafür Konzentrationsrisiko in Kauf nimmt.

Ratgeber-Newsletter


Hör auf zu raten.
Fang an zu wissen.


Beiträge und Empfehlungen zu Börse, Aktien und Krypto,
die normalerweise hinter geschlossener Tür bleiben.
100 % kostenlos, direkt in Dein Postfach.


„Die besten Informationen waren schon immer denjenigen vorbehalten,
die wussten, wo sie suchen müssen.“


Bereits 35.421 Abonnenten vertrauen unseren Inhalten.


✓ Danke! Bitte bestätige Deine E-Mail-Adresse.