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Marian Gold schweigt nicht. Und nach den Ereignissen der vergangenen Tage bekommt dieser Umstand eine besondere Bedeutung. Der Alphaville-Sänger hat kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einen ausführlichen Wahlaufruf veröffentlicht. Darin wendet er sich an Unentschlossene, warnt vor der AfD und konzentriert seine Kritik diesmal auf deren Verhältnis zu Russland.
„Dies ist ein Aufruf an alle unentschlossenen Wähler in Sachsen-Anhalt und Thüringen“, beginnt Gold sein Statement. Danach wird er erheblich schärfer. Die AfD bezeichnet er als „prorussische, Putin-freundliche Partei“, deren Mitglieder regelmäßig nach Moskau reisten.
Der Sänger argumentiert, dass zentrale außenpolitische Positionen der AfD mit russischen Interessen übereinstimmten. Er nennt dabei einen möglichen Austritt Deutschlands aus NATO und EU, das Ende des Euro sowie die Einstellung der Unterstützung für die Ukraine. Daraus zieht Gold eine Schlussfolgerung: Die AfD sei „einer der engsten Verbündeten Russlands und ein Feind Deutschlands“.
Marian Gold ruft zur Wahl einer demokratischen Partei auf
Gold richtet seinen Text nicht an die Anhänger einer bestimmten demokratischen Partei. Stattdessen formuliert er einen parteiübergreifenden Appell: „Egal, wem ihr eure Stimme gebt, wählt eine demokratische Partei.“
Andere Passagen gehen deutlich weiter. Gold wirft Russland vor, Deutschland destabilisieren und wirtschaftlich schwächen zu wollen. Auch Drohnenvorfälle und Brandanschläge führt er in seinem Statement auf Akteure im Umfeld Putins zurück. Diese Aussagen und insbesondere die Charakterisierung der AfD als „Feind Deutschlands“ sind Golds politische Bewertungen und Vorwürfe.

Gerade erst sollte Alphaville auf politische Aussagen verzichten
Alphaville waren ursprünglich für das Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring gebucht. Daraus wurde nichts. Vorausgegangen waren politische Wortmeldungen Golds bei früheren Konzerten, bei denen er sich gegen rechtsradikale Entwicklungen und für Demokratie ausgesprochen hatte. Nach Angaben des Bandmanagements führten gerade diese Aussagen zu Diskussionen mit den Veranstaltern.
Vor dem Festival sollten Alphaville auf politische Äußerungen verzichten. Als darüber keine Einigung erzielt wurde, strichen die Veranstalter den Auftritt. Ihre Begründung: Glücksgefühle solle keine Plattform für politische Statements sein – unabhängig davon, ob diese von rechts, links oder aus einer anderen politischen Richtung kämen.
Ausgerechnet Alphavilles Ausladung politisierte das Festival
Nach massiver Kritik korrigierte Festivalchef Markus Krampe seine Entscheidung. Er entschuldigte sich und lud Alphaville erneut ein. Die Band sagte trotzdem ab: Die vorausgegangenen Äußerungen hätten eine Atmosphäre geschaffen, in der sie nicht mehr auftreten wolle.
Dann geschah das Gegenteil dessen, was die ursprüngliche Vorgabe erreichen sollte. Zahlreiche Künstler machten Politik nun ausdrücklich zum Thema ihrer Auftritte.
Felix Jaehn begrüßte das Publikum sogar mit „Willkommen auf der politischen Veranstaltung“ und positionierte sich gegen Rechts. Die No Angels zeigten sich in „FCK AFD“-Shirts. Alphavilles „Forever Young“ wurde von mehreren Künstlern aufgegriffen und entwickelte sich dabei zum musikalischen Solidaritätszeichen.
Culcha Candela hatten bereits vor ihrem Auftritt angekündigt, ihre politischen Aussagen nach der Alphaville-Ausladung eher noch deutlicher vorzutragen. Falls nötig, wollten sie dafür sogar Megafone benutzen.
Alphaville machen nach dem Festival einfach weiter
Golds neuer Wahlaufruf bekommt dadurch eine zusätzliche Pointe. Wenige Tage nachdem die Frage diskutiert wurde, ob Alphaville ihre politischen Überzeugungen auf einer Festivalbühne aussprechen dürfen, nutzt der Sänger die eigene Reichweite für eine noch ausführlichere politische Intervention.