Erstens wünsche ich mir: Mehr Fokus aufs Wesentliche. Die Schule wird zugeschüttet von Ansprüchen. Mit jeder technologischen Neuerung und jedem gesellschaftlichen Trend kommen neue hinzu. Ich hingegen fände es schon großartig, wenn alle 15-Jährigen nach Ende der Schulpflicht die Grundfertigkeiten fürs Leben beherrschen: Lesen, Schreiben, Basics auf Englisch, Schluss- und Prozentrechnung, Basiswissen über Österreich und unsere Demokratie. Plus: zuhören können, Fragen stellen, Argumente formulieren, höflich sein. Wenn jeder junge Mensch in neun Jahren Schule ein Thema findet, das ihn brennend interessiert, ist schon viel erreicht.

Zweitens: Befreit uns aus dem Stundenkorsett! Wer kam auf die Idee, Lehrkräfte im 50-Minuten-Takt von einer Klasse in die nächste zu hetzen? Wer meint tatsächlich, dass Kinder am besten lernen, wenn man alle 50 Minuten abrupt das Thema wechselt? Die 50-Minuten-Stunde steht in keinem Gesetz. Dennoch hält sie sich eisern im Schulalltag – weil Stundenplansoftware, Lohnverrechnung und Gewohnheit kaum etwas anderes zulassen. Wer traut sich, das endlich aufzubrechen?

Drittens: Befreit die Kinder aus dem Klassenkorsett! Es ist eigentlich eine Zumutung: den ganzen Tag in einem Raum sitzen, unterbrochen von ein paar Sport- oder Freizeitstunden, mit stets denselben Kindern, oft jahrelang festgezurrt in der immer gleichen Gruppendynamik. Nur etwa die Hälfte der Kinder kommt gut damit zurecht. Die andere Hälfte leidet, jedes auf seine Art. Manchen ist es permanent zu laut, andere wissen nicht, wohin mit ihrem Bewegungsdrang. Die einen stören, andere klinken sich innerlich aus. Der einzige Fluchtweg ist der Gang aufs Klo. Ich bin fest überzeugt, dass das besser geht – mit selbst gewählten Lernorten, Rückzugsräumen, Time-out-Klassen.

Viertens: Hört endlich auf mit der AHS-Fixierung! In den Medien sind Gymnasium und AHS-Matura stets das Maß aller Dinge. Vermutlich liegt das an den persönlichen Biografien der Medienmenschen und den aktuellen Problemen ihrer Kinder. Dabei vergisst man: Die große Mehrheit der Menschen in Österreich geht andere Bildungswege. Sie besucht berufsbildende Schulen, hat eine Lehre gemacht, lernt on the Job, findet manchmal über Abendschule oder Berufsreifeprüfung Wege zu einem höheren Abschluss. Die AHS-Fixierung erzeugt Stress, macht viele Familien unglücklich, verstellt den Blick für sinnvolle Alternativen und verhindert manchmal sogar, dass Jugendliche jenen Beruf finden, der sie glücklich machen könnte.

»Bitte mehr Fokus aufs Wesentliche, Schluss mit der AHS-Fixierung und dem starren 50-Minuten-Unterricht!«

Parallel dazu wünsche ich mir, fünftens, ein Ende der voyeuristischen Gruselreportagen aus sogenannten Brennpunktschulen. Ja, es gibt Probleme, die man beschreiben und klar benennen soll. In öffentlichen städtischen Pflichtschulen sind manche – nicht alle! – Probleme etwas anders gelagert als in Gymnasien am Land. Aber wir sind kein Zoo. „Unsere“ Kinder sind einfach nur Kinder, in all ihrer Unterschiedlichkeit.

Sechstens wünsche ich mir eine Personalvertretung, die tatsächlich meine Interessen vertritt. Die sinnvolle Reformen unterstützt (auch wenn sie ein bisschen Mehrarbeit bringen), die Modernisierung der Schule mitgestaltet, den Leistungsträgern den Rücken stärkt. Leider tut die aktuelle Personalvertretung meistens das Gegenteil.

Weiters wünsche ich mir: einen Dienstvertrag. Sie dürfen mich gern fragen, wie viel ich als Lehrerin verdiene. Ich würde auch gern antworten. Bloß: Ich weiß es nicht. Denn zu Beginn meines zweiten Schuljahrs bin ich immer noch nicht eingestuft. Mein Arbeitgeber, die Wiener Bildungsdirektion, brütet seit 16 Monaten über meinen Unterlagen. Das sei völlig normal, versichern Kolleginnen. Das könne Jahre dauern. Ob sich der Umstieg in den Lehrerberuf also auszahlt – und ob er sich finanziell überhaupt ausginge, falls Sie eine große Familie zu ernähren haben –, kann ich Ihnen nicht sagen. Ich bekomme derweil das Mindestgehalt und hoffe, dass ich noch lebe, wenn die Nachzahlung kommt.

Abschließend wünsche ich mir noch: Repariert bitte endlich unsere Lüftung, die seit zwei Jahren kaputt ist. Der nächste heiße Sommer kommt bestimmt.

Zur Autorin: Sibylle Hamann war 25 Jahre lang Reporterin (u. a. für „Kurier“, „Profil“, „Falter“), Kolumnistin für die „Presse“, Buchautorin. Von 2019 bis 2024 war sie Nationalratsabgeordnete und Bildungssprecherin der Grünen. Heute ist sie Lehrerin an einer Wiener Mittelschule.

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