Maximilian Berger stuft Renk hoch und verweist auf Wachstum durch Standortausbau sowie das bislang unterschätzte Wartungsgeschäft.
Während der Kurs der Renk Group seit Wochen unter Druck steht, meldet sich ein Analyst mit einer optimistischen Einschätzung zu Wort. Maximilian Berger hat die Aktie des Panzergetriebe-Herstellers hochgestuft und verweist auf ein aus seiner Sicht unterschätztes Potenzial im Wartungs- und Instandhaltungsgeschäft.
Der Rüstungszulieferer hat am Werk Rheine drei neue Bearbeitungszentren eröffnet und dort seit 2025 die Produktionskapazität um mehr als 30 Prozent pro Jahr gesteigert. In den Standort fließen bis 2030 mehr als 20 Millionen Euro. Berger sieht darin einen Beleg dafür, dass Renk seine industrielle Basis breiter aufstellt, als es der reine Blick auf die Getriebefertigung für den Schützenpanzer Puma nahelegt.
MRO-Geschäft als zweiter Wachstumshebel
Neben der reinen Produktionskapazität rückt für Berger das sogenannte MRO-Geschäft in den Fokus – also Wartung, Reparatur und Überholung von Rüstungsgütern. Dieses Segment gilt als margenträchtig und wiederkehrend, weil es unabhängig von neuen Großaufträgen Umsatz generiert.
Gerade in Zeiten, in denen viele europäische Streitkräfte ihre bestehende Ausrüstung länger im Einsatz halten müssen, wachse laut Berger der Bedarf an solchen Dienstleistungen strukturell.
Der Kapazitätsausbau am Standort Augsburg, wo Renk die Getriebeproduktion bis 2030 auf über 2.000 Einheiten pro Jahr verdreifachen will, ist bereits bekannt und bildet den industriellen Unterbau dieser These. Kombiniert mit dem MRO-Argument ergibt sich für Berger ein Bild, das über den reinen Neubau von Panzergetrieben hinausreicht.
Kurs unter Druck, Bewertung am Wendepunkt
Die fundamentale Zuversicht steht in einem gewissen Kontrast zur jüngsten Kursentwicklung. Am Freitag schloss die Aktie bei 43,50 Euro, nur noch 7,7 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von Ende Juni. Der Relative-Stärke-Index von 31,8 signalisiert eine überverkaufte Situation, was Bergers Einstufung zusätzliches Gewicht verleiht: Wer an das MRO- und Ausbau-Argument glaubt, findet die Aktie derzeit in einer technisch angeschlagenen Verfassung vor.
Mit einer Marktkapitalisierung von 4,32 Milliarden Euro bewertet der Markt Renk trotz der jüngsten Rücksetzer weiterhin deutlich höher als noch vor der Rüstungsrally der vergangenen Jahre.
Die Frage für Anleger lautet nun, ob die operativen Fortschritte in Rheine und Augsburg sowie das MRO-Potenzial ausreichen, um die charttechnische Schwäche zu überwinden. Bergers Hochstufung liefert dafür ein erstes Argument, die endgültige Bestätigung müsste jedoch aus den kommenden Geschäftszahlen kommen.
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