BayWa AG veräußert ihre Ladeinfrastruktur an EVN, stärkt die Konzernführung und setzt auf eine Sanierung bis 2030 mit drei Kernbereichen.

Der Münchner Traditionskonzern BayWa AG treibt seine strategische Neuausrichtung voran und trennt sich im Zuge der Entschuldung von Randaktivitäten. Während das Unternehmen sein Kerngeschäft neu ordnet und personelle Weichen stellt, sorgt die Insolvenz einer namensgleichen, aber rechtlich unabhängigen Baumarktkette für Bewegung im deutschen Handelsmarkt. Die Aktie der BayWa AG reagierte zuletzt volatil auf die Nachrichtenlage; am vergangenen Freitag schloss das Papier bei 9,50 €.

Verkauf der Ladeinfrastruktur an die österreichische EVN

Ein wesentlicher Schritt der aktuellen Desinvestitionsstrategie ist die Veräußerung der BayWa Mobility Charging GmbH. Wie Medienberichten zufolge am vergangenen Mittwoch bekannt wurde, übernimmt der österreichische Energieversorger EVN die Tochtergesellschaft der BayWa Mobility Solutions. Für die EVN bedeutet dieser Zukauf den Markteintritt in den deutschen Sektor für Schnellladestationen (High-Power-Charging).

Der Umfang der Transaktion umfasst aktuell 30 Standorte mit insgesamt 170 Ladepunkten. Die Planungen sehen jedoch ein deutliches Wachstum vor: Bis zum Jahr 2027 soll das Netzwerk auf 54 Standorte mit 306 Ladepunkten ausgebaut werden. Für die BayWa AG ist dieser Verkauf Teil der Bemühungen, Kapital freizusetzen und sich auf die definierten Kernfelder zu konzentrieren.

Neue Leitung im Segment Technik und langfristige Sanierung

Parallel zum Spartenverkauf vollzieht der Konzern einen Wechsel in der Führungsebene. Wie die BayWa AG mitteilte, hat Benedikt Mangold am vergangenen Dienstag die Leitung des Segments Technik übernommen. Diese Personalie fällt in eine entscheidende Phase für das Unternehmen, da bereits am 30. Juni eine grundsätzliche Verständigung auf das Sanierungskonzept mit wichtigen Geldgebern und Großaktionären erzielt wurde.

Dieses Konzept sieht vor, den Konzern bis Ende 2030 grundlegend zu stabilisieren. Im Zentrum stehen dabei die drei Kernbereiche Agrar, Technik und Baustoffe. Ein Kernelement der finanziellen Restrukturierung ist die Umwandlung von Schulden in Höhe von bis zu 700 Millionen Euro. Trotz dieser strategischen Fortschritte bleibt der Druck auf den Aktienkurs hoch: Seit Jahresanfang (YTD) verzeichnet der Wert ein Minus von -43%.

Abgrenzung zur Insolvenz der BayWa Bau- & Gartenmärkte

Für Aufmerksamkeit sorgten zudem Meldungen über den Verkauf zahlreicher Filialen der BayWa Bau- & Gartenmärkte GmbH & Co. KG. Hierbei ist für Anleger eine strikte Unterscheidung essenziell: Die Baumarktkette ist keine Tochtergesellschaft der börsennotierten BayWa AG.

Das Baumarktgeschäft wurde bereits vor über einem Jahrzehnt an die Eigentümer der Hellweg-Gruppe veräußert und nutzt den Namen BayWa lediglich auf Lizenzbasis. Die aktuelle Insolvenz und die daraus resultierenden Filialschließungen betreffen somit nicht die Bilanz der BayWa AG.

Im Bieterverfahren um diese Standorte erhielten namhafte Wettbewerber den Zuschlag. OBI übernimmt laut Unternehmensangaben mindestens fünf Standorte, darunter Märkte in Berlin, Nördlingen und Wolfratshausen.

Auch BAUHAUS bestätigte am vergangenen Dienstag die geplante Übernahme von bis zu sieben Filialen, wie etwa in Backnang, zum 1. Dezember. Medienberichten zufolge stehen für etwa 35 der insgesamt mehr als 110 betroffenen Märkte Käufer in Aussicht, während nicht übernommene Standorte voraussichtlich bis Ende November schließen werden.

An der Börse wird die Entwicklung der BayWa AG weiterhin eng verfolgt. Mit der Tagesveränderung (Freitag) von 7,5% zeigte sich zuletzt eine kurzfristige Erholung, wenngleich das Unternehmen vor einer langjährigen Umsetzungsphase seines Sanierungsplans steht.

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