Ein alter Traktor, ein kleiner Wohnwagen und mehrere hundert Kilometer bis ans Meer. Hugo Kanz machte sich kürzlich mit seinem Oldtimer wieder gemütlich auf den Weg nach Kroatien: „Wir fahren ca. 27 km/h im Schnitt. Du musst neun Stunden im Sattel sitzen, die Pausen nicht mitgerechnet.“ Am Anreisetag waren es gleich einmal neun Stunden auf dem Traktor: „Also ich muss sagen, ich habe schon gedacht, dass mein Kreuz vielleicht ein bisschen mehr leiden wird, aber das war gar nicht das Problem. Der Sitz ist gut gefedert.“

Langsam über Landstraßen

Das langsame Fahren macht für Kanz den Reiz aus. Er versucht, die großen Straßen möglichst zu vermeiden und fährt lieber über kleine Landstraßen: „Du siehst die Landschaft. Ich versuche, den großen Verkehrsstraßen auszuweichen. Überall darf ich ohnehin nicht fahren. Am liebsten irgendeine Landstraße, wo ich dann so ziemlich allein unterwegs bin.“

Auffällig ist der Oldtimer natürlich. Immer wieder bleiben Leute stehen, machen Fotos oder kommen einfach auf ihn zu: „Wir sind auch aufgehalten worden von zwei jungen Männern, die haben uns eingeladen auf einen Kaffee, die wollten alles wissen über unsere Fahrt. Sie haben uns ausgequetscht, wo wir herkommen und wie alt der Traktor ist.“ Es geht Kanz darum, nicht möglichst schnell ans Ziel zu kommen, sondern unterwegs sein, schauen, was passiert und zwischendurch ein bisschen für Staunen sorgen.

Oldtimer des Vaters

Der Traktor begleitet Hugo Kanz schon viele Jahre, seine Geschichte ist viel älter als seine Reisen: „Das ist ein Fordson Super Dexta. Er ist ein bekannter Oldtimer. Das ist für mich eine Erinnerung an meinen Vater, der mit ihm viele Jahre gefahren ist.“ Der Traktor wurde komplett restauriert, technisch ist er wieder topfit. Ganz modern ist er aber natürlich nicht. „Ich habe auch zum Beispiel keine Tankuhr, das ist mir auch zum Verhängnis geworden. Kurz vor Medulin, mitten in der Hauptverkehrszeit, bei einem Kreisverkehr, ist er mit einem Dieselmangel stehen geblieben und dann musste ich mitten auf der Straße den Traktor entlüften. Die alten Traktoren machen das nicht automatisch.“

Rücksicht auf Verkehr

Mitten im Verkehr war dann plötzlich Schluss und bei einem Traktor aus den 60er Jahren läuft das mit den Tanken und Entlüften noch ein bisschen anders als beim Auto. „Da habe ich gesagt, okay, ich muss mindestens alle zwei Stunden den Tankdeckel aufschrauben und reinschauen, wie viel noch drin ist.“ Auch wenn der Traktor langsam ist, versucht Kanz, den Verkehr möglichst wenig aufzuhalten. „Ich habe aber technisch ihn so ausgerüstet, dass ich den Stau hinter mir wirklich so weit wie möglich in Grenzen halten kann, weil ich eine Kamera drauf habe und einen Monitor, dass ich sehe, was hinter mir los ist. Dann weiche ich auf den Radweg aus, sodass der Verkehr fließen kann.“

Fotostrecke mit 9 Bildern

Pläne für Fahrt nach Polen

Die nächste größere Tour könnte schon wieder ein gutes Stück weitergehen. „Es könnte sein, dass wir nächstes Jahr oder übernächstes Jahr nach Polen fahren, weil erstens ist Rzeszów die Partnerstadt von Klagenfurt und die Freundin von meinem Sohn ist aus Rzeszów und ihren Eltern habe ich versprochen, dass ich einmal mit dem Traktor auf Besuch komme.“ Das wären mehr als 1.000 Kilometer.

„Mir geht es eher um die Fahrt. Das geht gar nicht so um das Ziel, wo ich hinfahre, sondern einfach dieses Dahinfahren auf dem offenen Traktor mit 25 bis 30 km/h.“ Vielleicht ist genau das das Schöne an solchen Reisen. Mit 25 Kilometern pro Stunde dauert alles ein bisschen länger. Dafür bleibt unterwegs auch genug Zeit zum Schauen, Reden und Staunen.