
DDZ-Forscherin Dr. Melanie Mittenbühler / Quelle: DDZ
07.09.2026 14:21
Dr. Melanie Mittenbühler vom Deutschen Diabetes-Zentrum erhält 1,7 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat. Im Projekt MYOSCAN untersucht sie fünf Jahre lang, welche Myokine die Skelettmuskulatur bei Bewegung und Muskelabbau freisetzt.
Dr. Melanie Mittenbühler, Leiterin der Nachwuchsforschungsgruppe Crosstalk am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ), erhält einen ERC Starting Grant des Europäischen Forschungsrats in Höhe von 1,7 Millionen Euro. In dem auf fünf Jahre angelegten Projekt MYOSCAN untersucht sie, wie die Skelettmuskulatur über körpereigene Botenstoffe den Stoffwechsel und die Entstehung von Krebs beeinflusst. Nach Angaben des DDZ hatten sich 4.807 Forschende für diese Förderperiode beworben; gefördert wird etwa jeder 11. Antragstellende.
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass regelmäßige Bewegung die Muskulatur schützt und das Krebsrisiko senken kann. Mit steigendem Alter nehmen zugleich die Risiken für Typ-2-Diabetes, Krebs und Sarkopenie zu, den altersbedingten Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft. Sarkopenie kann laut DDZ zu Gebrechlichkeit, Verlust der Selbstständigkeit und erhöhter Sterblichkeit führen; die molekularen Mechanismen sind bislang nur unzureichend verstanden.
Myokine als Kommunikationsweg der Muskulatur
Die Skelettmuskulatur kommuniziert über sogenannte Myokine mit anderen Organen. Bewegung verändert die Freisetzung dieser Botenstoffe, mit zunehmendem Muskelabbau verschiebt sich diese Kommunikation. Vermutet wird, dass geschwächte Muskulatur vermehrt Botenstoffe freisetzt, die chronische Entzündungen und damit möglicherweise auch die Krebsentstehung begünstigen.
„Wir untersuchen erstmals systematisch, welche Myokine die Skelettmuskulatur abhängig von Bewegung und altersbedingtem Muskelverlust freisetzt“, erklärt Mittenbühler. Das Team analysiert dafür die extrazellulären Flüssigkeiten der Skelettmuskulatur, um Proteine trainierter und altersbedingt geschwächter Muskulatur zu vergleichen. Ziel ist die Identifikation neuer Myokine, die Krebswachstum fördern oder ihm entgegenwirken. Mit der Förderung kann die Arbeitsgruppe um drei Mitarbeitende erweitert werden.
Bezug zur Diabetesforschung
Prof. Michael Roden, Wissenschaftlicher Geschäftsführer und Sprecher des Vorstands des DDZ sowie Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, ordnet das Vorhaben ein: „Die Skelettmuskulatur spielt eine Schlüsselrolle im Glukosestoffwechsel. Erkenntnisse darüber, wie Muskelzellen mit anderen Organen kommunizieren, können neue Ansatzpunkte für die Prävention und Behandlung von Diabetes sowie weiterer altersbedingter Erkrankungen liefern. Der ERC Starting Grant unterstreicht die wissenschaftliche Relevanz der Forschung von Dr. Melanie Mittenbühler.“
Einen Anwendungsbezug sieht das DDZ auch bei GLP-1-Präparaten: Diese verbesserten zwar den Blutglukosestoffwechsel, führten aber häufig zu Muskelabbau, der sich bei älteren Menschen nur schwer rückgängig machen lasse. Ob dieser Effekt in Kombination mit Sarkopenie das Krebsrisiko zusätzlich erhöht, ist bislang unbekannt. Bekannt ist umgekehrt, dass Krebs zu Muskelschwund (Kachexie) führen kann.
Über das Deutsche Diabetes-Zentrum
Das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf forscht zu Diabetes und assoziierten Erkrankungen. Der ERC Starting Grant des Europäischen Forschungsrats richtet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler nach der Promotion und fördert Grundlagenforschung mit hohem Erkenntnispotenzial.