Trumps Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner brachten sich mit Besuchen in Moskau und Kiew wieder ins Spiel.

US-Präsident Donald Trump schien das Interesse an einer Friedenslösung im Krieg Russlands gegen die Ukraine verloren zu haben. Der eigene Krieg der USA gegen den Iran mit all seinen Verwerfungen ließ offenbar keinen Platz für Nebenschauplätze. Doch auch wenn der Konflikt in Nahost die militärischen Fähigkeiten der USA zunehmend an ihre Grenzen bringt und die Weltwirtschaft ins Trudeln geraten ist, will Trump nun wieder eine Friedensinitiative für die Ukraine in Gang bringen.

Wolodymyr Selenskyj (r.) führte Jared Kushner (l.) und Steve Witkoff durch die Sophienkathedrale in Kiew.

© AFP/Ukrainian Presidential Press Service

Trumps Unterhändler Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner waren am Sonntag zum ersten Mal seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit nach Kiew gereist. Dort wurden sie vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfangen. Zuvor hatten die beiden Geschäftsleute Kreml-Chef Wladimir Putin in der russischen Hauptstadt Moskau getroffen. In Moskau waren Witkoff und Kushner – im Gegensatz zu Kiew – schon öfter zu Gast.

Direkte Verhandlungen als Ziel

Nach den Gesprächen Witkoffs und Kushners in Moskau und Kiew blieb vorerst freilich gänzlich offen, welche Vorschläge für eine Friedenslösung sie den Kriegsparteien vorgelegt haben. Offen war auch, ob es zur Wiederaufnahme direkter Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland unter US-Vermittlung kommen wird.

Zuletzt waren die USA im Februar bei direkten Unterredungen zwischen Russland und der Ukraine in der Schweiz als Vermittler am Tisch gesessen. Für Europa blieb da nur der Platz am Katzentisch. In den vergangenen Monaten lagen die Gespräche auf Eis – auch weil die USA durch den Iran-Krieg abgelenkt waren. Europa suchte wieder eine aktivere Rolle. Doch mit Moskau herrscht Funkstille.

US-Präsident Donald Trump hatte vor der Reise seiner Unterhändler gesagt, Witkoff und sein Schwiegersohn Kushner würden einen neuen Vorschlag mitbringen, um den Krieg zu beenden. Doch vieles bleibt im Dunklen. Kushner betonte freilich immer wieder, wie viel Trump – der sich einst damit gebrüstet hatte, den Krieg binnen 24 Stunden beenden zu können – daran liege, eine Lösung zu finden.

Treffen mit Europäern „in Kürze“?

An den Verhandlungen in Kiew hatten zeitweise auch die Sicherheitsberater der Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien teilgenommen. „Wir haben vereinbart, dass sich die Ukraine, Europa und Amerika in Kürze treffen werden“, sagte Selenskyj im Anschluss. Einen konkreten Termin nannte er nicht.

Selenskyj bekräftigte die Ansicht, dass zur Lösung der wichtigsten Fragen im Ukraine-Konflikt, wie etwa der Aufteilung umkämpfter Gebiete, ein Treffen auf höchster Ebene nötig sei.

Der ukrainische Präsident bezeichnete die Gespräche mit Witkoff und Kushner als „äußerst inhaltsvoll“. Allerdings machte er deutlich, dass unter dem Strich wenig Zählbares herausgekommen sei. Und er warnte: „Sollte sich der Krieg bis zum Winter ziehen, und danach sieht es aktuell aus, benötigen wir ein Winterpaket“, wurde er von den ukrainischen Medien zitiert.

Lücken in der Flugabwehr

In Kiew wird angesichts fehlender Munition für die Flugabwehr befürchtet, dass ungehinderte ballistische Raketenangriffe der Russen die kritische Infrastruktur des Landes schwer schädigen könnten. Moskau zielt immer wieder auf die Energieversorgung der Ukraine. Damit könnte die kalte Jahreszeit – mit drohenden Strom- und Heizungsausfällen – für die nach gut viereinhalb Jahren Krieg ohnehin zermürbte Zivilbevölkerung noch härter werden.

Kreml-Chef Putin hatte für die Dauer des Besuchs der US-Unterhändler in Kiew eine dreitägige Pause bei den Angriffen verkündet. Die Ukraine verzichtete dafür darauf, die russische Hauptstadt Moskau zu attackieren. Dazu sagte Selenskyj im Scherz: Die Anwesenheit Witkoffs und Kushners habe „besser funktioniert als die Patriot-Flugabwehrsysteme“ aus amerikanischer Produktion. Die beiden sollten öfter nach Kiew kommen, damit die Bewohner der Stadt ohne die ständigen russischen Angriffe ein wenig Luft holen könnten.

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