Im indischen Bundesstaat Westbengalen ist es zu zwei mutmaßlichen Angriffen auf christliche Gemeinden gekommen. Ein protestantischer Pastor soll während eines Gebetsgottesdienstes verschleppt und misshandelt worden sein. Bei einem weiteren Vorfall wurde eine presbyterianische Hauskirche verwüstet. Kirchenvertreter fordern eine schnelle und unparteiische Untersuchung.
Angesichts einer zunehmenden Christenverfolgung in mehreren Teilen Indiens rufen die katholische Bischöfe Regierungen in vier Bundesstaaten dazu auf, eine inklusive Politik …
Bei zwei getrennten Vorfällen sind Christen im indischen Bundesstaat Westbengalen offenbar Ziel gewaltsamer Übergriffe geworden. Nach Angaben lokaler Quellen drang am 6. September eine Gruppe von rund 25 Menschen in ein christliches Haus im Bezirk West Medinipur ein. Dort leitete Pastor Sukhendu Singh einen Gebetsgottesdienst für Christen aus acht Familien umliegender Dörfer. „Sie bedrohten Pastor Singh und nahmen ihn gewaltsam mit“, berichtete ein Augenzeuge Purna gegenüber Ucanews.
Nach Angaben von Victor Behera, Koordinator des ökumenischen Bengal Christian Council, wurde Singh anschließend in ein örtliches Büro der regierenden Bharatiya Janata Party (BJP) gebracht und dort misshandelt und gefoltert. Am Abend kam der Pastor wieder frei. Zuvor sei er gezwungen worden, schriftlich zu versprechen, die Dörfer künftig nicht mehr für Gebetsgottesdienste zu besuchen. Behera zufolge musste Singh zudem erklären, Christen in der Region dazu auffordern zu wollen, zum Hinduismus zurückzukehren. Diese Erklärung sei auf Video aufgezeichnet worden. Ein Anwalt unterstütze die Betroffenen nun dabei, Beschwerde bei der Polizei einzureichen.
Hauskirche verwüstet
Am selben Morgen ereignete sich nach Angaben von Ucanews ein weiterer Vorfall im Bezirk East Medinipur. Eine Gruppe von etwa 125 Menschen soll dort eine presbyterianische Hauskirche im Dorf Rangilabasan gestürmt und verwüstet haben. Die meisten Gläubigen hatten das Gebäude nach dem morgendlichen Gottesdienst bereits verlassen. Die Angreifer beschädigten nach Angaben einer Augenzeugin das als provisorische Kirche genutzte Haus und zerbrachen ein Kreuz in mehrere Teile. Auch ein Christ, in dessen Haus der Gottesdienst stattgefunden hatte, soll angegriffen worden sein. Herod Mullick, Gründungssekretär des Bengal Christian Council, zeigte sich angesichts der Vorfälle besorgt. Trotz wiederholter Zusicherungen der Behörden seien die anhaltenden Störungen und Angriffe während sonntäglicher Gebetsgottesdienste „zutiefst alarmierend“.
Erzdiözese fordert Untersuchung
Auch die katholische Kirche verurteilt die Vorfälle. Pater Dominic Gomes, Kanzler des Erzbistums Kalkutta, bezeichnete „Gewalttaten, Einschüchterungen und die Schändung von Gotteshäusern“ als inakzeptabel. Gomes forderte Polizei und Bezirksverwaltung zu einer schnellen und unparteiischen Untersuchung auf. Die Verantwortlichen müssten unabhängig von ihrer Identität oder Zugehörigkeit zur Rechenschaft gezogen werden. Zugleich müsse die Sicherheit der Betroffenen und der christlichen Gemeinschaften gewährleistet werden.
(uca – vo)