25 Jahre ist es her, dass der erste Teil der „Herr der Ringe“-Trilogie, „Die Gefährten“, auf den Kinoleinwänden zu sehen war. Es ist eine der beliebtesten Filmreihen überhaupt. Das Buch hinter diesem Erfolg veröffentlichte der britische Schriftsteller J.R.R. Tolkien 1954 im englischen Original: „The Fellowship of the Ring“.

Eine wichtige Inspiration für Tolkien stammt aus dem Allgäu

Noch früher – ungefähr zwischen 1930 und 1936 – schrieb er „Der Hobbit“, das ihn weltberühmt machte. Bereits in diesem Prequel zu „Der Herr der Ringe“ taucht eine der wichtigsten und beliebtesten Figuren auf. Überraschenderweise stammt eine der Inspirationen zu dieser Figur aus dem Allgäu.

Der britische Schriftsteller J.R.R. Tolkien beim Rauchen einer Pfeife - wie so viele seiner Hobbits.

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Der britische Schriftsteller J.R.R. Tolkien beim Rauchen einer Pfeife – wie so viele seiner Hobbits.
Foto: Klett-Cotta Verlag, dpa (Archiv)

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Der britische Schriftsteller J.R.R. Tolkien beim Rauchen einer Pfeife – wie so viele seiner Hobbits.
Foto: Klett-Cotta Verlag, dpa (Archiv)

Was ein Bild von Joseph Madlener mit „Herr der Ringe“ zu tun hat

Es ist „ein alter Mann mit einem Stab. Er trug einen spitzen blauen Hut, einen langen grauen Mantel, ein silber-weißes Halstuch, über dem ein weißer Bart bis zum Gürtel herabhing und große schwarze Stiefel.“ Nach dieser Beschreibung Tolkiens im „Hobbit“ müssen Herr der Ringe Fans nicht mehr lange nachdenken. Es handelt sich um den berühmten Zauberer Gandalf den Grauen.

Und was hat das jetzt mit dem Allgäu zu tun? Irgendwann vor der Entstehung des „Hobbits“ – wann genau ist nicht bekannt – fiel Tolkien ein Bild aus keiner geringeren Stadt als Memmingen in die Hände. Besser gesagt eine Postkarte, die die Reproduktion eines der Bilder des Memminger Malers Josef Madlener (1881-1967) zeigte. Madlener wurde 1881 in Amendingen geboren, sein Haus ist dort noch heute zu sehen, die Straße wurde nach ihm benannt.

Das ist das Madlenerhaus in Memmingen

Madlenerhaus in Amendingen, ehemaliges Wohnhaus des Künstlers Josef Madlener, Debatte über Nutzung des leerstehenden Gebäudes, Idee Nutzung im Rahmen eines Künstlerstipendiums, hier: Wohnraum mit Blick ins Treppenhaus, Details: gestaltete Glasfenster und von Madlener bearbeitete Türen, die durch die Farbquadrate in den Eckene eine ähnliche Handschrift aufweisen wie viele der Rahmen, die er für seine Kunstwerke fertigte

Josef Madleners „Berggeist“ als „Der Ursprung Gandalfs“

Tolkien hat Madleners Bild mit dem Titel „Der Berggeist“ laut dem Biografen Humphrey Carpenter lange Zeit in einem Umschlag aufbewahrt. Carpenter zufolge soll er darauf geschrieben haben: „The Origin of Gandalf“, deutsch: „Der Ursprung Gandalfs“.

Madleners Bild zeigt einen alten Mann in einem roten Umhang und mit einem grünen Hut, der im Wald auf einem Felsen sitzt. Er streckt die Hand einem weißen Rehkitz entgegen, das wohl daran schnuppert. Ein Bach schlängelt sich durch das Bild. Er entspringt einer sonnenbeschienenen Bergkette, die im Hintergrund zu sehen ist. Die Kulisse erinnert unweigerlich an Mittelerde – und der Mann auf dem Bild an einen Zauberer.

Die Madlener-Zeichnung "Der Berggeist" diente Tolkien als ein Vorlage für seinen Zauberer Gandalf.

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Die Madlener-Zeichnung „Der Berggeist“ diente Tolkien als ein Vorlage für seinen Zauberer Gandalf.
Foto: Stadtmuseum Memmingen (Repro, Archiv)

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Die Madlener-Zeichnung „Der Berggeist“ diente Tolkien als ein Vorlage für seinen Zauberer Gandalf.
Foto: Stadtmuseum Memmingen (Repro, Archiv)

Kein großer Künstler – aber eine Inspiration für J.R.R. Tolkien

Carpenter, der sich wohl an einigen Notizen Tolkiens orientierte, behauptete, der Schriftsteller habe 1911 während einer Reise durch die Schweiz mehrere Postkarten gekauft, darunter auch ein Bild eines deutschen Künstlers, „J. Madelener“.

Autor und Tolkien-Forscher Manfred Zimmermann fand 1983 heraus, dass „J. Madelener“ in Wirklichkeit Josef Madlener aus Memmingen war. Keine künstlerische Größe, schreibt Zimmermann. Doch immerhin finde sich sein Name in manchen Kunstbüchern und seine Bilder in Galerien in Süddeutschland und Leipzig.

Wann kam Tolkien tatsächlich in den Besitz der Postkarte?

Doch Zimmermann fand auch heraus, dass Carpenters Forschungen Unstimmigkeiten aufwiesen. Er machte Madleners Tochter, Julie Madlener (geboren 1910), ausfindig. Sie erzählte ihm, dass sie ihren Vater erst um das Jahr 1925 beim Malen des Berggeistes beobachtet hatte. Wenn ihre Angaben stimmen, kann Tolkien das Bild also im Jahr 1911 gar nicht gekauft haben – ganz einfach deswegen, weil Madlener es noch gar nicht gemalt hatte.

Außerdem soll Julie Madlener erzählt haben, dass der Berggeist gemeinsam mit drei oder vier anderen mythologischen Bildern erst in den späten 1920er Jahren von einem Münchner Verlag namens Ackermann reproduziert wurde. Auch demzufolge konnte die Postkarte, die im Besitz Tolkiens war, 1911 noch nicht auf dem Markt gewesen sein.

Bild aus Memmingen Teil einer großen Geschichte

Hat Tolkien einen Fehler in seinen Notizen gemacht? Oder Carpenter in seiner Tolkien-Biografie? Nachzuvollziehen ist das heute leider nicht mehr. Zimmermann geht davon aus, dass Tolkien die Reproduktion von Madleners Bild gar nicht selbst kaufte, sondern sie geschenkt bekam – vielleicht von jemandem, der zu dieser Zeit durch Europa reiste.

Sollte diese Vermutung der Wahrheit entsprechen, müsste Tolkien das Bild des Berggeistes ungefähr zu der Zeit zum ersten Mal gesehen haben, als er seinen Kindern die Geschichte erzählte, die später als „Der kleine Hobbit“ in die Geschichte eingehen sollte.

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