Für Millionen Beschäftigte auf dem Kontinent gehört der tägliche Weg ins Büro zum festen Ritual. Doch wie viel Zeit investieren Europas Arbeitnehmer tatsächlich in den Arbeitsweg?

Nach neuen Daten des Talent-Management-Unternehmens SD Worx dauert der tägliche Arbeitsweg in Europa im Schnitt 48 Minuten. Dieser Durchschnitt verschleiert jedoch, wie unterschiedlich Länder mit Entfernungen, Verkehr und den Erwartungen der Beschäftigten umgehen.

Der europäische Mittelwert liegt also bei knapp einer dreiviertel Stunde. Dahinter verbergen sich jedoch sehr unterschiedliche Realitäten auf den Straßen und Schienen der einzelnen Staaten.

Länder wie Italien und Slowenien halten die tägliche Pendelzeit vergleichsweise kurz, im Mittel bei rund 35 Minuten.

Am anderen Ende der Skala liegen Staaten, die fast die Marke von 60 Minuten erreichen. In Schweden und Irland liegt der Durchschnitt bei 57 beziehungsweise 56 Minuten.

Spitzenreiter ist Belgien: Dort überschreitet die Pendelzeit offiziell die Stundenmarke und liegt bei 61 Minuten am Tag. Ein Grund: 13 % der Beschäftigten gelten laut SD Worx als „Superpendler“ und sitzen täglich zwei Stunden oder länger im Auto oder Zug – der höchste Anteil in Europa. 14 % legen pro Tag mehr als 120 Kilometer zurück.

Distanz gegen Stau: Niederlande und Rumänien

Die Zahlen zeigen auch spannende Unterschiede bei den Gründen für lange Arbeitswege. So kommen Niederlande und Rumänien beide auf durchschnittlich 53 Minuten pro Weg zur Arbeit, doch die zugrunde liegenden Faktoren könnten kaum unterschiedlicher sein:

Beschäftigte in den Niederlanden legen im Schnitt 63 Kilometer zurück und profitieren von einer leistungsfähigen Infrastruktur für lange Distanzen.

In Rumänien schaffen Beschäftigte in denselben 53 Minuten deutlich kürzere Strecken, weil dichter Verkehr und staugeplagte Städte viel Zeit kosten.

Das Pendelparadox

Am erstaunlichsten ist, wie Beschäftigte ihre Pendelzeit psychologisch einordnen.

Selbst in Belgien liegt der durchschnittliche Arbeitsweg über der Grenze von 57 Minuten, die viele noch als „akzeptabel“ empfinden. Dennoch betrachten nur 34 % der Beschäftigten diese Zeit als verloren.

Obwohl sie zu den Beschäftigten mit den längsten Pendelzeiten in Europa gehören, wünschen sich in Belgien nur 32 % mehr Homeoffice. Damit liegt das Land knapp unter dem internationalen Durchschnitt.

In ganz Europa bleibt der tägliche Arbeitsweg ein Mosaik aus Infrastrukturproblemen und festen Alltagsroutinen. Die Studie zeigt: Die Zeit auf dem Weg zur Arbeit lässt sich nicht nur in Kilometern auf der Karte messen.