Liam und Noel Gallagher sind wieder vereint. Die neue Doku «Oasis: Don’t Look Back in Anger» begleitet die erste Tour der Britpop-Ikonen seit 16 Jahren – und hat eine überraschende Botschaft zu bieten.
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Luca Bruno
Musik-, Film- & Serienredaktor
Liam und Noel Gallagher sind seit über 30 Jahren für zwei Dinge bekannt: für einige der grössten Rockhits aller Zeiten und dafür, dass meistens etwas Schlagzeilenwürdiges herauskommt, wenn man ihnen ein Mikrofon vor die Nase hält.
Dass aus dem neuen Dokumentarfilm «Oasis: Don’t Look Back in Anger», der Vorbereitung und Verlauf der ersten Oasis-Tour seit 16 Jahren dokumentiert, ein paar nicht ganz ernst gemeinte, neue Lebensweisheiten herausschauen (O-Ton: «If you’re gonna be a cunt, be a funny cunt») überrascht deshalb nicht.
Dass Noel Gallagher aber in einem Interview im Film unaufgefordert klarstellen möchte, Oasis seien kein «Right-Wing»-Ding, kommt doch eher unerwartet. Nicht, weil man dem Aushängeschild der «Cool Britannia»-Ära besondere politische Positionierungen nachsagen könnte.
Sondern weil Oasis und Songs wie «Wonderwall» oder «Don’t Look Back in Anger» längst zu einer Art allgemeinem Liedgut geworden sind, von dem man meinen könnte, es kenne keine politischen Allianzen.
Legende:
Weil’s so schön war: Ein lachender (!) Liam mit seinem Bruder, festgehalten Backstage im Londoner Wembley-Stadion.
The Walt Disney Company Switzerland
Umso bemerkenswerter, dass Noel nach einer Tour, die von der Presse als grösste Reunion aller Zeiten bezeichnet wurde, diese filmische Ehrenrunde offensichtlich nutzt, um ein für alle Mal festzuhalten: «Alle sind willkommen hier.»
Für die Fans. Leider.
Und dass bei diesen 41 Konzerten tatsächlich alle willkommen waren, unterstreicht der Film über seine rund zwei Stunden mehrfach. Unter der Feder von «Peaky Blinders»-Autor Steven Knight begleitet der Dokumentarfilm die Tour chronologisch und stellt an jedem Halt – egal ob Manchester, Tokio oder Südamerika – einzelne Fans ins Zentrum.
Legende:
Endlich wieder ein Herz und eine Seele: Noel und Liam Gallagher an der Grossbritannien-Premiere ihrer Tourdoku.
Keystone/Alberto Pezzali
Neben den vielen atmosphärischen Konzertbildern, die die Band und die Gesichter des Publikums eindrücklich in den Fokus rücken, wirken diese Mini-Porträts wie Rock-Doku-Durchschnittsware. Immer wieder geht es um ähnliche Geschichten darüber, wie Oasis Menschen durch schwierige Lebensphasen geholfen oder ihnen das Gefühl gegeben haben, irgendwo dazuzugehören.
Oasis für immer?
Seine eigentliche Kraft entfaltet der Film dann, wenn er sich auf den Hauptakt konzentriert: die Gallagher-Brüder. Einzelheiten darüber, wie es zur Versöhnung zwischen Liam und Noel gekommen ist, bleiben zwar unklar, doch die Spannung, die in der Luft liegt, als Liam zur ersten gemeinsamen Bandprobe erscheint und verlangt, schalldämpfende Abschirmungen rund ums Schlagzeug abzubauen, ist elektrisch.
Oasis: Tour im 2027?
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Seit einigen Tagen postet die Band auf ihrem Instagram-Kanal verschiedene Teaser, die auf eine mögliche Tour im Sommer 2027 hindeuten lassen.
Hinweise auf ein Schweizer Konzert liessen sich in den Posts bislang nicht erkennen.
Ansonsten dominiert die Nostalgie. Die einstigen Bad Boys des Britpops sind auf ihre älteren Tage merklich softer geworden. Wo man sich früher ausserhalb von Studio und Tour kaum etwas zu sagen hatte, gibt es mittlerweile einen gemeinsamen Gruppenchat, in dem sich Noel und Liam gegenseitig «lustige Videos» schicken.
Ganz verschwinden dürfte die alte Reibung zwischen den beiden trotzdem nie. Das untermalt eine Episode rund um den ersten Reunion-Auftritt in Cardiff: Liam schwänzt die letzte Probe und trifft am Konzerttag erst 20 Minuten vor Showbeginn ein. Als es dann auf die Bühne geht, ist Noel vor Anspannung kaum stillzuhalten – während Liam die Hütte abreisst.
Genau dieses Spannungsfeld zwischen Noels musikalischer Präzision und Liams unberechenbarer Rock’n’Roll-Attitüde macht Oasis bis heute unersetzbar – und lässt hoffen, dass die Versöhnung auch für weitere Touren hält.
Kinostart am 9. September.