Der Außenbeauftragte des Vatikans, Erzbischof Paul Richard Gallagher, hat in Assisi zum Thema „Der Herr gebe dir Frieden.:Für eine befriedete und Frieden bringende Theologie“ gesprochen. Der Vatikandiplomat betonte in seinem Vortrag vom Montag (7.9.), Diplomatie allein reiche nicht, um Frieden herzustellen, schaffe aber die Umstände, damit er Wurzeln schlagen könne.
Antonella Palermo – Vatikanstadt*
„Echter Dialog lässt Unterschiede in loyaler Zusammenarbeit nebeneinander bestehen“, und „keine Vereinbarung kommt zustande ohne die Bereitschaft zum Dialog, doch Gesten müssen in gerechte und dauerhafte Regeln umgesetzt werden“. Das betonte Erzbischof Gallagher, als er in Assisi das jährliche Seminar für Theologieprofessinnen und -professoren und Seelsorgende der Katholischen Universität vom Heiligen Herzen eröffnete. Das Seminar steht dieses Jahr unter dem Motto: „Der heilige Franziskus und die Wege der Versöhnung“ Die viertägige Fortbildung endet am 10. September. Unter den Gästen waren auch einige italienische Politiker – etwa Maria Tripodi, Staatssekretärin im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und internationale Zusammenarbeit.
Friede – ein Geschenk
Wahrer Frieden sei ein Geschenk, erklärte der Vatikan-Außenbeauftragte in Erinnerung an den heiligen Franz von Assisi und sein Vermächtnis. Das Wirken des Menschen können Frieden den Weg ebnen, den Boden vorbereiten und ihn fruchtbar machen für die Aufnahme dieses Geschenks: „Die Diplomatie schafft den Frieden nicht aus sich selbst heraus; sie kann jedoch die menschlichen, politischen und rechtlichen Voraussetzungen schaffen, damit er Wurzeln schlagen kann.“
„Die Diplomatie schafft den Frieden nicht aus sich selbst heraus; sie kann jedoch die menschlichen, politischen und rechtlichen Voraussetzungen schaffen, damit er Wurzeln schlagen kann“
Historisches Beispiel für gelungene Diplomatie
In seiner Rede erinnerte Erzbischof Gallagher auch an ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem italienischen Staat, das am Ort seiner Rede stattfand: Das historische Treffen von Kardinal Merry del Val und Minister Pietro Fedele, das vor hundert Jahren, am 4. Oktober 1926, in Assisi im Palazzo dei Priori den Grundstein für die Lateranverträge legte. „Eine Geste kann einen Weg ebnen“, betonte Gallagher, „das Recht kann ihm Stabilität verleihen.“ Darauf aufbauend ging er näher auf die Wichtigkeit ein, den institutionellen und politischen Kontext zu berücksichtigen, in dem das Konkordat entstand – und der sich grundlegend vom heutigen unterscheide –, wobei jedoch die grundlegenden Kriterien nach wie vor gültig seien und weiterhin eine „gesunde Zusammenarbeit“ zum Wohle der Allgemeinheit inspirieren müssten.
Erzbischof Gallagher in Assisi (@Università Cattolica)
„Eine Geste kann einen Weg ebnen“
Libertas Ecclesiae
Das Zweite Vatikanische Konzil und die Reifung der Zivilgesellschaft sowie die Entwicklung der staatlichen Ordnung führten schließlich zu einem Abkommen von 1984, mit dem die konkordatären Bestimmungen einvernehmlich überarbeitet wurden; darin wird die beiderseitige Verpflichtung zur Achtung des Grundsatzes der Unabhängigkeit und Souveränität des Staates und der katholischen Kirche bekräftigt. Erzbischof Gallagher betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Libertas Ecclesiae, der Freiheits- und Unabhängigkeitsgarantie der Kirche, die diese zur Erfüllung ihres Auftrags benötige. Er erinnerte auch an die Bedeutung der Religionsfreiheit. Für die Kirche seien Freiheit und Rechtssicherheit bei der Ausübung ihres Auftrags wichtig; für den Staat ein stabiler Rahmen, um Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse anzugehen und sie der Unsicherheit politischer Umstände zu entziehen.
Gemeinsam für das Wohl der Allgemeinheit
Die Tatsache, dass das Abkommen zwischen Heiligem Stuhl und Italien unterzeichnet wurde, so Gallagher weiter, zeige, dass „Stabilität nicht mit Unbeweglichkeit gleichzusetzen ist“: Die Kontinuität einer vertraglichen Beziehung könne auch „die Fähigkeit erfordern, ihre Bestimmungen einvernehmlich an veränderte historische Bedingungen anzupassen“. Beide Seiten hätten so die Möglichkeit, in Bereichen zusammenzuarbeiten, die von der Bildung bis zum Schutz des kulturellen Erbes reichten: „Es geht um den Beitrag, der in einem pluralistischen gesellschaftlichen Umfeld geleistet wird, in dem auch andere Glaubensrichtungen und Menschen mit anderen Überzeugungen tätig sind“, so Gallagher. Er betonte zudem, dass „authentischer Dialog Unterschiede nicht auslöscht, sondern nach den Bedingungen sucht, unter denen sie in loyaler Zusammenarbeit nebeneinander bestehen können“.
* Übersetzt und redaktionell angepasst von Stefanie Stahlhofen
(vatican news)