Tiergarten – Wenn andere längst ihren Ruhestand genießen, schafft Heinz Mack (95) noch einen ganzen Werkzyklus. Für die Ausstellung „Spectrum Mundi“ zeigt der Mitbegründer der Zero-Bewegung in der St.-Matthäus-Kirche am Kulturforum 24 neue Gemälde.
Bekannt wurde Mack durch seine Auseinandersetzung mit dem Thema Licht. Während die Kunst seiner Generation vor allem von klassischer Malerei geprägt war, erhob Mack das Licht selbst zum künstlerischen Medium. Seine Spiegelobjekte und spektakulären Aktionen in der Sahara machten ihn international bekannt.

In der St.-Matthäus-Kirche entfaltet sich Macks farbgewaltiger Bilderzyklus
Inzwischen kehrte er zur Malerei zurück. Die 24 Werke stehen für die 24 Stunden eines Tages und entfalten gemeinsam einen farblichen Kosmos zwischen Morgen und Nacht. Gleißende Gelb- und Orangetöne erinnern an das erste Sonnenlicht des Tages, tiefe Blau- und Schwarztöne an die Stille der Nacht. Dazwischen treffen Farben aufeinander, die sich zu widersprechen scheinen und gerade deshalb eine eigentümliche Spannung entwickeln.
Besonders bemerkenswert: Mack malt noch heute nahezu ausschließlich mit Sonnenlicht. Seine Ateliers sind so gebaut, dass die Sonne direkt in den Arbeitsraum fällt.

Die Blautöne aus der Werkserie „Chromatische Konstellation“ wirken wie ein Echo der Abenddämmerung
Foto: VG Bildkunst, Bonn 2026. Courtesy of the artist. Photo by Studio Mack
Vielleicht passt Macks Werkzyklus auch deshalb so gut in eine Kirche. In der christlichen Tradition steht das Licht für Hoffnung, Erkenntnis und das Göttliche. Mack wiederum widmet ihm sein gesamtes künstlerisches Schaffen. Obwohl seine Bilder keine religiösen Motive zeigen, berühren sie grundlegende Erfahrungen des Menschseins: Zeit, Vergänglichkeit und Wahrnehmung.
Für den Kunsthistoriker und das Vorstandsmitglied der Mack Foundation, Robert Fleck, steckt genau darin die besondere Kraft von Macks Werk. Der Künstler verteidige einen Schönheitsbegriff, der in der zeitgenössischen Szene selten geworden sei. Es gehe nicht um dekorative Gefälligkeit, sondern um die Überzeugung, dass Kunst der Hässlichkeit der Welt etwas entgegensetzen könne.
Bis zum 13. September, St.-Matthäus-Kirche, Matthäikirchplatz, Eintritt frei.
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