Auf dem europäischen Immobilienmarkt stand 2024 und 2025 eine Assetklasse ganz oben auf der Einkaufsliste der Anleger: Wohnen. Nach 42 Milliarden Euro 2024, flossen im Vorjahr 53 Milliarden Euro in den Sektor. Auch im laufenden Jahr wird sich an dieser Tendenz voraussichtlich nichts ändern, wie aktuelle Umfragen zeigen.
„Housing Matters!“ ist auch bei der Immobilienmesse Mipim 2026 ein Schwerpunkt – zum dritten Mal in Folge. Ziel sei es, Investoren, Entwickler, Planer, Behörden und Experten für urbane Entwicklung zusammenzubringen, betonen die Veranstalter. „Es geht sowohl um kurzfristige Notlagen als auch um die langfristige Entwicklung urbaner Räume“, brachte es Nicolas Kozoubek, Mipim-Direktor 2025, bei seiner Eröffnungsrede im Vorjahr auf den Punkt. Das betreffe Entscheidungen von heute, um Visionen für morgen zu entwickeln.
Auch aus Österreich sind zahlreiche Planer und Entwickler vor Ort, etwa das Büro Baumschlager Eberle. „Im Wohnbau entscheidet sich, ob Architektur über Jahrzehnte hinweg trägt“, setzt CEO Elmar Hasler auf Dekarbonisierung, ressourcenschonende Bauweise und langfristige Nutzungsqualität.
Maßnahmen sind dringend notwendig, denn die Zahlen sind ernüchternd: Laut EU-Kommission stiegen Wohnimmobilienpreise zwischen 2013 und 2024 EU-weit um 60 Prozent. Und damit stärker als die Haushaltseinkommen. Gleichzeitig verteuerten sich die Mietpreise im Durchschnitt um 20 Prozent. Interessant: In Europa gibt es keine einheitliche gesetzliche Definition für den Begriff „leistbares Wohnen“. Laut einer Studie des Immobiliendienstleisters Jones Lang LaSalle aus dem Jahr 2024 (European Affordable Housing Investment Potential) liegt Leistbarkeit dann vor, wenn die Wohnkosten nicht mehr als 30 bis 35 Prozent des Einkommens ausmachen.
Europaweit kann das Angebot an leistbarem Wohnraum die Nachfrage nicht abdecken – vor allem in den Städten. Laut EU-Kommission müssten im kommenden Jahrzehnt jährlich rund 650.000 Wohnungen neu gebaut werden, um diese Lücke zu schließen. Zusätzlich zum Angebotsniveau von etwa 1,6 Millionen Einheiten pro Jahr, wohlgemerkt.
In Österreich haben gemeinnützige Wohnbauträger 2025 laut Schätzungen 11.400 neue Wohnungen fertiggestellt (2024: 13.690). Das liegt ein Drittel unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre (16.470), wie aus der Statistik 2025 des Österreichischen Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV) hervorgeht.
Prekär ist die Lage in Wien: „Die Zahl der Baubewilligungen ging seit 2019 um 60 Prozent zurück, die Fertigungszahlen haben sich binnen vier Jahren halbiert“, hielt Karina Schunker, Geschäftsführerin der EHL Wohnen, kürzlich bei einer Pressekonferenz fest. „40.000 neue Wohnungen wären in Wien in den nächsten drei Jahren erforderlich.“ Angesichts des europaweiten Investitionsbedarfs werden nur gemeinsame Anstrengungen von Staat und Privatinvestoren die Wohnkrise lösen können. Hoffnung macht der „Affordable Housing Plan“, den die EU-Kommission im Dezember vorgestellt hat.
Institutionelle Anleger spielen aktuell noch eine untergeordnete Rolle im Bereich „leistbares Wohnen“. Auch aufgrund von Vorbehalten gegenüber der „Finanzialisierung“ von Wohnraum, also der Renditeorientierung bei einem sensiblen Thema. Laut JLL-Studie lag hier der Anteil von Pensionsfonds, Versicherungen und Immobilienfonds 2024 bei nicht mehr als 0,3 Prozent. Dennoch hat das Engagement dieser Anlegergruppe zugenommen – nicht zuletzt wegen des ESG-Kriteriums „Soziales“ bei institutionellen Investitionen. Vergleichsweise stark sind in dem Bereich Institutionelle in Großbritannien und den Niederlanden engagiert.
Zu den Fonds, in denen europaweit rund 14 Milliarden Euro geparkt sind, zählt auch der Patrizia Sustainable Communities Fund. Dieser verfolgt eine Impact-Investing-Strategie für erschwinglichen Wohnraum. Wie die Fondsmanagerin Marleen Bekkers erklärt, konzentriert man sich auf die große Gruppe jener, die „zwischen denjenigen steht, die Bedarf an einer Sozialwohnung haben und jenen, die sich Miete oder Hypothek für ein eigenes Zuhause leisten können“. Für genau diese Menschen schaffe man Wohnungen, mit einem Fokus auf „systemrelevante Personen, die in der Nähe ihres Jobs nichts Geeignetes finden.“