Hass auf Renoir, Proteste zur Eröffnung der Otto-Mühl-Retrospektive in Wien und das Problem bei den Bauplänen fürs Brücke-Museum: Das ist unsere Medienschau am Mittwoch
Ausstellungen
Olga Kronsteiner berichtet im „Standard“ über Proteste zur Eröffnung der Otto-Mühl-Retrospektive „Kunst am Abgrund“ im Wiener Aktionismus Museum. Künstlerinnen, Künstler und Kulturarbeiter warfen dem Museum vor, Mühls Kunst nicht von seinem autoritären System und dem dokumentierten psychischen und sexuellen Missbrauch zu trennen. Museumsdirektor Klaus Albrecht Schröder verteidigte die Ausstellung mit dem Argument, Kunst werde hier „nicht als Illustration“ der Biografie oder als „Beweismittel seiner Straftaten“ gezeigt. Zugleich wurde bekannt, dass Sammlungsleiterin Julia Möbus-Puck das Museum Ende November verlässt. Kronsteiner beschreibt Schröders Umgang mit Fragen nach der fehlenden Kontextualisierung als zunehmend gereizt. Die Ausstellung umfasst 150 Werke und reicht von den frühen 1960er-Jahren bis zu Mühls Verhaftung und Verurteilung 1990.
In der „Welt“ bespricht Marcus Woeller Maurizio Cattelans Einzelausstellung „Night“ in der Neuen Nationalgalerie Berlin. Anders als erwartet, so Woeller, verzichten Direktor Klaus Biesenbach und Kuratorin Lisa Botti bewusst auf Cattelans bekannteste Skandalwerke wie die Banane. Stattdessen dominiere ein aus Lindenholz gefertigtes Brandenburger Tor im Maßstab 1:5 mit dem Titel „Purgatory“ den Eingang, gefolgt von der kniend-kindlichen Hitler-Figur „Him“. Woeller beschreibt zudem die makaberste Arbeit der Schau: einen unscheinbaren roten Feuerlöscher, der tatsächlich als Urne mit der Asche eines verstorbenen Freundes Cattelans dient. Die Schau sei unmittelbar zugänglich und dürfte ein Publikumserfolg werden, ihre „plakative Doppelbödigkeit“ drohe sich allerdings schnell zu erschöpfen. Der Künstler benötige den Preis der Nationalgalerie nicht, an den die Ausstellung geknüpft ist, aber „offensichtlich braucht ihn die Neue Nationalgalerie, um sichtbarer zu werden“.
Malerei
Im „Guardian“ fragt sich Eddy Frankel nach dem Diebstahl zweier Werke aus dem Renoir-Museum in Cagnes-sur-Mer, warum überhaupt jemand Renoir-Gemälde erbeuten wolle. Frankel beschreibt den Maler spöttisch als den „kitschigsten aller Impressionisten“ und verweist darauf, dass bereits Zeitgenossen wie Manet dachten, er sei „wertlos“. Während Künstler wie Monet oder Cézanne als Revolutionäre gefeiert würden, gelte Renoir vielen heute als der „am meisten gehasste“ Maler der Gruppe. Die Einzigartigkeit des Vorfalls bringt Frankel gewohnt süffisant auf den Punkt: Dass die Diebe auf der Flucht zwei der vier entwendeten Bilder einfach zurückließen, sei die prägnanteste Kunstkritik überhaupt. „Artnet“ fragte vor einigen Tagen noch etwas vorsichtiger: „War Renoir tatsächlich ein schlechter Maler?“
Museen
In einem „Tagesspiegel“-Kommentar analysiert Nikolaus Bernau die Pläne zur Erweiterung und Sanierung des Berliner Brücke-Museums. Den Architekturwettbewerb gewann das Büro Barkow Leibinger. Bernau bezweifelt jedoch die veranschlagten Gesamtkosten von gut 26,8 Millionen Euro vehement: Das sei „angesichts der aktuellen Baukosten, pardon, schlichtweg absurd.“ Er fragt, ob hier erst einmal ein Pflock eingeschlagen werden solle, nach dem künftige Senate wieder mehr zahlen müssten, weil das Projekt einmal genehmigt worden sei. Zudem bemängelt der Autor die fehlende Einbindung des benachbarten Kunsthauses Dahlem. Dieses drohe nun „der Verlierer der Brücke-Museums-Erweiterung zu werden“, da Synergien ungenutzt blieben und eine unwirtschaftliche Doppelung bei den Cafés drohe.“ Für Monopol hat Bernhard Schulz über den Wettbewerb geschrieben.
Kunstmarkt
In der „FAZ“ verreißt Gina Thomas die neue BBC-Reality-Show „The Big Deal“. Die Sendung wolle beweisen, dass „jeder, der glaubt, ein gutes Auge und ein Händchen fürs Geschäft zu haben“, sich als Kunsthändler versuchen könne. Thomas bemängelt jedoch, dass sich in der Show letztlich alles nur ums Geld drehe. Wenn die Moderatorin Steph McGovern die Teilnehmer mit den Worten „Lasst uns Geld machen!“ anfeuere, offenbare dies das Konzept. Der Versuch, den Kunstmarkt zu demokratisieren, scheitere, da zur Unterhaltung „ein verfälschend simplifiziertes Bild der Branche für ein unwissendes Publikum“ gezeichnet werde. Zuschauer würden schlichtweg für dumm verkauft.