Der Sarg des norwegischen Königs Harald V. wird nach der Trauerfeier im Osloer Dom zum königlichen Mausoleum in der Krypta von Schloss Akershus gebracht.

Stand: 09.09.2026 • 19:42 Uhr

35 Jahre war er König von Norwegen. Nun ist Harald V. in Oslo beigesetzt worden. Mehr als 100.000 Menschen gaben ihm das letzte Geleit – und machten noch einmal deutlich, wie beliebt der König war.


Jana Sinram

Das Staatsbegräbnis beginnt mit 21 Salutschüssen zu Ehren des verstorbenen Königs. So will es die norwegische Tradition.

Als der Sarg von Harald V. um Punkt 12 Uhr das Schloss in Oslo verlässt, wird es plötzlich still auf dem Platz. Hunderte sind hierher gekommen, um ihrem König die letzte Ehre zu erweisen. Viele tragen Schwarz, manche warten hier schon seit 6 Uhr morgens.

„Wir sind aus Bergen gekommen. Wir sind extra her geflogen. Ich wusste schon seit vielen Jahren: Wenn König Harald stirbt, dann möchte ich bei seiner letzten Reise dabei sein“, sagt eine der Wartenden. Ein Mann meint: „Er war unser König, und gleichzeitig sehr volksnah. Er war gewissermaßen ganz oben und gleichzeitig mitten unter uns Norwegern.“

„Für so viele von uns ein Vorbild“

Für einen der Trauernden hatte der Monarch eine besondere Bedeutung: „König Harald war für mich sehr inklusiv. Ich bin queer, und er hat uns Homosexuelle unterstützt. Er hat eine sehr bekannte Rede gehalten und darin ganz klar gesagt, dass Mädchen Mädchen lieben können, Jungen Jungen und Mädchen und Jungen einander. Dieser Satz hat mir sehr viel bedeutet.“

Eine Frau erklärt: „Ich will ihm meinen letzten Respekt erweisen. Der König war für so viele von uns ein Vorbild. Ich finde es wichtig, mir diese Zeit zu nehmen.“

Viele Menschen verfolgten den Tauerzug in der Innenstadt von Oslo.

Viele Staatsgäste bei der Trauerfeier

Respekt erweisen Harald auch Staatsgäste aus aller Welt. Durch ein Spalier aus Soldaten ziehen sie in einer Trauerprozession an den Menschen vorbei Richtung Domkirche. Direkt hinter dem Sarg gehen der neue König Haakon und seine Tochter Kronprinzessin Ingrid-Alexandra, sein Sohn Sverre Magnus und seine Schwester Märtha Louise.

Dahinter folgen die Könige von Schweden, Dänemark, Spanien und den Niederlanden sowie der britische Thronfolger Prinz William. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sind in dem Trauerzug dabei.

Haralds Witwe Königin Sonja und die neue Königin Mette-Marit werden im Auto zur Domkirche gefahren. Die Frau von König Haakon erholt sich von einer Lungentransplantation im Juni.

„Er hat Norwegen größer gemacht“

In einem bewegenden Trauergottesdienst nehmen norwegische und ausländische Gäste dann Abschied von Harald V., der 35 Jahre auf dem norwegischen Thron saß. Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre erinnert daran, dass der Monarch die Begegnung mit den Menschen im Land geschätzt habe. Das habe sich auch in seinen Reden widergespiegelt.

Er hat Norwegen größer gemacht. Er sprach von einem ‚Wir‘ in Norwegen, in dem die Menschen füreinander einstehen, wo jeder Verantwortung für die Gemeinschaft trägt und alle den gleichen Wert haben.

Ministerpräsident Jonas Gahr Støre

In Gummistiefeln auf die Menschen zugegangen

Auch Parlamentspräsident Masud Gharakhani würdigt König Harald als jemanden, der für die Menschen da gewesen sei, wenn sie ihn am meisten brauchten: „König Harald war nah am Volk. Und er war ganz er selbst. Er scheute sich nicht, in seinen Gummistiefeln auf die Menschen zuzugehen.“

Nach dem Gottesdienst läuten in ganz Norwegen eine Stunde lang die Kirchenglocken. Und in Oslo beginnt die allerletzte Reise des verstorbenen Königs. Sein Sarg wird in die Festung Akershus gebracht. Im königlichen Mausoleum hat Harald V. von Norwegen nun die letzte Ruhestätte gefunden.