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Marburg (Hessen) – Ex-Nationaltorhüter Eike Immel (65) ist am Mittwoch am Landgericht Marburg wegen Betrugs zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Es war der Tag, an dem der einst gefeierte Fußballstar (19 Länderspiele, Europameister 1980) alle Karten auf den Tisch legen musste, um einer Haftstrafe doch noch zu entgehen.

Seit Mittwochmorgen lief das Berufungsverfahren gegen den früheren Fußballprofi. Er hatte sich rund 34.000 Euro von Bekannten erschlichen. Um, wie er nun erstmals und reumütig zugab, seine Sucht nach Kokain zu stillen. Die Beichte und eine offene und ehrliche Entschuldigung an ein Opfer, dem er rund 20.000 Euro abnahm, haben den Deutschen Fußballmeister von 1992 (VfB Stuttgart) gerettet. Er kommt mit einem dunkelblauen Auge davon, muss nicht ins Gefängnis. Das war durchaus überraschend.

Eike Immel (65) und sein Anwalt Burkhard Benecken (50) beraten sich vor dem Berufungsprozess in Marburg

Eike Immel (65) und sein Anwalt Burkhard Benecken (50) beraten sich vor dem Berufungsprozess in Marburg

Foto: Karsten Socher

Staatsanwaltschaft forderte zwei Jahre und fünf Monate

Die Staatsanwaltschaft forderte im Prozess „eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten“. Das bedeutet: keine Bewährungsstrafe. Immels Verteidiger, der bekannte Strafrechtler Burkhard Benecken (50, Marl), plädiert auf eine Bewährungsstrafe, sagt: „Er ist kein Betrüger, der alle nach Strich und Faden ausnimmt, um selbst Ferrari zu fahren. Über allem schwebt der Resozialisierungsgedanke. Wenn seine Kokainsucht behandelt ist, wird Herr Immel keine Straftaten mehr begehen, davon bin ich überzeugt.“ Der Anwalt, selbst Schalke-Fan, konnte den ehemaligen BVB‑Star vor dem Knast retten.

Eike Immel und Weltmeister Andreas Brehme (†63) spielten mehrere Jahr lang zusammen in der deutschen Nationalmannschaft

Eike Immel und Weltmeister Andreas Brehme (†63) spielten mehrere Jahre lang zusammen in der deutschen Nationalmannschaft

Foto: imago sportfotodienst

Immel selbst hatte sich im Prozess reumütig geäußert: „Ich kann es nur wiederholen, dass es mir wahnsinnig leidtut. Im Grunde kann ich dankbar dafür sein, dass ich angezeigt wurde. Ich gebe alles zu. Ich will nicht mehr lügen. Ich hoffe, dass ich eine zweite Chance bekomme, wirklich zu zeigen, dass ich das auch mache, was ich gesagt habe.“

Mehr zum ThemaSo geriet Eike Immel in finanzielle Probleme

Zuvor hatten der ehemalige Weltklasse-Kicker und sein Anwalt erklärt, wie Immel in die finanziellen Schwierigkeiten geraten ist. 2007 soll es zum ersten Kontakt mit Kokain gekommen sein. Immel hatte nach seinen Co-Trainer-Jobs in der Türkei und Österreich plötzlich keinen Job mehr. Der Körper schmerzte von 20 Jahren Profifußball. Benecken: „Es gab auch eine sehr dunkle Phase 2021, auch bedingt durch Corona und private Probleme. Dazu ein Rückfall.“

Mit dem VfB Stuttgart feierte der einstige Weltklassetorwart Eike Immel 1992 die Deutsche Meisterschaft

Mit dem VfB Stuttgart feierte der einstige Weltklassetorwart Eike Immel 1992 die Deutsche Meisterschaft

Foto: picture alliance/Pressefoto Rudel

Eike Immel lieh sich Geld, versprach Gegenleistungen (Tickets für DFB‑Partien). Für ihn sei es wichtig, jetzt reinen Tisch zu machen und sich auch professionelle Hilfe zu holen. Der Fußballer: „Ich hatte keine Krankenversicherung und hatte gar nichts. Da kam auf einmal der Gerichtsvollzieher. Von dem Tag an gingen alle Türen zu. Auch von der Fußballwelt wollte keiner etwas mit mir zu tun haben. Ich habe nie gelernt, mit Geld umzugehen.“

Immel: „Ich will mein Leben ändern“

Immel selbst sagte vor Gericht: „Ich will mein Leben ändern, egal, wie das hier ausgeht. Ich habe gute Freunde, die sagen: ,Mach’ klar Schiff und dann kümmern wir uns um Dich.‘ Ich habe erkannt, dass meine Tätigkeit im Fußball liegt. In Torhüter-Camps arbeiten kann ich. Ich habe auch wieder zwei, drei Angebote von Reality-TV. Eigentlich dachte ich. Ich gehe da rein und kann mit der Gage meine Schulden bezahlen.“

Nach seiner aktiven Karriere nutzte Eike Immel diverse TV-Formate, um wieder an Geld zu kommen. Er war auch im RTL-Dschungelcamp

Nach seiner aktiven Karriere nutzte Eike Immel diverse TV-Formate, um wieder an Geld zu kommen. Er war auch im RTL-Dschungelcamp

Foto: Joyn/Tan Nian Xing

Neue Partnerin unterstützt ihn

Seine Hoffnung: „Ich habe seit einem Jahr eine Partnerin an meiner Seite, die sich große Sorgen macht und die einfach toll ist. Da lohnt es sich, auch dafür zu kämpfen und ein anständiger Kerl zu werden.“ Richter Dominik Balzer zu Immels Einlassungen: „Er hat die Hosen runtergelassen, auch in Angelegenheiten, zu denen er sich nicht hätte äußern müssen.“

Jetzt ist der einst gefeierte Star noch einmal mit einer dunkelgelben Karte davongekommen. Der Richter zum Urteil: „Wir halten eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren für tat- und schuldangemessen.“ An Immel gerichtet sagte er: „Wenn Sie sowas in der Zukunft bringen, wissen Sie jetzt auch selbst, dass Sie in allerkürzester Zeit in der JVA landen.“

200 Stunden gemeinnützige Arbeit

Die Dauer der Bewährungszeit ist auf vier Jahre festgesetzt. Innerhalb von zwei Monaten nach Rechtskraft des Urteils muss Immel an einer ambulanten Drogen-Therapie teilnehmen und sich regelmäßig testen lassen. Dazu muss er mithilfe einer Schuldnerberatung sämtliche Einnahmen und Ausgaben belegen und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit binnen eines Jahres außerhalb des Sports absolvieren.

Eike Immel will diese Anforderungen erfüllen. Die Staatsanwaltschaft kann noch Rechtsmittel einlegen.