Wenn der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht, ist bei demjenigen dahinter meist Schnappatmung angesagt. Der Geldeintreiber in Staatsdiensten kann schließlich an alles seinen Kuckuck kleben, was dem säumigen Zahlenden lieb und teuer ist. Vor allem natürlich teuer.

Auch der Pilot kann nicht zahlen

In Österreich ist jetzt einer der Geldeintreiber am Flughafen Linz fündig geworden. Da stand eine Passagiermaschine von Ryanair. Und weil die Billigfluglinie einer Kundin die Entschädigung für einen verspäteten Flug in Höhe von überschaubaren 335 Euro nicht zahlen wollte, holte ihr Anwalt zum größtmöglichen Schlag aus. Er veranlasste die Pfändung des Flugzeugs. Mit diesem lasse sich die säumige Zahlung, die durch Zinsen und Kosten schon auf 890 Euro angewachsen ist, locker gegenfinanzieren, dachte sich der Anwalt. Und schickte den österreichischen Exekutor, wie der Beruf im Nachbarland genannt wird.

Man darf sich vorstellen, wie verdutzt der Pilot war, als er Besuch im Cockpit bekam. Weil auch er nicht zahlen konnte, wurde der Kuckuck – im Fachterminus „Pfändungssiegel“ – an die Boeing 737 geklebt. So hat es das Bezirksgericht Traun bestätigt.

Auch die königliche Maschine des Prinzen von Thailand wurde gepfändet

Und es ist kein Einzelfall. Erinnert sei hier an den thailändischen Kronprinzen Maha Vajiralongkorn, dessen Land bei deutschen Behörden mit 30 Millionen Euro in der Kreide stand. Um an die Dringlichkeit der ausstehenden Zahlung zu erinnern, wurde kurzerhand dessen königlicher Privatjet am Münchner Flughafen gepfändet.

Auch Ryanair kann nun überlegen, die 890 Euro zu berappen, bevor endgültig die Zwangsversteigerung der Boeing droht. Zumindest aber darf die Maschine bis dahin noch fliegen – sogar mit Kuckuck im Cockpit.

Andrea Bogenreuther

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