Der eskalierende Iran-Krieg bringt den globalen Reiseverkehr ins Wanken und Flugpassagiere sehen sich mit Rekordpreisen konfrontiert. Experten sprechen von einem nie dagewesenen Szenario.
Kurz vor der Ostersaison sind Flugpassagiere mit Rekordpreisen konfrontiert. Seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten am 28. Februar sind in der Region mehr als 46.000 Flüge gestrichen worden, wie Daten des Marktbeobachters Cirium zeigen. Diese Welle von Annullierungen hat in diesem Monat zeitweise bis zu zehn Prozent der weltweiten Airline-Kapazität ausgelöscht und damit den größten Schock für die Luftfahrt seit der Covid-19-Pandemie verursacht.
Welche Langstrecken besonders betroffen sind und wie stark sich Economy und Business verteuert haben, zeigt der Überblick.
Der plötzliche Kapazitätsrückgang infolge von Flughafenschließungen am Golf hat die Ticketpreise auf wichtigen Verbindungen in die Höhe getrieben. Ein Economy-Class-Hin- und Rückflug von Sydney nach London vom 3. bis 10. April verteuerte sich in den vergangenen zwei Wochen um mehr als 80 Prozent, während ein Business-Class-Ticket auf derselben Strecke rund 40 Prozent teurer war. Das zeigt eine Bloomberg-Analyse von Google-Flights-Daten vom 12. März.
Auch ein Economy-Hin- und Rückflug von Singapur nach London kostete im selben Zeitraum nahezu das Dreifache. Berücksichtigt wurden dabei die von Google als beste verfügbare Abflüge eingestuften Verbindungen mit einem oder keinem Zwischenstopp, wobei Flüge über die stillgelegten Golf-Flughäfen ausgeschlossen wurden.

Ein Business-Class-Hin- und Rückflug von Sydney nach London mit Cathay Pacific Airways kostet derzeit bis zu 28.000 Dollar. Der Flug startet am 31. März und kehrt am 10. April zurück; eine Teilstrecke entfällt dabei auf die First Class, weil die Business Class ausverkauft ist.
Cathay verweist auf eine besonders starke Nachfrage an bestimmten Tagen im April und erklärt, hohe Auslastungsquoten hätten an Spitzentagen in einigen Kabinenklassen zu erhöhten Preisen geführt.
„Die derzeitige Tarifvolatilität spiegelt ein kurzfristiges Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wider, da Passagiere nach den jüngsten Störungen an wichtigen Transitdrehkreuzen im Nahen Osten alternative Routen bevorzugen”, teilte die Fluggesellschaft mit.
Rund ein Drittel des Verkehrs zwischen Asien und Europa – etwa 40 Millionen Passagiere pro Jahr – wird laut der Beratungsgesellschaft Roland Berger über die Golfregion abgewickelt. Da viele dieser Flüge derzeit nicht durchführbar sind, schnellen die Preise auf jenen Strecken in die Höhe, die den Nahen Osten umgehen, und drängen damit einige Reisende aus dem Markt.

Der Konflikt belastet den Reiseverkehr stärker als andere jüngere Krisen. Die derzeit beobachteten Preise seien „beispiellos”, sagte Bryan Terry, Managing Director von Alton Aviation Consultancy in New York.
„Die Nachfrage nach Flügen ist weiterhin vorhanden, aber auf einigen Strecken ist bis zur Hälfte der Kapazität weggefallen. Wir haben bei anderen Ereignissen – 9/11, der Pandemie, der Sperrung des russischen Luftraums, Vulkanen – Preisspitzen erlebt, aber keines hat ein vergleichbares Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot geschaffen”, sagte Terry. (duc/Bloomberg)
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