Immer mehr Jugendliche fragen KI-Chatbots nach Hilfe – auch bei peinlichen oder sensiblen Themen. Eine neue Studie warnt nun deutlich vor Ernährungsplänen aus kostenlosen KI-Diensten.
Studie: Zu wenig Kalorien, falsche Nährstoffverteilung
Gesundheitsforscher:innen aus der Türkei haben untersucht, welche Ernährungspläne fünf verbreitete, kostenlose KI-Modelle für Jugendliche empfehlen. Das Ergebnis: Die vorgeschlagenen Pläne liegen so weit unter dem Bedarf, dass sie das Wachstum beeinträchtigen könnten. Zwei unabhängige, staatlich anerkannte Ernährungsberaterinnen bestätigten gegenüber Gizmodo die Einschätzung der Forschenden.
„Die Pubertät ist neben dem Säuglingsalter eine der wichtigsten Wachstumsphasen“, erläuterte die Ernährungsberaterin Taiya Bach. Jugendliche bräuchten deutlich mehr Kalorien als Erwachsene, auch wenn sie übergewichtig seien, betonte sie. Ein erheblicher Teil der Energie fließe in Hormone, Entwicklung und Knochenwachstum.
Für die Studie erstellten die Forschenden um Ayşe Betül Bilen von der Istanbul Atlas Universität mit den fünf kostenlosen KI-Tools jeweils dreitägige Ernährungspläne für vier fiktive 15-Jährige. Die Chatbots erhielten Angaben zu Alter, Größe und Gewicht der Jugendlichen. Jeweils ein Junge und ein Mädchen lagen nach gängigem Body-Mass-Index im Bereich „übergewichtig“, ein weiterer Junge und ein weiteres Mädchen im Bereich „adipös“.

TrendingEU-Kommission leitet eingehende Prüfung für Shazam-Übernahme ein
Alle Modelle sollten Tagespläne mit drei Mahlzeiten und zwei Snacks pro Tag entwerfen. Aus insgesamt 60 Tagesplänen ergab sich laut Bilen ein klares Muster: Die KIs unterschätzten durchweg den Gesamtenergiebedarf und verschoben zugleich das Verhältnis der Makronährstoffe.
Die Modelle schlugen im Schnitt etwa 20 Gramm mehr Eiweiß vor, als Fachkräfte empfehlen würden, und tendierten zu einer fast ketogenen Ernährung mit deutlich höherem Fettanteil. Laut der in „Frontiers in Nutrition“ veröffentlichten Ergebnisse sollten 21 bis 24 Prozent der Energie aus Eiweiß stammen, weitere 41 bis 45 Prozent aus Fetten.
Gleichzeitig empfahlen die Chatbots rund 115 Gramm weniger Kohlenhydrate pro Tag als eine professionelle Ernährungsberatung. Das entspricht einem täglichen Defizit von fast 700 Kalorien – also in etwa dem Auslassen einer kompletten Mahlzeit alle 24 Stunden.
Gefahr für Sportler:innen und weniger aktive Jugendliche
Die Ernährungsberaterin Sotiria Everett von der Renaissance School of Medicine der Stony-Brook-Universität warnte, dass solche Einschränkungen bei Schüler:innen im Sport noch problematischer seien. Eine zu niedrige Kalorienzufuhr könne den Hormonhaushalt stören und zum Ausbleiben oder zur Verzögerung der Menstruation bei Sportlerinnen beitragen. Zudem könne die körpereigene Produktion von Testosteron und Estradiol unterdrückt werden.
Bei Sport treibenden Jugendlichen könne dauerhaftes Unteressen zu geringer Energieverfügbarkeit und zum Syndrom der relativen Energie-Defizienz (RED-S) führen, erklärte Everett. Diese Erkrankung gehe mit einem erhöhten Risiko für Verletzungen und Knochenbrüche, schlechter sportlicher Leistung und je nach Alter auch mit verzögerter Pubertät einher.
Aber auch weniger aktive Jugendliche seien gefährdet, betonte Bach. Das Risiko für Knochenbrüche, geringeres Wachstum und Mängel an wichtigen Mikronährstoffen aus Kohlenhydraten bleibe bestehen. „Im Grunde braucht ihr Kohlenhydrate, um groß zu werden“, sagte sie. Fehle diese Energiequelle, könne das die endgültige Körpergröße beeinträchtigen.
Ketogene Diäten nur unter ärztlicher Aufsicht
Bach wies darauf hin, dass kohlenhydratarme ketogene Diäten in der Behandlung von Epilepsie und Krampfanfällen helfen können, allerdings nur in enger Abstimmung mit medizinischem Fachpersonal. Diese Ernährungsform sei sehr strikt und aus gutem Grund streng geregelt, weil sie ohne Aufsicht riskant sein könne.
Es bestehe etwa ein erhöhtes Risiko für Nierensteine durch die Verarbeitung von Ketonkörpern. Zu viel Eiweiß könne zudem die Knochengesundheit beeinträchtigen, da es die Aufnahme von Vitamin D und Kalzium störe – beides ohnehin kritische Nährstoffe im Wachstum.
Bach hofft, dass die Studie weitere Forschung anstößt und zu einem kritischeren Umgang mit Informationen aus KI-Chatbots führt. In ihren Lehrveranstaltungen an Hochschulen erlebe sie, wie intensiv Studierende KI nutzen. Dabei sehe sie immer wieder Fehler in den generierten Inhalten.
Via: https://gizmodo.com
Den Beitrag in unserem Forum kommentieren