Elon Musks autonome Ambitionen bewegen sich langsam von den Versprechungen im Silicon Valley zur industriellen Realität in Europa. Eine neue Stellenanzeige in der Gigafactory Berlin, die ausdrücklich mit „Robotaxi“-Fahrzeugen in Verbindung gebracht wird, heizt Spekulationen an, dass Tesla den Boden für das Cybercab in Europa bereitet. Allerdings ist der Weg von einer Stellenausschreibung zu einer tatsächlichen Produktionslinie mit Hürden gespickt, die sich aus der Fabrikpolitik, den Spannungen zwischen den Arbeitnehmern und der notorisch strengen Haltung Europas gegenüber fahrerlosen Fahrzeugen ergeben.

Die Spekulationen begannen mit einer ungewöhnlichen Stellenausschreibung für die Gigafactory Berlin. Tesla sucht einen erfahrenen Elektrokonstrukteur, der sich auf autonome „Robotaxi“-Fahrzeuge konzentriert. Die Stelle gehört zum „Low Voltage Hardware“-Team, das für die Schaltkreise zur Steuerung von Sensoren, Aktuatoren, Lenkung und Beleuchtung verantwortlich ist. In einer Branche, in der die Einstellung von Fachleuten oft vor der Ankündigung von Hardware erfolgt, wird diese Rolle als Grundlage für den Aufbau interner Kapazitäten für ein spezielles Programm für autonome Fahrzeuge in Europa interpretiert.

Obwohl Tesla die Cybercab-Produktion in Berlin nicht offiziell bestätigt hat, liegt die Bedeutung in der Richtung. Tesla scheint lokalisierte Optionen für Europa vorzubereiten und beweist damit, dass seine Strategie für autonome Mobilität nicht nur in den USA umgesetzt werden soll.

Der entscheidende Unterschied zwischen Robotaxi und Cybercab

Die Stellenbezeichnung bezieht sich bewusst auf „Robotaxi“ und nicht auf „Cybercab“, was Raum für Interpretationen lässt. Tesla testet bereits ein Robotaxi-Konzept unter Verwendung bestehender Kundenfahrzeuge, in der Regel Model Ys, die mit Full Self-Driving (FSD) Technologie in einem überwachten Modus ausgestattet sind. Dieser Ansatz stützt sich auf Serienfahrzeuge und nicht auf ein speziell für diesen Zweck gebautes Fahrzeug.

Wenn die europäische Strategie von Tesla jedoch einfach darin bestünde, reguläre Kundenfahrzeuge als Roboterachsen einzusetzen, wäre eine spezialisierte Fabrik, die sich auf die Hardwareentwicklung konzentriert, überflüssig. Dieses Spannungsverhältnis veranlasst Branchenbeobachter zu der Vermutung, dass die Entsendung mit dem speziellen Cybercab-Modell zusammenhängt und Berlin als einen Standort positioniert, an dem Tesla ein autonomes Fahrzeug der nächsten Generation an die europäischen Gegebenheiten anpassen könnte.

Musk nutzt das Cybercab als Druckmittel gegen die Gewerkschaften

Abgesehen von den technischen Kapazitäten gibt es eine eindeutig europäische Variable im Spiel: die Arbeitsbeziehungen. Elon Musk hat Berichten zufolge die potenzielle Cybercab-Produktion in Berlin mit dem Ausgang eines Streits mit der IG Metall verknüpft. Er hat angedeutet, dass die Erweiterung des Portfolios der Fabrik – möglicherweise einschließlich des Semi-Trucks, des Optimus-Roboters und des Cybercab – davon abhängt, dass die Gewerkschaft nicht die Kontrolle über den Betriebsrat übernimmt.

Diese Formulierung erinnert daran, dass der Automobilbau in Europa ein Sozialvertrag ist. Die IG Metall hat bei den jüngsten Wahlen den zweiten Platz belegt und damit ein unmittelbares internes Hindernis für Musks Expansionspläne beseitigt, aber die Dynamik zeigt, dass Investitionsentscheidungen stark von der Politik der Belegschaft beeinflusst werden.

Europas regulatorische Haltung bleibt der ultimative Engpass

Das entscheidende Hindernis für das Cybercab in Europa ist die Regulierung. Das Fahrzeugkonzept ist vollständig auf autonomes Fahren ausgelegt, ohne Lenkrad oder Pedale. Derzeit ist diese Technologie in Europa in ihrer fortgeschrittensten Form nicht zugelassen. Selbst wenn Tesla die behördliche Zulassung für sein überwachtes FSD-System erhält – ein Kampf, der derzeit über die niederländischen Behörden ausgetragen wird -, ist damit nicht automatisch der Weg für ein Fahrzeug ohne manuelle Steuerung frei.

Europa ist vorsichtig, wenn es um die Sicherheit im Straßenverkehr und die Haftung für Systeme geht, die den menschlichen Fahrer vollständig ersetzen. Wenn die Vorschriften ein Fahrzeug ohne Lenkrad nicht zulassen, wird die Produktion des Cybercab in Europa sinnlos. Solange diese Gesetzesmauer nicht durchbrochen ist, bleibt die Lokalisierung des Cybercab ein großes Wagnis.

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