Noch arbeiten Hamburg, Bremen, Rastatt, Untertürkheim, Sebeș, Cugir und Kecskemét miteinander. Komponenten wandern über Grenzen, Werke ergänzen sich, Modelle werden parallel gefertigt.
Doch dieselbe Flexibilität erlaubt es dem Konzern auch, Standorte gegeneinander abzuwägen.
Ob daraus tatsächlich das schleichende Auslaufen eines deutschen Fahrzeugwerks wird, ist keineswegs entschieden. Viel hängt davon ab, ob Mercedes mit seiner Modelloffensive wieder dauerhaft mehr Autos verkauft. Rastatt hat mit CLA und GLA neue Produkte erhalten, Bremen startet mit dem elektrischen GLC aus einer vergleichsweise starken Position, und Mercedes bekennt sich offiziell zu seinen deutschen Fabriken.
Aber die entscheidende Veränderung ist bereits vollzogen: Für wichtige Kompakt- und Mittelklassemodelle gibt es inzwischen leistungsfähige Alternativen außerhalb Deutschlands – zu erheblich niedrigeren Kosten.
Mercedes muss deshalb kein Werk schließen, um Druck aufzubauen. Es muss nur bei der nächsten Modellgeneration entscheiden, wo investiert wird, wo zusätzliche Stückzahlen entstehen und welchem Standort ein Nachfolger zugesprochen wird.
Genau deshalb ist Kecskemét mehr als die glänzende Kulisse für die größte Modelloffensive der Mercedes-Geschichte. Das Werk ist zugleich der Beweis, dass der Konzern eine Alternative zu seinen deutschen Fabriken geschaffen hat – aus Stahl, Beton und deutlich niedrigeren Kosten.