Der europäische Automarkt verschiebt sich derzeit schneller, als es die Entwicklung des Gesamtmarktes vermuten lässt. In den ersten acht Monaten 2026 stiegen die Pkw-Neuzulassungen in der EU zwar um 5,3 Prozent. Das berichtet der europäische Herstellerverband ACEA in der neuesten EU-Zulassungsstatistik für den Zeitraum Januar bis August. Hinter diesem moderaten Wachstum verbirgt sich jedoch eine deutliche Verschiebung bei den Antriebsarten: Während Benziner und Diesel kräftig verlieren, wachsen Elektroautos (BEV) und elektrifizierte Antriebe stark.
1,6 Mio. neue Elektroautos
Besonders deutlich zeigt sich das bei den batterieelektrischen Fahrzeugen. Von Januar bis August wurden 1.641.333 BEV in der EU neu zugelassen, 44,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ihr Marktanteil stieg damit von 15,8 auf 21,7 Prozent. Die Zahl ist bemerkenswert, weil damit erstmals gleich viele neue Elektroautos wie reine Benziner auf den europäischen Markt kamen. In absoluten Zahlen liegen die BEV sogar knapp vor den Benzinern.
Bei den klassischen Benzinern verlief die Entwicklung genau umgekehrt. Ihre Zulassungen sanken um 18,6 Prozent auf 1.634.733 Fahrzeuge. Der Marktanteil fiel im Vergleich zum Vorjahr von 28 auf 21,7 Prozent. Auch der Dieselmotor verliert weiter an Bedeutung. Sein Anteil ging von 9,4 auf 7,3 Prozent zurück. Benzin und Diesel zusammen kommen damit nur noch auf 29 Prozent des EU-Marktes. Vor einem Jahr waren es noch 37,5 Prozent.
Deutschland folgt diesem Muster. Der hiesige Pkw-Markt wuchs in den ersten acht Monaten um 4,8 Prozent auf 1.965.024 Neuzulassungen. Die BEV-Zulassungen legten dagegen um 53,1 Prozent auf 515.545 Fahrzeuge zu. Gleichzeitig brach der Absatz reiner Benziner um 21,9 Prozent auf 411.348 Fahrzeuge ein. Der Diesel verlor 11,4 Prozent und kam auf 247.376 Neuzulassungen. Damit haben Elektroautos auch in Deutschland die reinen Benziner bei den Neuzulassungen überholt.
Der Verbrenner verschwindet nicht
Allerdings erzählt die Statistik nicht die gesamte Geschichte. Denn die ACEA zählt unter Hybrid Electric Vehicles (HEV) sowohl Vollhybride als auch Mildhybride. Ein erheblicher Teil dieser Fahrzeuge besitzt weiterhin einen Verbrennungsmotor als alleinigen Antrieb. Besonders verbreitet sind 48-Volt-Mildhybride mit Starter-Generator, bei denen ein kleiner Elektromotor den Verbrenner unterstützt, Rekuperationsenergie speichert und beispielsweise beim Anfahren oder Beschleunigen hilft. Rein elektrisches Fahren ist bei diesen Systemen nicht möglich.
Das ist für die Interpretation der Zahlen nicht unbedeutend. EU-weit erreichten HEV in den ersten acht Monaten einen Marktanteil von 36,6 Prozent und blieben damit die häufigste Antriebskategorie. In Deutschland wurden 561.505 Hybridfahrzeuge zugelassen, 5,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der scheinbar massive Einbruch des Verbrenners fällt deshalb tatsächlich kleiner aus.

ACEA
Während die ACEA den Anteil der Mildhybride explizit nicht aus dem Gesamtsegment löst, liefert das Marktforschungsunternehmen JATO Dynamics Hinweise darauf, wie bedeutend diese Unterscheidung ist. Für Europa weist JATO beispielsweise im Juli 2026 insgesamt 252.300 Mildhybride und 145.300 Vollhybride aus. Von den beiden Hybridarten entfielen damit rund 63 Prozent auf Mildhybride und rund 37 Prozent auf Vollhybride.
Die Verbrenner sterben nicht
Damit verändert sich der europäische Automarkt nicht einfach von Verbrennungsmotor zu Elektroantrieb. Vielmehr wird der klassische Antriebsstrang zunächst in vielen Fällen elektrifiziert. Erst daneben wächst der Anteil der Fahrzeuge, deren Verbrennungsmotor vollständig durch einen Elektroantrieb ersetzt wird.
Die PHEV-Zulassungen stiegen in der EU bis August um 15,6 Prozent auf einen Marktanteil von zehn Prozent. In Deutschland wurden 219.808 Plug-in-Hybride neu zugelassen.
BYD wächst extrem
Parallel verändert sich auch das Herstellerfeld. Besonders auffällig ist die Entwicklung von BYD. Der chinesische Konzern steigerte seine EU-Zulassungen in den ersten acht Monaten um 163 Prozent auf 177.752 Fahrzeuge. Damit liegt BYD in der kumulierten EU-Statistik bereits über Tesla mit 142.165 Fahrzeugen. Im erweiterten europäischen Markt aus EU, EFTA und Großbritannien kam BYD sogar auf 234.099 Zulassungen, 144,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Bei BYD ist allerdings ebenfalls eine differenzierte Betrachtung notwendig. Der Konzern verkauft in Europa nicht ausschließlich batterieelektrische Fahrzeuge, sondern auch Plug-in-Hybride. Aus der ACEA-Herstellerstatistik lässt sich deshalb nicht ablesen, wie viele der 177.752 BYD-Zulassungen in der EU auf BEV und wie viele auf PHEV entfallen. Das Wachstum zeigt dennoch, dass chinesische Anbieter im europäischen Neuwagenmarkt zunehmend größere Stückzahlen erreichen. Auch andere chinesische Hersteller wie Chery, SAIC und Leapmotor legten deutlich zu.
Fazit