Foto: Courtesy of Pip/Netflix © 2026
Sind das die Männer von heute?! Louis Theroux zeigt in der schockierenden Netflix-Doku „Inside the Manosphere“, welche Gefahr von den Alphas im Internet ausgeht.
Wer mit offenen Augen durch das Internet surft, dürfte nicht völlig überrascht sein, was dieser neue Netflix-Dokumentarfilm zu Tage befördert. Schockierend ist dennoch, welche Ansichten und Geschäftsmodelle er vorführt. Der Journalist Louis Theroux reist für „Inside the Manosphere“ unter anderem nach Miami und New York, um verschiedene Content Creator und Influencer zu treffen. Er will die sogenannte Manosphere verstehen. Die Manosphere wird als Oberbegriff für eine Subkultur benutzt, in der Männer ein reaktionäres, aggressives und sexistisches Geschlechterbild predigen.
Es geht in dieser Welt der Bros und Alphas um Stärke, Dominanz, Selbstoptimierung, Antifeminismus und die Degradierung anderer. Man feiert eine vermeintliche Überlegenheit des Männlichen. Frauen werden dabei sexualisiert und fetischisiert. Zugleich sieht man sie als dumm, schwach, unterlegen oder verdorben an. Der Wert von Menschen wird hier anhand von Daten und Statistiken bemessen, wie der Film etwa anhand seiner Auseinandersetzung mit dem „Fresh & Fit“-Podcast beobachtet.
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„Inside the Manosphere“ knüpft an „Adolescence“ an
„Louis Theroux: Inside the Manosphere“ zeigt, wie aus den Begegnungen mit Sneako, HS Tikky Tokky und weiteren Stars der Szene regelrechte Kulturkämpfe entstehen. Das Drehen des Dokumentarfilms kollidiert mit dem Filmemachen und Streamen des Internets. Gerade dann, wenn die Influencer plötzlich die Produktion für ihre eigenen Zwecke ausnutzen oder ihre Gefolgschaften aufstacheln.
Damit handelt es sich auch um ein Werk über den Film als Waffe! Netflix hat 2025 mit der Miniserie „Adolescence“ schon einmal einen breiten Diskurs angestoßen, welchen toxischen Einfluss die Manosphere auf junge Menschen heute hat. Aktuelle Statistiken zum konservativen Denken in der Gen Z bestätigen solche Warnungen. Insofern ist dieser Dokumentarfilm ein konsequenter Nachklapp und weiterer Beitrag innerhalb des Diskurses. Die Fiktion wird hier noch einmal über die dokumentarische Realität mit einer anderen Form der Dringlichkeit und Anschauung versehen.
Die Skrupellosigkeit der Manosphere
Was dieses sehenswerte Werk unmissverständlich betont, sind die Gefahren der Gegenaufklärung, die seit Jahren im Internet vorangetrieben wird. Das ist zugleich nicht zu trennen von einer strukturellen ökonomischen Ebene. „Inside the Manosphere“ zeigt die Endstufe eines egozentrischen Kämpfens und Gewinnstrebens. Es ist der Horror des Spätkapitalismus, der sich in der temporeichen Montage von Dialogen, Behind-the-Scenes-Material und Internet-Clips zu erkennen gibt.
Widersprüche im eigenen Marketing, schlechte Vorbildfunktionen, moralische Bedenken und überhaupt der Umgang mit anderen Menschen sind da völlig egal. Es geht nur darum, Profit zu maximieren. Man will anderen Geld mit fragwürdigen Produkten und Strategien aus der Tasche ziehen, obszönen Reichtum anhäufen und selbst zu den wenigen Gewinnern zu gehören. In den USA geht damit offenbar auch einher, die Nähe zur Trump-Regierung und MAGA-Bewegung zu suchen, wie der Film demonstriert.
Louis Theroux blickt auf das Geschäft mit der Provokation
Was Theroux seinen Gesprächspartnern abringt, geht aber noch darüber hinaus, denn der Film zeigt ebenso, wie eine von Algorithmen gesteuerte Welt genau jenes Amoralische, die Grenzüberschreitung und Negativität in Geld verwandelt und belohnt. Hauptsache, es taugt zum Gesprächsstoff und sorgt für viele Klicks! Es geht also um weit mehr als nur eine gesellschaftliche Bedrohung durch die Rückkehr alter Geschlechterbilder.
„Inside the Manosphere“ gruselt spätestens dann, wenn er in das Verschwörungsdenken der Protagonisten eintaucht. Egal, ob es um die Vorstellung satanistischer Mächte, Antisemitismus oder das Schwadronieren von einer Matrix geht, die angeblich geschaffen wurde, um Männer scheitern zu lassen. Der Film passt damit übrigens bestens zu dem deutschen Dokumentarfilm Soldaten des Lichts, der sich mit einer vergleichbaren Vermählung von Fitness-Kult, Lifestyle-Influencern und Verschwörungsmythen unter Reichsbürgern befasste.
Foto: Courtesy of Netflix/ 2026
Das sind die Schwächen des Films
Potential lässt der Film nur hin und wieder bei den Schlussfolgerungen und Fragen in den Voice-Over-Texten liegen. Was er im Verlauf der anderthalb Stunden zeigt, ist von enormer Dichte und Komplexität. Gerade in den Passagen, in denen es darum geht, wie der Erfolg besagter Influencer aus dem Verkaufen einfacher Antworten resultiert. Einige Einordnungen, die all das diskursiv einfangen wollen, geraten dabei etwas arg reduzierend.
Es mag ja sein, dass etwa zerrüttete Familienverhältnisse einen Teil zur Radikalisierung der Männer beigetragen haben. Als Erklärung für das ganze Phänomen reicht das aber längst nicht aus. Geschweige denn zur Untersuchung der wirtschaftlichen Zusammenhänge! Aber wie es so oft in Filmen passiert: Das gedrehte und montierte Material ist sowieso klüger und vielsagender als das, was einzelne Akteure vielleicht in ein Mikro sprechen.
„Louis Theroux: Inside the Manosphere“ läuft seit dem 11. März 2026 bei Netflix.
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