Die Abschirmung natürlicher Magnetfelder kann biologische Prozesse bei Modellorganismen maßgeblich verändern. Eine am 23. September 2026 in der Fachzeitschrift Aging veröffentlichte Studie eines Forschungsteams der University of Nottingham liefert neue Einblicke in diesen Zusammenhang.

Die Untersuchung unter Co-Leitung von Professorin Lisa Chakrabarti und Jacob Reed analysiert die Reaktionen von Fruchtfliegen auf sogenannte hypomagnetische Bedingungen. Die Ergebnisse zeigen deutliche Effekte auf Lebensdauer und Mobilität bei Tieren mit genetischen Veränderungen, die mit der Parkinson-Krankheit assoziiert sind.

Auswirkungen hypomagnetischer Bedingungen auf Lebensdauer und Motorik

Im Zentrum der experimentellen Untersuchungen stand die Reduzierung des umgebenden Magnetfelds. Während auf der Erdoberfläche Werte zwischen 25 und 60 Mikrotesla üblich sind, senkten die Forschenden das Feld im Versuch auf einen Mittelwert von rund 0,0056 Mikrotesla ab. Dieser drastische Entzug betraf Fruchtfliegen mit einer Mutation im Pink1-Gen, die in der biologischen Forschung als Standardmodell für neurodegenerative Prozesse bei Parkinson dient.

Wurden diese Pink1-Mutanten ab ihrem 20. Lebenstag in der abgeschirmten Umgebung gehalten, verlängerte sich ihre Lebensdauer um rund 20 Prozent. Zudem ergab die statistische Auswertung über ein Cox-Modell, dass sich das Sterberisiko der betroffenen Tiere um etwa die Hälfte reduzierte.

Gleichzeitig verzeichnete das Forschungsteam jedoch funktionelle Einbußen: Die Kletterleistung der mutierten Fliegen verschlechterte sich unter den abgeschirmten Bedingungen im Vergleich zu Artgenossen im normalen Magnetfeld.

Bei genetisch gesunden Kontrolltieren zeigte sich ein anderes Bild. Unter hypomagnetischen Bedingungen ließ sich kein signifikanter Unterschied beim Sterberisiko feststellen. Allerdings verbesserte sich bei den gesunden Fliegen die motorische Kletterleistung messbar.

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Eine neue Studie zeigt, dass das Abschirmen von Magnetfeldern bei Parkinson-Modellorganismen die Lebensdauer um rund 20 Prozent verlängern konnte — ein Hinweis darauf, wie eng Zellenergie und Umwelteinflüsse zusammenhängen. Was das für Ihre Gesundheit bedeutet, lesen Sie in unserem kostenlosen Ratgeber. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern

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Als biologische Triebkraft hinter den beobachteten Veränderungen diskutieren die Forschenden der University of Nottingham mitochondriale Prozesse, insbesondere die Aktivität des mitochondrialen Komplexes II sowie die Entstehung von Superoxid.

Bei gesunden Fliegen führte die Magnetfeld-Abschirmung zu einer signifikant erhöhten Aktivität des Komplexes II. Bei den Pink1-Mutanten fiel diese isolierte Analyse des Komplexes II hingegen nicht signifikant aus, was auf unterschiedliche zelluläre Bewältigungsstrategien hindeutet.

Die evolutionäre Dimension dieser Reaktionen ist beachtlich: Das Erdmagnetfeld existiert laut einer im Jahr 2024 im Journal of Geophysical Research erschienenen Untersuchung anhand grönländischer Gesteinsnachweise seit mindestens 3,7 Milliarden Jahren. Entsprechend haben sich biologische Organismen über Jahrmilliarden in ständiger Gegenwart dieses Feldes entwickelt.

Grenzen der Aussagekraft und Perspektiven

Das Forschungsteam weist auf deutliche methodische Limitationen hin. Je Behandlungsansatz wurden lediglich 40 bis 60 Tiere untersucht. Zudem umfasste die Studie ausschließlich männliche Drosophila-Exemplare. Aufgrund dieser kleinen Stichproben und der Beschränkung auf das Tiermodell fehlt bislang jeder Nachweis für eine direkte Übertragbarkeit oder eine konkrete medizinische Anwendung beim Menschen.

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Dennoch eröffnen die Resultate theoretische Perspektiven. Die beteiligten Wissenschaftler nennen als mögliche langfristige Implikationen Ansätze für Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer. Gleichzeitig besitzen die Daten Relevanz für die bemannte Raumfahrt, da Astronauten bei Missionen jenseits des erdnahen Orbits Umgebungen mit drastisch verringerten magnetischen Feldern ausgesetzt sind.