Leo XIV. wünscht sich in absehbarer Zeit einen Besuch in der Bundesrepublik Deutschland. Das sagte er am Montagabend beim Rückflug von seiner Frankreich-Reise nach Rom zu Journalisten.

Papst beendet Frankreich-Reise

Leo XIV. hat seine viertägige Reise durch Frankreich beendet. Vom Flughafen von Metz aus trat er am Montagabend die Rückreise nach Rom an.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Auf die entsprechende Frage eines KNA-Korrespondenten gab der Papst an, dass er schon eine Einladung vorliegen habe. „Ich hoffe sehr, wieder dorthin zu reisen – ich war zwar schon einmal dort, aber nicht als Papst –, doch ich hoffe, Deutschland zu besuchen, so wie ich hoffe, viele andere Orte zu besuchen. Aber ich habe noch keinen Zeitplan.“ Bislang sei für nächstes Jahr nur eine Reise zum Weltjugendtag vorgesehen, der im Sommer in Südkorea stattfindet.

Leo äußerte sich auch zu einer Frage nach dem zahlenmäßigen Niedergang der katholischen Kirche in Deutschland. „Das hat man in der Vergangenheit auch über Frankreich gesagt, und doch haben wir gesehen, was in den letzten vier Tagen passiert ist. Ich glaube, wenn wir den wahren missionarischen Geist und den richtigen Weg dafür finden, gibt es in Deutschland immer noch sehr, sehr viele Menschen, die ihren christlichen und katholischen Glauben leben und feiern wollen.“

  (ANSA)

„Ich glaube, wenn wir den wahren missionarischen Geist und den richtigen Weg dafür finden, gibt es in Deutschland immer noch sehr, sehr viele Menschen, die ihren christlichen und katholischen Glauben leben und feiern wollen“

Er sei in dieser Hinsicht „optimistisch“, obwohl er auch die Probleme kenne, so Papst Leo. „Ich erkenne die verschiedenen Ursachen, die die Kirche sehr hart getroffen haben, aber es hat – wenn man so will – auch die evangelische oder protestantische Kirche sehr hart getroffen, und es hat die Gesellschaft auf sehr ähnliche Weise getroffen. Aber ich hoffe sehr, den Dialog zu suchen. Ich hoffe sehr, weiterhin mit den Verantwortlichen in der Kirche in Deutschland zusammenzuarbeiten und Wege zu finden, darauf zu reagieren.“

Der Fragesteller hatte auch wissen wollen, wie der Papst über die steigenden Werte der AfD in Deutschland denkt. Ob das nicht die Einheit Europas gefährde, die Leo in Metz beschworen habe? Der Papst versetzte darauf, nach seinem Eindruck spalte sich derzeit die Rechte, und Teile von ihr radikalisierten sich immer stärker; das „wäre interessant zu untersuchen“.

  (@Vatican Media)

Gegen Vermischung rechtsextremer Standpunkte mit Christentum

„Gleichzeitig gibt es Anzeichen für eine Vermischung dieser rechtsextremen Standpunkte mit einer bestimmten Art von Religion, die – nicht nur meiner Ansicht nach, sondern auch nach Ansicht der Verantwortlichen der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland – kein authentischer Ausdruck des Christentums ist. Und wieder kehren wir zu den Werten des Evangeliums zurück, bei denen es nicht um Hass und Spaltung geht, sondern um Verständnis, Mitgefühl und Begleitung.“

Er hoffe darauf, dass Wege gefunden würden, „um die Mehrheit der Menschen guten Willens anzusprechen“, so Papst Leo. Die Menschen müssten „verstehen, wie wichtig ihr Engagement ist: Selbst durch die Teilnahme an politischen Prozessen können sie klare Entscheidungen für das Gemeinwohl treffen und sich gegen extremistische Ideen stellen, die vielleicht viel mehr Schaden anrichten, als uns derzeit überhaupt bewusst ist.“ Es sei die Aufgabe der Kirche, im Sinn ihrer Soziallehre „zu lehren, was wir als lebensspendende Werte ansehen – und nicht Zerstörung, Spaltung und Hass“.

  (@Vatican Media)

„Ich bin in erster Linie nach Frankreich gereist, um das Evangelium zu verkünden“

Aber natürlich ging es bei der „fliegenden Pressekonferenz“ zwischen Metz und Rom nicht nur – noch nicht einmal in erster Linie – um Deutschland. In erster Linie blickte Papst Leo auf seine vier Tage in Frankreich zurück und ließ dabei erkennen, dass ihn vor allem zwei Momente beeindruckt haben: die Lichterprozession im Marienwallfahrtsort Lourdes und die Begegnung mit Zehntausenden von jungen Leuten im „Stade de France“ von Saint-Denis vor den Toren von Paris. Das seien Tage „voller Segen“ gewesen, „beinah wundersam“.

In die Politik habe er sich in Frankreich nicht einmischen wollen, auch nicht mit seinen Plädoyers für Menschenwürde und Lebensschutz. Wer die katholische Soziallehre vertrete, mache nicht Politik, sondern wende das Evangelium auf das Leben der Menschen an. „Ich bin in erster Linie nach Frankreich gereist, um das Evangelium zu verkünden“, so Leo.

„Ich ziehe es vor, nicht von systemischem Missbrauch zu sprechen“

In Lourdes hat sich Papst Leo auch mit Missbrauchsopfern getroffen. „Einige von ihnen sprachen von systemischem Missbrauch“, berichtete er den Journalisten gegenüber. „Ich persönlich ziehe es vor, dies anders auszudrücken, obwohl ich durchaus von einigen Organisationen innerhalb der Kirche gesprochen habe, die – wenn man so will – zeitweise systemisch missbräuchlich gehandelt haben. Aber ich halte es für wichtig, diese Unterscheidung zu treffen. Sexueller Missbrauch ist in erster Linie ein menschliches Problem.“

Wenn Missbrauch allerdings in der Kirche geschehe, erhalte er „tatsächlich eine ganz andere Dimension“, weil das Glaubensleben der Menschen „tief verwundet und manchmal sogar zerstört wird“, so der Papst.

„Die Kirche trägt eine besondere Verantwortung, ihnen beizustehen und ihnen zu helfen, Heilung zu finden. In diesem Sinne habe ich mit ihnen darüber gesprochen, dass die Kirche in gewisser Weise als verantwortlich angesehen wurde, aber dass sie meiner Meinung nach gleichzeitig eine wichtige Rolle dabei spielt, ihnen zu helfen, Heilung zu finden.“

Aufruf zu Friedensverhandlungen für die Ukraine

Leo XIV. äußerte sich vor der Presse auch zum Fall einer 85-jährigen Spanierin in Madrid, die vor kurzem von einem Wohnungsbau-Unternehmen aus ihrer Mietwohnung geworfen wurde, in der sie jahrzehntelang gelebt hatte. Er kenne den konkreten Fall zwar nicht, frage sich aber, wie es möglich sei, dass solcherlei geschehe. „Ich glaube, hier liegt eine große Herausforderung; wir müssen von den politischen Führern, den Behörden, erwarten, dass sie Lösungen für solche Fälle finden.“

Mit Verve verurteilte der Papst auf eine weitere Frage hin die Rüstungsindustrie, die sich bereichere: „Mit diesen Tausenden von Millionen von Euro oder Dollar könnte man Probleme wie den Hunger auf der Welt lösen!“ Er rief dazu auf, „mehr im Gesundheits- und Bildungsbereich zu investieren und weniger in Waffen“. „Ich glaube, dass die Kirche die Verantwortung hat, diese Werte zu fördern, indem sie immer wieder Führungskräfte aus Ländern wie Russland, der Ukraine und anderen Ländern einlädt, zu kommen, sich zusammenzusetzen, miteinander ins Gespräch zu kommen und nach Lösungen für die Probleme zu suchen, ohne diese Kriege fortzusetzen, die keinen Sinn haben.“

Angst vor KI? Der Papst kann nachts gut schlafen

Ob ihn eine Künstliche Intelligenz nicht beunruhige, die immer mehr der menschlichen Kontrolle zu entgleiten scheine, wollte ein weiterer Fragesteller von Papst Leo wissen. Dieser entgegnete, er sei „nicht in einem Panik-Modus“, sondern könne nachts „gut schlafen“. Doch finde auch er, dass man die Warnungen vieler Experten angesichts der KI ernstnehmen sollte. Es sei nötig, sich zusammenzusetzen und über nötige Kontrollmöglichkeiten von KI zu sprechen. „Einfach zu sagen ‚Ach, es wird schon nichts passieren‘ und die Augen zu verschließen, scheint mir nicht die verantwortlichste Art und Weise, die Sache anzugehen.“

(vatican news)