Doch während internationale Reedereien die Straße von Hormus meiden, exportiert der Iran seit Ausbruch des Krieges sogar mehr Öl als vorher. Wie das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Rohstoffanalysten der Firma Kpler berichtet, hat der Iran Anfang März im Schnitt 2,1 Millionen Fass Öl pro Tag im Vergleich zu 2,0 Millionen Fass im Februar exportiert. Die eigenen Schiffe greift das Regime schließlich nicht an und auch chinesische Öltanker durchfahren offenbar wieder die Straße von Hormus, um auf der Insel Charg neues Öl aufzunehmen.

Aus Sicht der US-Regierung dürfte das kaum der erwünschte Effekt des Krieges sein. Gleichwohl erscheint es mehr als fraglich, ob die USA ihre bisherige Zurückhaltung aufgeben und doch noch gegen die Insel Charg vorgehen.

Zu diesem Ergebnis kam die US-Regierung schon 1979. Kurz nach der damaligen Islamischen Revolution hielt das neue Regime 52 Menschen in der US-Botschaft in Teheran als Geiseln. Die US-Regierung unter Präsident Jimmy Carter erwog daraufhin, Charg einzunehmen oder zu blockieren, um so die US-Geiseln freizupressen. Doch ein Angriff auf die gut bewachte Insel nur 25 Kilometer vor der iranischen Küste wurde als zu riskant verworfen, wie der Militärhistoriker Chris Owen auf X berichtet.

Wie der Krieg in Nahost weitergeht und wie die beteiligten Länder am Ende dastehen, ist derzeit völlig offen. Bislang aber profitiert vor allem Russland. In den Monaten vor dem Krieg lagen die Ölpreise weit unter dem Niveau, das der Kreml braucht, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren. Hinzu kamen westliche Sanktionen und politischer Druck auf Indien als einen der größten Abnehmer russischen Öls. Doch nun scheint die Talfahrt der Kremlfinanzen vorerst gestoppt.

Seitdem der US-Präsident die Zölle gegen Indien ausgesetzt hat, haben die Raffinerien des Landes in der ersten Märzwoche etwa 30 Millionen Fass russisches Öl gekauft – so viel wie im gesamten Monat Februar. Der Preis für die russische Sorte Urals lag in Indien zuletzt sogar über dem der Nordseesorte Brent. Das russische Öl liegt wegen der Sanktionen schon seit Monaten in Schiffen vor der Küste – und ist nun schneller verfügbar und daher teurer.