Auch in diesem Winter gelang der Skination keine Aufholjagd. Weil der ÖSV zu viel Potenzial liegenlässt. Und die wenigen Stars keine Zugpferde sind.
Zwölf Weltcuprennen sind in diesem Winter noch zu fahren, und schon jetzt ist klar: Nur Julia Scheib kann verhindern, dass Österreich zum vierten Mal in fünf Jahren ohne Weltcup-Kristallkugel dasteht. Schon am Samstag im schwedischen Åre kann die Riesentorläuferin den Sieg in der Disziplinwertung fixieren (10/13 Uhr, live ORF 1). Die anderen neun Kugeln der Alpinskiwelt – und auch die Nationencups bei Damen wie Herren – gehen in andere Länder: in die Schweiz, nach Norwegen, in die USA, ja vielleicht sogar nach Brasilien.
Die Ausbeute für die Skination Österreich ist also wieder eine schmachvolle. Und das in einem Winter, in dem das gar nicht so sein müsste. Die Skikrise schien einigermaßen überwunden: Abgesehen von den vier Saisonsiegen von Scheib gab es immerhin noch sieben weitere. Doch am Ende der Saison gibt man wieder nur die Gratulanten. Weil über alle Disziplinen hinweg Potenziale nicht ausgeschöpft wurden.
Kriechmayr in Courchevel. Gepa
Ein paar Beispiele: Vincent Kriechmayr, der am Freitag in Courchevel nach langer, dreijähriger Durstrecke wieder für einen österreichischen Abfahrtssieg sorgte, ist nur die Nummer fünf in der Gesamtwertung der Königsdisziplin. Bei Marco Schwarz, der noch im Dezember zwei Siege feierte, brach die Formkurve im Jänner völlig ein. Der amtierende Riesentorlauf-Weltmeister Raphael Haaser kam in dieser Disziplin bisher nicht mehr in die Top fünf. Und die noch vor zwei Jahren dominierende Slalommannschaft wurde abgehängt.
Bitter ist vor allem: Auch Julia Scheib und Vincent Kriechmayr sind alles andere als Zugpferde. Ohne dieses Duo wären sowohl die ÖSV-Riesentorläuferinnen als auch das Herren-Speedteam in ein historisches Debakel geschlittert. Schon erstaunlich, dass es überhaupt nicht gelingt, von der Besten ihres Fachs im Training zu profitieren.
So bleibt Scheib der einzige rot-weiß-rote Lichtblick im Kugelrennen. Denn die Zahlen lügen nicht: Stand heute befindet sich bei Damen wie Herren kein Vertreter der Skination unter den besten Acht des Gesamtweltcups. Die Aufholjagd gelang auch in diesem Winter nicht.
E-Mails an: josef.ebner@diepresse.obfuscationcom
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